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Beschäftigung für Flüchtlinge
Bund bewilligt 10.000 neue "Bufdi"-Stellen

Bundesfreiwilligendienst: 10.000 neue Bufdi-Stellen für Flüchtlinge
FOTO: dpa, jka sab gfh
Berlin. Mit zusätzlichen Stellen im Bundesfreiwilligendienst reagiert der Bund auf die Flüchtlingsströme. Ab Dezember soll es 10.000 neue "Bufdi"-Stellen geben, auf die Flüchtlinge mit Bleibeperspektive sich auch selbst bewerben können. 

Ankommende Menschen begrüßen, Care-Pakete und Kleidung verteilen, bei der Suche nach Unterkünften mithelfen: Viele ehrenamtliche Helfer, die sich um Flüchtlinge kümmern, sind inzwischen selbst am Limit angelangt. Der Bund will helfen: Innerhalb weniger Wochen bewilligte er 10.000 zusätzliche Stellen für Bundesfreiwillige, die dann in der Flüchtlingshilfe tätig sein sollen. Auch Flüchtlinge mit einer Bleibeperspektive sollen zum Einsatz kommen.

Neue Plätze mit erstem Asylpaket verabschiedet

Am Anfang war viel Skepsis: Als der Bundesfreiwilligendienst vor vier Jahren an die Stelle des Zivildienstes trat, glaubten viele, dass sich nur wenige Bewerber dafür fänden. Doch ganz schnell wurde aus dem "Zivi" ganz selbstverständlich der "Bufdi", für dessen Tätigkeit es anders als beim Freiwilligen Sozialen oder Freiwilligen Ökologischen Jahr keine Altersbeschränkung gibt.

Gerade bei vielen älteren Menschen in den neuen Bundesländern, die auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit sind, entwickelte sich der Dienst zum Renner. Anfang vergangenen Jahres gab es deshalb für kurze Zeit sogar einen Einstellungsstopp für ältere Bewerber. Inzwischen hat sich das Kontingent an Plätzen auf 35.000 Plätze eingependelt - ohne die zusätzlichen Stellen. Idealismus müssen die "Bufdis" mitbringen: Für ihre Arbeit erhalten sie lediglich ein Taschengeld von rund 350 Euro und zum Teil kostenlose Verpflegung und Unterbringung.

Die Idee, Bewerber vor allem in der Flüchtlingshilfe einzusetzen, kam schnell auf, als sich abzeichnete, dass die Zahl der Flüchtlinge zumindest mittelfristig nicht abnimmt und viele freiwillige Helfer gebraucht werden. Mit dem ersten Asylpaket verabschiedete der Bundestag Mitte Oktober auch die neuen Bufdi-Plätze. Die Maßnahme ist bis Ende 2018 befristet und kostet ab 2016 jährlich rund 50 Millionen Euro.

"Wichtiger Baustein für Integration"

Die Freiwilligen können bereits am 1. Dezember anfangen. Geplant war ursprünglich der 1. Januar. Die ersten Vereinbarungen seien bereits geschlossen, erzählt der Pressereferent im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Peter Schloßmacher. Dabei gebe es sowohl Freiwillige, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren als auch Flüchtlinge, die dann in sozialen Einrichtungen arbeiten wollen.

Genaue Zahlen gibt es aber noch nicht. Das Ganze laufe langsam an, so Schloßmacher. Das sei aber normal. Für den Januar und Februar gebe es schon steigende Zahlen. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir ausreichend Bewerber bekommen, so Schloßmacher.

Auch die Träger der Einrichtungen wie die Caritas sind optimistisch. Sie rechne aber auch damit, dass es Zeit braucht, bis es richtig anläuft, so Caritas-Sprecherin Claudia Beck. Vor allem bei den Flüchtlingen werde es aber dauern, bis sie zum Einsatz kämen. Viele Männer stünden unter enormen Druck, weil sie viel Energie aufbrächten, damit ihre Familie einigermaßen zurechtkommt. Derzeit gebe es aber auch schon vereinzelt Flüchtlinge, die im klassischen Bundesfreiwilligendienst arbeiteten.

Für Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist der neue Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug "ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Stärkung unserer Willkommenskultur". Es sei wichtig, dass "wir die Flüchtlinge bei der Integration in unsere Gesellschaft tatkräftig unterstützen". Zugleich könnten sie ihre Fähigkeiten einbringen und Deutschland könne unmittelbar von ihren Stärken profitieren, ist Schwesig sich sicher.

 

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