Kanzlerin hält Wulff-Debatte für überflüssig: Bettina Wulff besucht überraschend Springer-Zeitung
zuletzt aktualisiert: 09.01.2012 - 18:07Berlin (RPO). Auch zu Beginn der neuen Woche beherrscht die Causa Wulff das politische Berlin. Da überrascht die Präsidentengattin Bettina Wulff mit einem Besuch eines Neujahrsempfangs des Hamburger Abendblattes, einer Springer-Zeitung.
Trotz der Auseinandersetzung ihres Mannes mit der "Bild"-Zeitung und dem Springer-Konzern hat Bettina Wulff, die Frau des Bundespräsidenten, offenbar keine Berührungsängste mit dem Zeitungsunternehmen. Am Montag war sie zur Überraschung vieler prominenter Gast beim Neujahrsempfang des zu Springer gehörenden "Hamburger Abendblatts".
Sie mischte sich unter die rund 1000 Gäste der Veranstaltung in Hamburg und war gefragtes Motiv für die Fotografen. Lächelnd schüttelte die erste Frau im Staat unzählige Hände zur Begrüßung und bahnte sich selbstbewusst ihren Weg durch die dichte Menschenmenge.
Angesichts der Kredit- und Medienaffäre ihres Mannes Christian erhofft sich Bettina Wulff nach Angaben von "Abendblatt.de", dass wieder Ruhe für ihre Familie einkehrt und sie gemeinsam mit ihrem Mann ihren Aufgaben nachgehen kann. Zur Affäre sei alles gesagt, zitierte "Abendblatt.de" die Frau des Bundespräsidenten. Der streitbare FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, war beeindruckt: "Ich bin sehr überrascht, dass Frau Wulff heute hier ist. Das zeugt von Souveränität."
Kanzlerin steht weiter zu Wulff
Unterdessen erneuerte die SPD ihr Angebot, bei einer möglichen Suche nach einem neuen Kandidaten zu helfen. Am Mittag ließ Kanzlerin Angela Merkel ausrichten, dass sie die Debatte für überflüssig halte.
Die Kanzlerin sehe keinen Anlass, sich "über einen möglichen Rücktritt des Bundespräsidenten und eine mögliche Nachfolge Gedanken zu machen", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Seibert dementierte erneut, dass es eine Absprache der drei Koalitionspartner über das Vorgehen bei einem Rücktritt Wulffs gebe. Er dementierte aber nicht, dass zu diesem Thema Beratungen stattgefunden hätten.
Treffen mit Pofalla
Seibert bestätigte, dass für diese Woche ein Treffen von Wulff mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla geplant sei. Einen Zusammenhang zu der Affäre um Wulffs Privatkredit und seinen Umgang mit Medien wollte der Sprecher aber nicht herstellen: Es handle sich um "ein von langer Hand geplantes Treffen zweier Politiker, die einander sehr lange kennen".
Nachdrücklich widersprach Seibert dem Eindruck, dass Merkel den Bundespräsidenten wegen der Affäre meide. Die Kanzlerin werde am Donnerstag zu Wulffs Neujahrsempfang auf Schloss Bellevue kommen und "freut sich auf das Wiedersehen mit dem Bundespräsidenten bei dieser Gelegenheit", sagte Seibert. "Die Kanzlerin sieht keinen Anlass, den Rhythmus ihrer Begegnungen mit dem Bundespräsidenten in irgendeiner Weise zu ändern."
Nahles erneuert Angebot
In der Frage des Umgangs mit Medien setzte Seibert einen klaren Unterschied zwischen Merkel und Wulff, der vor allem mit seinen telefonischen Beschwerden beim Springer-Verlag viel Kritik auf sich gezogen hatte. "Sie wissen, dass die Bundeskanzlerin nicht die Gepflogenheit hat, Journalisten anzurufen", sagte er. Merkel sehe keinen Anlass, ihr "Telefonverhalten" zu ändern.
SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erneurte indes das Angebot von Parteichef Sigmar Gabriel, sich gemeinsam auf einen überparteilichen Nachfolgekandidaten für Bundespräsident Christian Wulff zu verständigen. Die SPD erhalte dieses Angebot trotz ablehnender Stimmen aus der Union weiter aufrecht, sagte Nahles in Berlin. Ein gemeinsamer Kandidat könne dabei durchaus auch CDU-Mitglied sein. Nahles warf Merkel vor, nur deswegen an Wulff festzuhalten, um ihre "morsche Zusammenarbeit mit der FDP am Leben zu erhalten".
"Bild" bleibt bei ihrem Vorwurf
Die "Bild"-Zeitung hatte in der "Mailbox-Affäre" am Sonntagabend ihren Standpunkt erneut bekräftigt. Mit seinem Anruf auf die Mailbox von Chefredakteur Kai Diekmann habe Wulff den Artikel "eindeutig" verhindern wollen, sagte der stellvertrende Chefredakteur Nikolaus Blome bei "Günther Jauch". "
Der Bundespräsident hat vielleicht das Verschieben als Etappe gesehen, das Verhindern ganz eindeutig als Ziel." Blome sagte weiter, Wulff sei ein enormes politisches Risiko eingegangen, indem er sich auf der Mailbox verewigt habe. "Der Präsident ist aufs Ganze gegangen mit einem politischen Risiko, weil er das Ganze wollte, nämlich diesen Bericht zu verhindern."
Wulff-Anwälte widersprechen
Am Montagmorgen ließ der Bundespräsident dieser Darstellung erneut widersprechen. "Der Bundespräsident wollte diese Berichterstattung nicht verhindern." Es sei ärgerlich, dass der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur diese Behauptung erneut aufgestellt habe. Wulff sei in höchster Sorge gewesen, dass die Berichterstattung der "Bild" die Privatsphäre von Edith Geerkens belasten würde. "Und deshalb bat er dringend darum, dass er die Chance bekommt, die Sache noch einmal mit der Redaktion zu besprechen", sagte Wulffs Anwalt Gernot Lehr.
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