"Erinnerungshilfe" für den Bundespräsidenten: "Bild" schickt Wulff Wortlaut der Mailbox-Nachricht
zuletzt aktualisiert: 06.01.2012 - 15:13Berlin (RPO). Die "Bild"-Zeitung hat Bundespräsident Christian Wulff eine Abschrift des Wortlauts seines Anrufs auf die Mailbox von Chefredakteur Kai Diekmann übermittelt. Dies sei geschehen, damit sich Wulff "bei Aussagen darüber nicht nur auf seine Erinnerung stützen muss", teilte der Springer-Verlag am Freitag mit.
Zugleich bekräftigte die "Bild"-Chefredaktion ihre Entscheidung, eine Veröffentlichung nicht ohne Zustimmung des Bundespräsidenten vorzunehmen. Wulff hatte diese Zustimmung am Donnerstag nicht erteilt.
Bei dem Anruf vom 12. Dezember hat Wulff nach seinen Angaben um eine Verschiebung des Berichts über seinen umstrittenen Privatkredit gebeten. Die "Bild"-Zeitung argumentiert, er habe die Berichterstattung nicht nur hinauszögern, sondern verhindern wollen.
SPD fordert von Merkel Eingreifen
Unterdessen hat SPD-Chef Sigmar Gabriel Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, Wulff zur Veröffentlichung der umstrittenen Mailbox-Nachricht vom Handy des "Bild"-Chefredakteurs zu drängen. "Der Bundespräsident muss alles offenlegen, auch den Wortlaut seiner Nachricht", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung. Sonst könne die Öffentlichkeit nicht entscheiden, ob er die Wahrheit gesagt habe oder nicht.
Bislang habe Wulff lediglich Transparenz versprochen, aber nicht geliefert. "Wenn er das nicht von alleine versteht, muss ihm das jemand raten. Und das kann nach Lage der Dinge nur die Bundeskanzlerin. Sie hat ihn ins Amt geholt, sie muss das jetzt auch klären", sagte Gabriel.
Merkel steht hinter Wulff
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hält trotz aller Vorwürfe gegen Christian Wulff weiter zum Bundespräsidenten. Merkel habe "große Wertschätzung für Christian Wulff als Menschen und für Christian Wulff als Bundespräsidenten. Sie hat große Achtung vor dem Amt, das er innehat", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Wulffs Entschuldigung sollte respektiert werden.
Merkel habe volles Vertrauen, dass Wulff auch weitere Fragen beantworten werde, falls solche auftauchten.
Das Interview, das Wulff am Mittwoch ARD und ZDF gegeben habe, sei ein "richtiger Schritt gewesen, um das Vertrauen der Bürger wiederherzustellen". Die Kanzlerin habe zur Kenntnis genommen, dass Wulff seinen Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann in dem Interview als "schweren Fehler bezeichnet hat, den er mit seinem eigenen Amtsverständnis nicht in Übereinstimmung bringen kann" und für den er deswegen um Entschuldigung gebeten habe.
Kanzlerin liegt Mailbox-Abschrift nicht vor
Die Entscheidung, ob die Abschrift des umstrittenen Anrufs auf Diekmanns Mailbox veröffentlich werden sollte, sei ausschließlich Angelegenheit der "Bild"-Zeitung und des Bundespräsidenten, sagte Seibert. Der Kanzlerin liege keine Abschrift des Anrufes vor. Aus Achtung vor dem Amt gebe die Kanzlerin dem Präsidenten keine öffentlichen Ratschläge.
Wulff habe einen vollen Terminkalender und "Arbeit, die er für uns alle macht", sagte Seibert. Der Bundespräsident habe in den ersten anderthalb Jahren seiner Amtszeit bereits wichtige Impulse gesetzt "und wird mit Sicherheit auf dieser Ebene weiterarbeiten".
In der Mischung aus Transparenz und täglicher Arbeit des Staatsoberhauptes könne Vertrauen wieder zurückgewonnen werden.
Auf die Frage, ob die Affäre erledigt sei, sagte Seibert, es gebe "keinen Moment, wo man sagen kann: Jetzt ist es vorbei". Eine Debatte entwickele sich eben. "Es hat keinen Zweck, irgendwo was für erledigt zu erklären."
Wulff steht seit Wochen unter anderem wegen eines umstrittenen Privatkredits in der Kritik. Zudem hat er durch eine persönliche Intervention bei der "Bild"-Zeitung versucht, die Berichterstattung über den Fall zu beeinflussen.
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