Horst Köhler wird als gescheiterter, wohl auch tragischer Bundespräsident in die Geschichtsbücher eingehen. Seine zweite Amtszeit sollte eigentlich bis 2014 dauern. Am 31. Mai 2009 warf er resigniert hin. Ein Blick auf den Menschen im Amt.
In der Bevölkerung war er beliebt. In Umfragen sagten 69 Prozent der Bürger, sie würden Köhler direkt wählen. Aber wie wurde Köhler der Mensch, der er ist? Wir zeichnen Köhlers Werdegang nach.
22. Februar 1943: Horst Köhler kommt als siebtes von acht Kindern im
polnischen Skierbieszów zur Welt.
1944: Die Familie flieht vor den sowjetischen Truppen nach Markkleeberg
bei Leipzig, 1953 über West-Berlin in die Bundesrepublik nach Ludwigsburg.
1969: Köhler schließt sein Studium der Wirtschaftswissenschaften in
Tübingen ab und heiratet Eva Luise Bohnet, Lehrerin aus Ludwigsburg.
1977: Er promoviert über die "Freisetzung von Arbeit durch technischen
Fortschritt".
1981: Köhler geht als Referent des Ministerpräsidenten Gerhard
Stoltenberg in die Kieler Staatskanzlei. Als Stoltenberg 1982
Bundesfinanzminister wird, geht Köhler als Leiter des Ministerbüros mit
nach Bonn.
1993: Köhler scheidet aus familiären Gründen aus der Bundesregierung
aus und wird Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.
2000: Köhler wird Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF).
23. Mai 2004: Die Bundesversammlung wählt Köhler im ersten Wahlgang mit
absoluter Mehrheit zum neunten Bundespräsidenten
23. Mai 2009: Fünf Jahre später wird er mit knapper Mehrheit wiedergewählt, diesmal bereits im ersten Wahlgang.
31. Mai 2010: Mit Tränen in den Augen erklärt Horst Köhler seinen Rücktritt. Zur Begründung verweist er auf mangelnden Respekt vor dem Amt. Medien und Politik hatten ihn wegen missverständlicher Äußerungen zu Einsätzen der Bundeswehr im Ausland kritisiert und von "Schwadronieren" und einem "imperialen Zungenschlag" gesprochen.