Joachim Gauck soll neuer Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten werden. Schon 2010 erreichte er als Gegenkandidat von Christian Wulff hohe Popularitätswerte. Nun verständigten sich Union, FDP, SPD und Grüne auf ihn als Konsenskandidaten.
Weil er nicht im Verdacht steht, parteipolitischen Kalkülen unterworfen und ein wahrhaft unabhängiger Kandidat zu sein, erfreut sich Gauck großer Popularität in der Bevölkerung. Auch 2012 belegt ein Umfrage nach dem Rücktritt Wulffs: 54 Prozent der Deutschen würden für Gauck stimmen, wenn sie den Bundespräsidenten denn direkt wählen dürften.
Gauck war bereits früher als möglicher Bundespräsidentenkandidat genannt worden, trat aber nie bei einer Wahl an. Der gebürtige Rostocker arbeitete als regimekritischer Pfarrer in der DDR und schloss sich in der Wendezeit der Bürgerbewegung an.
Gauck zeigte sich dabei oftmals alles andere als konfliktscheu. Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) etwa, dessen von ihm selbst eingeräumte Kontakte zur Stasi jahrelang die Potsdamer und bundesdeutsche Politik beschäftigten, fühlte sich von Gauck ungerecht behandelt.
Nach der Wende widmete er sich ganz der Aufarbeitung des Stasi-Erbes, am 3. Oktober 1990 wurde er schließlich zum Bundesbeauftragten für die Stasi-Akten berufen. Zum zehnten Jahrestag der Einheit gab er das Amt dann an Marianne Birthler ab. Die Behörde trägt nun seinen Namen.