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Joachim Gauck apn 2010 Panorama
  Foto: dapd, APN
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Lob auch von Union und FDP: Koalitonspolitiker haben Sympathien für Gauck

zuletzt aktualisiert: 05.06.2010 - 15:44

Berlin (RPO). Der rot-grüne Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck findet parteiübergreifend Rückhalt. Sein guter Ruf als ehemaliger Chef der Stasi-Unterlagenbehörde bringen ihm nicht nur das Wohlwollen von Bürgerrechtlern ein - selbst Unions- und FDP-Politiker finden lobende Worte. Einige von ihnen bedauern sogar, dass man Gauck nicht als Kandidat aller Parteien eingesetzt habe.

Der langjährige brandenburgische CDU-Vorsitzende Jörg Schönbohm äußerte laut einem Bericht des "Spiegel" seine Sympathie für Gauck. "Ich frage mich, warum es nicht möglich war, sich im bürgerlichen Lager mit der SPD auf Gauck zu einigen", sagte Schönbohm, der als Mitglied der Bundesversammlung an der Wahl des Präsidenten am 30. Juni teilnimmt.

Nachdem CDU, CSU und FDP am Donnerstag den niedersächsichen CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff als gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge des zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler präsentiert hatten, ernannten SPD und Grüne den Bürgerrechtler Joachim Gauck. Eine Kandidatur, die vor allem bei ostdeutschen Liberalen auf ein positives Echo stößt.

Der sächsische FPD-Vorsitzende Holger Zastrow sagte der "Welt am Sonntag", es gebe keinen Blankoscheck für den Kandidaten der schwarz-gelben Koalition, Christian Wulff. "Ich persönlich habe große Sympathien für Joachim Gauck." Beide Kandidaten könnten das Amt gut ausfüllen.

Auch der FDP-Fraktionschef im Landtag von Sachsen-Anhalt, Veit Wolpert, ließ der Zeitung zufolge Distanz gegenüber dem niedersächsischen Ministerpräsidenten erkennen. "Wir werden in der Fraktion darüber zu sprechen haben, ob wir trotz Bedenken mit Herrn Wulff leben können", sagte Wolpert. Er sprach von einer "massiven Verärgerung" darüber, dass die Länder von Parteichef Guido Westerwelle nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden seien.

Die ehemalige FDP-Präsidentschaftskandidatin Hildegard Hamm-Brücher zeigte sich im "Spiegel" "sehr enttäuscht, dass man nicht versucht hat, in dieser schwierigen innenpolitischen Situation einen gemeinsamen Kandidaten aller Parteien zu finden. "Herr Gauck ist eine hervorragende Idee. Er ist politisch im Pulverdampf erprobt, kommt aber nicht aus der Parteikiste", sagte Hamm-Brücher, die 2002 aus der FDP ausgetreten war. "Ich unterstütze Joachim Gauck, weil seine Kandidatur in unserer verunsicherten Demokratie in Ost und West auf jeden Fall ein Zeichen der Hoffnung gibt."

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, hat unterdessen die Vertreter der Regierungskoalition zur Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten aufgerufen. Sein "Appell an die Kollegen" von CDU, FDP und auch der Linken laute, "folgt Eurem Herzen, nicht der Parteidisziplin, folgt nicht dem Kanzleramt, sondern dem, was für unser Land gut ist, und das ist Joachim Gauck", sagte Özdemir am Samstag auf einem Parteitag der rheinland-pfälzischen Grünen in Mainz. Gauck habe mit seiner Stasi-Aufbereitungsbehörde den Opfern der Stasi die Möglichkeit gegeben, ihre Akten einzusehen, "nicht aus Rache, sondern damit daraus etwas anderes wird", betonte Özdemir. Gauck stehe "für diese andere Art des Umgangs mit Diktatur, er steht für Freiheit und Demokratie", warb er.  

Noch vor wenigen Monaten war es sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst, die Joachim Gauck lobte. Zu dessen 70. Geburtstag sagte Merkel der "Bild"-Zeitung zufolge, Gauck habe sich in "herausragender und auch unverwechselbarer Weise um unser Land verdient" gemacht. Und lobte den Theologen als "Mahner" und "Demokratielehrer".

Gauck hätte sich auch von Merkel aufstellen lassen

Gauck selbst hätte sich auch von Union und FDP aufstellen lassen. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn gefragt hätte, wäre seine Antwort begeistert ausgefallen, sagte Gauck der "Bild"-Zeitung. "Ich hätte mich gefreut und hätte Ja gesagt." Zugleich äußerte er Respekt vor seinem Gegenkandidaten Wulff. Dieser wäre selbstverständlich auch ein guter Bundespräsident.

Auf einen Wahlkampf um das Amt will Gauck verzichten, wie der Theologe in den ARD-"Tagesthemen" sagte. Er habe gute Beziehungen in das Lager von Union und FDP. "Ich habe zahlreiche Auftritte und Begegnungen dort gehabt und arbeite in einem Verein gegen Vergessen für Demokratie, wo Sozialdemokraten, Freidemokraten und Unions-Menschen gemeinsam tätig sind", sagte Gauck.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler räumte ein, dass er angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung eher geringe Chancen gegen Wulff habe. Er habe sich jedoch daran gewöhnt, dass Unvorhergesehenes passieren könne.

Sollte er als Bundespräsident eine wichtige Rede halten müssen, werde er bei seinem Thema - der Freiheit - bleiben. "Ich bin ein Liebhaber der Freiheit", bekannte Gauck.

Gauck sagte, er wolle den Menschen Mut zu machen. "Es ist nicht so, dass jede Krise, die über das Land kommt, gleich Untergang bedeutet", betonte er. Sie sei auch eine Anforderung an die Fantasie der Menschen beim Sparen, Umschichten und neu Denken. "All das gelingt besser, wenn man sich nicht fürchtet", sagte Gauck. Wer Angst habe, dem schwinde auch die Fantasie.

Quelle: RP/DDP/AP/AFP

 
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