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"Wilde Ehe": Politiker diskutieren Gaucks Privatleben

VON GREGOR MAYNTZ / EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 - 09:46

Berlin (RP). Joachim Gauck soll dem Amt des Bundespräsidenten Autorität und Würde zurückgeben. Das hält Politiker nicht davon ab, über das Privatleben und seine Partnerschaft mit der Journalistin Daniela Schadt zu diskutieren. Außenminister Guido Westerwelle hält die Debatte für "stillos."

Muss ein Bundespräsident "ordentliche" Lebensverhältnisse vorweisen? Nach Joachim Gaucks Nominierung für das Amt ist eine Debatte darüber entbrannt, ob er sich von seiner Frau scheiden lassen und seine langjährige Lebensgefährtin heiraten soll.

Auslöser des Ganzen war eine Äußerung des CSU-Politikers Norbert Geis. "Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", sagte der der "Passauer Neuen Presse". Geis machte sich damit indirekt dafür stark, dass der künftige Bewohner von Schloss Bellevue sich möglichst rasch einen neuen Trauschein besorgt.

Gauck ist seit zwölf Jahren mit der Nürnberger Journalistin Daniela Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Vor seiner Kandidatur 2010 hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, wenn er Präsident werde. Die Ehe mit seiner ersten Frau ist aber noch nicht geschieden. Aus der seit 1959 andauernden Ehe gingen vier Kinder hervor.

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte dem Sender N24: "Ich unterstelle mal, dass er seine Lebenspartnerin auch liebt." Die Frau, mit der man zusammenlebe, könne man doch auch heiraten. Zu dem Einwand, dass Gauck noch gar nicht geschieden sei, sagte Thierse: "Das ist ja dann ein Vollzug. Also, ich würde daraus keine Staatsaffäre machen."

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) schaltete sich in die Debatte über Gaucks "wilde Ehe" ein. "Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos", sagte Westerwelle unserer Redaktion. Deutschland sei ein modernes Land, betonte Westerwelle, der mit dem Unternehmer Michael Mronz in einer eingetragenen Partnerschaft lebt.

Linke-Chef Klaus Ernst nannte die ganze Debatte völlig überflüssig. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er am Dienstag:
"Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu."

Die Debatte wirft bereits ein Licht darauf, was auf Gauck und seine Lebensgefährtin zukommen könnte. Fragen zu einer möglichen Heirat mit Gauck wehrte Schadt in den "Nürnberger Nachrichten" ab: Ihr Privatleben wolle sie aus verständlichen Gründen "nicht ventilieren".

Der Gedanke an ihre künftige Rolle als First Lady ist für Schadt noch "ein bisschen unwirklich". Was künftig auf sie zukomme, vermöge sie sich nicht so recht vorzustellen, offenbarte sie dem Schwesterblatt "Nürnberger Zeitung", bei der sie als Leitende politische Redakteurin beschäftigt ist. "Ich muss mich noch ein bisschen sortieren." Sicher werde sich in ihrem Leben viel ändern.

Die Vorstellung, mit Michelle Obama beim Damenprogramm zu sitzen, sei für sie derzeit noch sehr abstrakt. Von der Entscheidung für Gauck sei sie schon sehr überrascht gewesen. "Wir haben uns natürlich mit dem Thema auseinandergesetzt", sagte die 52-jährige Schadt. Jetzt freue sie sich auf die neue Aufgabe. Für diese Woche habe sie sich erst einmal Urlaub genommen, um zu ihrem Partner nach Berlin zu fahren.

Von dessen parteiübergreifender Nominierung zum Bundespräsidentschafts-Kandidaten habe sie erst am späten Sonntagabend im Zug auf der Rückfahrt von Wien erfahren. Schadt hatte das Wochenende zusammen mit Gauck in der österreichischen Hauptstadt verbracht - er flog von dort nach Berlin zurück und wurde im Taxi vom Anruf von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) überrascht.

Bei den Grünen macht sich derweil ein Grummeln über die Nominierung von Gauck breit. Sozialexperte Markus Kurth erklärte, er habe noch "Reflexionsbedarf" darüber, dass Gauck dem umstrittenen Buchautor Thilo Sarrazin Mut attestiert habe: "Ich würde mir wünschen, dass er das öffentlich korrigiert." Er wolle aber keine Bedingungen für dessen Wahl aufstellen. Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick sagte: "Er wird nicht in allen Punkten für uns bequem sein, aber er hat das Format, das Amt auszufüllen."

Nach Informationen unserer Redaktion wurden in den verschiedenen Telefonkonferenzen der Grünen zur Nominierung Gaucks auch dessen umstrittene Äußerungen angesprochen. Es habe aber keine Stimmung gegen Gauck gegeben, hieß es. Dennoch seien einzelne Abweichler möglich. Grünen-Integrationspolitiker Memet Kilic nannte Gauck bereits nicht wählbar. Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele verlangte von Gauck Erklärungen zu Äußerungen über Hartz IV, die "Occupy"-Bewegung und Sarrazin. Dieser sagte am Dienstag, er schätze Gauck sehr und hätte ihn sich schon 2010 als Bundespräsidenten gewünscht.

Quelle: RP/dpa/jh-/pst/top


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