Foto: RPO
Die Erklärung von Bundespräsident Wulff ist in der Presse zahlreich kommentiert worden. Wir haben einige Meinungen zusammengestellt.
Foto: RPO
Rheinische Post: Will Wulff nicht in der achtbaren, aber unpopulären Rolle eines Bundesnotars verharren, der in der feinen Kanzlei Schloss Bellevue Gesetze wägt, prüft und unterzeichnet, muss er die anderen Themenschwerpunkte seiner Amtszeit hervorkehren: die Fragen von Integration, Familie und Bildungsgerechtigkeit. So könnte er in den verbleibenden dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit noch ein respektabler Bundespräsident werden. Das ist allerdings das Maximum dessen, was Christian Wulff nach dem selbst verursachten Spektakel der vergangenen zehn Tage erreichen kann.
Foto: RPO
Stuttgarter Zeitung: Wulff bleibt im Amt, weil er sich sicher glaubt, dass sein politischer Kredit bei den meisten Bürgern wie bei den politischen Kräften, die ihn gewählt haben, noch hinreichend groß ist. Angela Merkel und ihre schwarz-gelbe Koalition stützen ihn, weil ein Rücktritt nicht nur eine normale politische, sondern eine staatspolitische Krise auslösen würde.
Foto: RPO
Frankfurter Neue Presse: Er ist zweifellos ein geknickter Präsident; ob er sich wieder aufrichten kann, liegt wesentlich an ihm selbst. Vielleicht hat er sich durch seine Erklärung in einen Weihnachtsfrieden retten können. Im neuen Jahr jedoch werden ihn die alten Probleme wieder einholen.
Foto: RPO
Die Welt: Gerade angesichts der gewaltigen Aufgaben, vor denen wir stehen, ist die Beschädigung des höchsten Amtes im Staat das Letzte, was wir jetzt brauchen. Es ist aber beschädigt. Christian Wulff hat nicht heilen können, was er heilen wollte. Das ist schade - für ihn, für uns, für den Staat.
Foto: RPO
Thüringer Allgemeine: Christian Wulff ist kein Bundespräsident, dem man vertrauen kann. Er ist nur noch der Amtsträger. Am Ende seiner gestrigen Stellungnahme wirbt er in fast flehendem Ton um das Vertrauen der Menschen in ihn und seine weitere Amtsausübung.Doch wie soll man jemandem vertrauen, der nichts von sich preisgibt, der mit durchschaubarer Rhetorik auf Vorwürfe eingeht, ohne diese im Kern auszuräumen?
Foto: RPO
Süddeutsche Zeitung: Wulffs vorweihnachtliche Mea-culpa-Erklärung hatte die Funktion einer Notbremse. Auch wenn diese Bremse eigentlich zu spät gezogen wurde, kommt damit der Karren nun hoffentlich vor dem Abgrund zum Stehen.
Foto: RPO
Hessische/Niedersächsische Allgemeine: Mit der öffentlichen Erklärung hat er sich die Chance auf Rehabilitierung erarbeitet. Nun muss er sie aber nutzen. Denn andernfalls würde auch das Amt des Bundespräsidenten beschädigt, das eine von innerer Erosion bedrohte Gesellschaft mehr denn je benötigt.
Foto: RPO
Tagesspiegel: Nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig - wie wahr. Ob Wulff diesen seinen Satz übrigens in seiner ganzen Bedeutung erfasst hat, ist noch schwer zu sagen. So weit ist er nämlich nicht gegangen, dass er sich für den distanzlosen Umgang mit jener hannoverschen Mischpoke entschuldigt hätte, über die wir dank seiner Hinhaltetaktik jetzt auch mehr wissen, als wir je wissen wollten.
Foto: RPO
Frankfurter Rundschau: Er wird vielleicht in Zukunft vorsichtiger sein. Wirklich klüger ist er nicht. Da war kein Wort, wie er gedenkt, mit solchen Angeboten zu verfahren. Nur der Hinweis, er habe durch sein Verhalten niemandem einen unberechtigten Vorteil verschafft.