kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Merkel nach dem Gauck-Eklat: Schlappe mit Hintertürchen

zuletzt aktualisiert: 21.02.2012 - 20:03

Berlin (RPO). Nach dem Gauck-Drama vom Wochenende überschlagen sich die Analytiker. Manche reden von einer Niederlage, andere von einer Schmach. Merkel hatte sich in der Präsidentenfrage der in Umfragen bis zur Unkenntlichkeit reduzierten FDP gebeugt. Wieder ist von der Kehrtwenden-Kanzlerin zu lesen, die sich neuen Konstellationen blitzschnell anzupassen vermag. Und wieder sieht es so aus, als könnte ihr keine Krise etwas anhaben.

SPD und Grüne werten die Nominierung von Joachim Gauck als Nachfolger des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff lautstark als Niederlage von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Spiegel Online titelte mit der Überschrift „Merkels größte Schmach“, die Süddeutsche Zeitung attestierte der Kanzlerin ebenfalls eine Niederlage, sie habe ihren Laden einfach nicht mehr im Griff.

Doch ob der verlorene Wahlkampf am Ende auch böse Folgen für Merkel und ihr vorrangiges Ziel Machterhalt haben wird, steht auf einem anderen Blatt. Rote und Grüne werden an dem Konservativen Gauck noch ihre helle Freude haben. Und indem Merkel mit der Zustimmung zu Gauck weiterhin die Verbindung mit allen Parteien bis auf die Linke intakt hält, bleiben ihr auf lange Sicht auch weiterhin mehrere Koalitionsoptionen.

Merkel hält sich alles offen

Die Zeit nach der FDP – sie liegt längst im Kalkül der Kanzlerin. Derzeit spricht alles dafür, dass Merkel sich bald ohnehin auf die Suche nach neuen Bündnissen machen muss. Wenn im Herbst 2013 ein neuer Bundestag gewählt wird, dürfte es nach gegenwärtigem Stand der Dinge abermals Angela Merkel sein, die beste Chancen auf eine weitere Kanzlerschaft hat.

Sicher, das Aufbegehren des kleinen Partners hat Merkel erstmals in einer wichtigen Personalfrage alt aussehen lassen. Aber die Bundespräsidentenfrage war schlichtweg nicht wichtig genug, als dass Merkel für sie die Koalition aufgeopfert und somit Neuwahlen heraufbeschworen hätte. Zumal sie nur zu gut wusste, dass es für sie nicht allzu schädlich sein dürfte, mit Gauck dem Liebling der Umfragen die Tür für Schloss Bellevue zu öffnen.

Wulff konnte Merkel nichts anhaben

Tatsächlich hat Merkel in den Augen der deutschen Wähler bislang keinen Schaden durch die Turbulenzen des Wochenendes genommen. In einer Blitzumfrage hielt eine Mehrheit der Befragten der Kanzlerin die Treue. Nur 29 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Kanzlerin durch ihr Nachgeben politisch geschwächt ist. 65 Prozent glauben das nicht. Für die Blitzumfrage befragte die Forschungsgruppe Wahlen am Montag 1122 Wahlberechtigte.

Auch Experten der Umfragen-Konkurrenz Forsa vermögen nicht zu erkennen, dass die CDU-Vorsitzende tatsächlich am Ende als Verliererin dastehen wird. "Die ganze Wulff-Diskussion hat Merkel überhaupt nicht geschadet. Im Gegenteil, die Merkel-Werte sind angestiegen während der Wulff-Debatte", sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, der Nachrichtenagentur Reuters.

Ein vordergründiger Sieg

Das Kalkül der Opposition werde nicht aufgehen, Merkels fast bedingungslose Treue zu Wulff trotz immer neuer Einzelheiten über dessen Hang zu Glanz und Vergünstigungen werde auf sie zurückfallen. Für Rot-Grün sei die Kandidatenfindung ein vordergründiger Sieg, der sich aber wohl kaum dauerhaft in den Umfragewerten niederschlagen werde.

"Merkel hat deswegen so gute Werte, weil sie den Menschen in der Euro-Krise das Gefühl gibt, sich für sie einzusetzen", sagte Güllner. Der Streit um den neuen Bundespräsidenten verblasse daneben. Noch gebe es keine Datengrundlage, aber es sei auch fraglich, ob die FDP profitieren werde. Die Freidemokraten hatten auf Gauck beharrt und damit Merkel zum Einlenken gezwungen.

Die FDP kämpft mit ganz anderen Problemen

"Der Mittelstand, der die FDP vor allem 2009 gewählt hat, ist schließlich nicht enttäuscht von der Partei, weil die 2010 noch für Wulff gestimmt hat, sondern weil die FDP zu wenig für den Mittelstand tut." Die Wähler wendeten sich von den Freidemokraten ab, weil bei Steuervereinfachung und anderen für sie wichtigen Themen kaum etwas passiere.

Der Parteienforscher Gero Neugebauer sagt der Koalition eine schwere Zukunft voraus: "Die vertrauensvolle Zusammenarbeit wird in der Koalition nicht so schnell wieder fortgesetzt werden können." Allerdings sei die Kandidatenkür auch keine Zäsur im schwarz-gelben Binnenverhältnis. Bereits vorher habe es etwa bei der Euro-Rettung massiven Streit zwischen den Partnern gegeben.

Sieger ist ein ganz anderer

Für die Kanzlerin sieht Neugebauer indes ebenfalls kaum bleibende Blessuren. Zwar sei sie beschädigt worden, weil sie sich einen Kandidaten habe aufzwingen lassen. Sie habe aber auf der anderen Seite wie bei der Energiewende gezeigt, dass ihr in bestimmten Situationen die Stimmung in der Partei völlig egal sei und sie einen neuen Kurs einschlage. "Da hat sie wieder Führungsstärke bewiesen." Dafür nehme sie auch Streit mit der Partei in Kauf, der aber sich nach einigen Monaten lege. "Frau Merkel ist rund genug, um das eine an sich abprallen zu lassen und das andere in sich aufzunehmen."

Laut Güllner gibt es allerdings einen eindeutigen Sieger im Streit im die Wulff-Nachfolge: "Erst einmal profitiert das Amt." Es werde als wohltuend empfunden, dass sich alle vier Parteien letztlich auf Gauck geeinigt hätten. "Nun können die Beschädigungen am Bundespräsidentenamt wieder beseitigt werden."

Quelle: REU/AFP

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Der Bundespräsident fordert die israelische Regierung auf, in der Siedlungspolitik ein konstruktives Zeichen für die Palästinenser zu setzen ... mehr 

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Möglicher Militäreinsatz in Syrien

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Nach dem jüngsten Massaker in Syrien ist in der internationalen Gemeinschaft eine Debatte über einen möglichen Militäreinsatz entbrannt. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Möglicher Militäreinsatz in Syrien

USA weiter gegen militärisches Eingreifen

Betreuungsgeld für Eltern

Was in Schröders Gesetzentwurf steht

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

V.I.P Duisburg:"Der Checker" - von Vivien Daberkow

Sie kennen es mittlerweile alle. Casting-Shows gibt es noch und nöcher. Die Teilnehmer überschwemmen in der Hoffnung auf den ganz ... mehr 

Mehr zum Thema Bundespräsident
Gauck in den Niederlanden

Festakt zum "Tag der Befreiung"

Die Niederlande umgarnen Joachim Gauck

Große Gesten, warme Worte und eine Bootstour mit der Königin. Der Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in den Niederlanden. von michael bröcker  mehr

 
Bundespräsident Joachim Gauck wird am Flughafen von Rotterdam von Kronprinz Willem-Alexander begrüßt.

Besuch in den Niederlanden

Gauck gedenkt der Befreiung vom Nazi-Joch

Bundespräsident Joachim Gauck hat am Samstag als erster Deutscher in den Niederlanden zum "Tag der Befreiung" gesprochen. mehr

 

Bundespräsident sagt Ukraine-Reise ab

Gaucks starkes Signal Richtung Kiew

 

Reise in Ukraine wegen Timoschenko abgesagt

Breite Unterstützung für Gauck

 

Traditionelles Sommerfest fällt aus

Gauck lädt im September zum Bürgerfest

 

Ehemaliger Bundespräsident und seine Frau

Memoiren: Wulffs kassieren wohl Millionen

 

Antrittsbesuch in Warschau

Bundespräsident Gauck umarmt die Polen

 

Erste Auslandsreise

Gauck in Polen eingetroffen

Gaucks Ansprache am 19.2.2012

"Ich bin noch nicht mal gewaschen"

Gauck soll neuer Bundespräsident werden

Der DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck hat nach seiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten umrissen, wie er agieren will. mehr

Top-Services

Rücktrittserklärung vom 17.2.2012

Das sagte Christian Wulff

Bundespräsident Wulff zurückgetreten

Nachdem die Staatsanwaltschaft in Hannover Ermittlungen gegen Christian Wulff aufgenommen hatte ist er als Bundespräsident zurückgetreten. mehr

TV-Auftritt vom 4.1.2012

Protokoll des Wulff-Interviews

TV-Interview mit Bundespraesident Wulff

Der angeschlagene Bundespräsident Christian Wulff stand Bettina Schausten vom ZDF und Ulrich Deppendorf von der ARD Rede und Antwort. mehr

Stellungnahme vom 22.12.2011

Wulffs Erklärung im Wortlaut

Bundespraesident Wulff gibt Erklaerung ab

Christian Wulff hat nach Vorwürfen wegen der Geschäftsbeziehungen zu einem Unternehmerehepaar sein Schweigen gebrochen. mehr

Chronologie

Alle Bundespräsidenten im Überblick

panorama deutschlandfahne flagge DAPD

Sollte Bundespräsident Wulff zurücktreten, wäre er nicht der erste, der auf sein Amt verzichtet. Bundespräsidenten im Überblick. mehr