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Cyber-Attacke
Bundestag bekämpft Hacker

Berlin. Der größte Hacker-Angriff auf den Bundestag seit Eintritt ins digitale Zeitalter hat bereits erste Folgen: Kurz vor der Verabschiedung ihres IT-Sicherheitsgesetz verschärften Union und SPD die Vorschriften. Von Gregor Mayntz

Damit müssen nicht nur Unternehmen bestimmte Mindeststandards bei ihren Computersystemen erfüllen, sondern auch Bundesbehörden. Das Parlament kehrte also auch vor der eigenen Tür und fügt sich nun den Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik.

Mitte Mai waren schwerwiegende Cyber-Angriffe auf die Bundestagscomputer bekannt geworden. Inzwischen ist klar, dass die Hacker auch Administratorenrechte in Besitz nehmen konnten. Seit zwei Wochen seien keine Daten mehr abgeflossen. Unklar ist jedoch, was alles entwendet und installiert wurde und ob die Täter jederzeit wieder aktiv werden können.

Die Hacker-Organisation "Chaos Computer Club" (CCC) empfahl dem Bundestag, nicht nur Geld für Software und Hardware in die Hand zu nehmen, sondern auch für bessere IT-Spezialisten zu sorgen. "An neuralgischen Punkten muss der Bundestag sich qualifiziertes Personal zulegen, das vielleicht nicht nach Bundesangestelltentarif bezahlt wird", sagte CCC-Sprecher Dirk Engling unserer Zeitung. Auf vielen Politikfeldern, wie etwa der Energiewende, gehe es im Parlament immer wieder um wichtige Dokumente, für die von interessierter Seite viel Geld bezahlt werde. Mit Hackern komme man schon für fünf- und sechsstellige Beträge ins Geschäft. Dagegen müsse sich der Bundestag besser wappnen.

Wenn als Folge der Cyber-Attacken die gesamte Software der 20 000 Rechner von Abgeordneten und Mitarbeitern neu aufgesetzt würde, kostet das nach CCC-Einschätzung "nicht mehr als Überstunden". Entschlösse sich das Parlament jedoch, auch die Hardware zu erneuern, sei mit Kosten von sieben bis zehn Millionen Euro zu rechnen. Nach Meinung des Digital-Experten Thomas Jarzombek (CDU) muss nur eine begrenzte Anzahl von Hardware angeschafft werden, um bei laufendem Betrieb die Server neu installieren und die Schadsoftware auf allen Rechnern beseitigen zu können.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bot dem Bundestag die Unterstützung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz an. Es spreche einiges dafür, dass es sich um den Angriff eines ausländischen Geheimdienstes gehandelt habe. Dann käme bei der Spionageabwehr auch der dafür zuständige Verfassungsschutz als Helfer infrage.

Quelle: RP
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