| 10.20 Uhr

Rassismus-Vorwürfe
Weidel spricht von Kampagne gegen sich – Laschet warnt vor AfD

Bundestagswahl 2017: Alice Weidel spricht von Kampagne gegen sich
Alice Weidel, AfD-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017 (Archiv). FOTO: dpa, scg tba kde
Berlin. Ist die Mail wirklich von der AfD-Spitzenfrau? Unter dem Absender Alice Weidel steht ein wirrer rechtsradikaler Wortschwall. Fälschung, sagt ein Parteisprecher. Die CSU aber sieht eine "Reichsbürgerin" entlarvt. Und NRW-Ministerpräsident Laschet warnt vor der AfD.

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel sieht im Auftauchen einer angeblich von ihr stammenden E-Mail mit Demokratie-verachtenden Thesen eine Kampagne. "Ich finde das einfach nur unfassbar", sagte Weidel am Sonntagabend in einem Chat auf Welt.de. AfD-Sprecher Christian Lüth bezeichnete die Mail auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur als "Fälschung".

Der "Welt am Sonntag" ("WamS") zufolge wird in der E-Mail vom 24. Februar 2013 der Vorwurf erhoben, die Regierenden zerstörten durch eine Überschwemmung mit "kulturfremden Völkern wie Arabern, Sinti und Roma" systematisch die bürgerliche Gesellschaft, um sie als Gegengewicht auszuschalten. "Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK". Die Zeitung schrieb, ihr liege eine eidesstattliche Versicherung des Mail-Empfängers, eines früheren Bekannten Weidels, vor. Politiker anderer Parteien kritisierten Weidel nach der Veröffentlichung des Berichts scharf.

"Sie werden sehen, was wir tun werden"

Weidel sagte bei Welt.de, sie wolle sich nicht an der Debatte beteiligen. "Zwei Wochen vor der Bundestagswahl werde ich wirklich nicht über jedes absurde Stöckchen springen, dass man mir hinhält und diese plumpe Kampagne auch noch selbst befeuern." Danach gefragt, ob sie zur Urheberschaft der Mail auch eine eidesstattliche Versicherung abgeben würde, sagte sie nur: "Das werden sie sehen, was wir tun werden." Eine falsche eidesstattliche Versicherung kann eine Geld- oder Freiheitsstrafe nach sich ziehen.

Infos: Wahlprogramm der AfD für die Bundestagswahl 2017 FOTO: Bernd Wüstneck

Die 38-jährige Ökonomin spricht in Wahlkampfreden viel über "illegale Migration". Für einen Eklat sorgte sie zuletzt, als sie während einer laufenden ZDF-Diskussionsrunde das Studio verließ. Weidels Co-AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland sagte der "Bild"-Zeitung: "Diese E-Mail ist nicht ihre Sprache, passt gar nicht zu ihr. Es ist der üble Versuch, die AfD um jeden Preis aus dem Bundestag zu halten." Er unterstellte "eine erbärmliche Kampagne, an der sich auch die Medien beteiligen". Umfragen zufolge könnte die rechtskonservative Partei bei der Bundestagswahl am 24. September als drittstärkste Partei ins Parlament einziehen.

Laschet spricht von "Skandal"

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) reagierte auf die Berichte über die Mail und warnte vor der AfD. Wenn er lese, dass eine führende Person der AfD davon rede, "Marionetten der Siegermächte" des Zweiten Weltkriegs seien an der Regierung, sei das ein "Skandal", sagte Laschet am Sonntag bei einem CDU-Wahlkampfauftritt im westfälischen Delbrück. "Nach 60 Jahren solchen Hass noch in die Bevölkerung zu streuen, das verdient eine klare Antwort: Das hat nichts mit konservativ zu tun, das sind Rechtsradikale – und die gehören nicht ins Parlament."

Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer attackierte Weidel. "Hinter der pseudo-bürgerlichen Fassade von Frau Weidel verbirgt sich die erschreckende Ideologie einer Reichsbürgerin", sagte er der "Welt". Reichsbürger lehnen die Bundesrepublik ab und behaupten, das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 bestehe fort. Scheuer sagte weiter: "Die AfD von Gauland, Höcke, Meuthen und Weidel ist in Wahrheit eine Lügenpartei, die die deutsche Staatsordnung ablehnt und bekämpft." Linksparteichef Bernd Riexinger schrieb dazu auf Twitter: "Wir müssen verhindern, dass diese Nazis und Rassisten in den nächsten Bundestag einziehen. Diese Mail ist eine Offenbarung."

Der Empfänger der Mail führte gegenüber der "WamS" zur Begründung für Weidels Urheberschaft an, dass sich die Mail in der Betreffzeile auf ein Gespräch mit ihm beziehe und wie bei Weidel damals üblich von "Lille" unterzeichnet sei. Nach dpa-Informationen war "Lille" früher ein Spitzname Weidels.

Weidel ist relativ neu in der Politik. Zu der Zeit, aus der die angebliche Mail stamme, soll Weidel nach Angaben der Zeitung noch nicht Parteimitglied gewesen sein. Die Ökonomin war 2013 aus Protest gegen die Eurorettungspolitik der Bundesregierung zur AfD gestoßen. Zuletzt arbeitete sie als Unternehmensberaterin. Beruflich war sie viel in China unterwegs.

(wer/dpa)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Bundestagswahl 2017: Alice Weidel spricht von Kampagne gegen sich


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.