Frank-Walter Steinmeier ist Fraktionschef der SPD. Wer ist dieser Mann? Ein Porträt.
In der Jugend-Mannschaft des TUS 08 Brakelsiek nannten sie ihn "Prickel". Steinmeier (vorn, 3. v.r.) spielte im defensiven Mittelfeld. Sein Trainer beschreibt ihn als zuverlässig, pflichtbewusstlos, fleißig.
Es sind Eigenschaften, die ihm anhängen. In Niedersachsen ist er der Mann hinter Gerhard Schröder, dem damaligen Ministerpräsidenten. Er studiert die Akten, bereitet Entscheidungen vor, Schröder nickt sie ab.
Er folgt Schröder nach Berlin. Von 1999 bis 2005 leitet er das Bundeskanzleramt, ist Chef von rund 500 Beamten. Der promovierte Jurist arbeitet von Anfang an mit geräuschloser Effizienz.
Über sein Privatleben lässt er kaum etwas nach außen dringen. Verheiratet ist er mit der Richterin Elke Büdenbender. Das Paar hat eine Tochter.
An vielen politischen Themen der Schröder-Ära wirkt er als unauffälliger Manager entscheidend mit. Auf sein Konto gehen die Verhandlungen über den Atomausstieg und - viel entscheidender in den heutigen Tagen - die Agenda 2010.
Am 22. November 2005 wird Steinmeier auf Schröders Empfehlung neuer Außenminister. Es ist die überraschendste Personalie der großen Koalition.
Sein Start ist zunächst durch umstrittene BND-Aktivitäten während des Irak-Kriegs und den Fall des Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz belastet. Den BND-Untersuchungsausschuss übersteht er ohne bleibende Schäden.
Das Amt verschafft im medienwirksame Auftritte. So etwa hier mit dem damaligen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama.
Seine Beliebtheitswerte schnellten - wie bei fast allen deutschen Außenministern - in die Höhe. Mit 67 Prozent Zustimmung lag er im August 2008 noch vor Angela Merkel.
Vom Medienreferenten in der niedersächsischen Staatskanzlei im Jahr 1991 zum Herausforderer der Kanzlerin - Steinmeier schafft das in 18 Jahren.
Parteipolitisch tritt er erst spät in Erscheinung. Im Land Brandenburg bewirbt er sich im Bundestagswahlkampf für sein erstes Bundestagsmandat.
Erst im Oktober 2007 wird Steinmeier als stellvertretender Vorsitzender in die erste Reihe der SPD aufgenommen. Mit 85,5 Prozent Zustimmung erhielt er auf dem Hamburger Parteitag das beste Ergebnis der drei Parteivize.
Dem unglücklichen Agieren von Parteichef Kurt Beck und dem unaufhaltsamen Abrutschen der SPD in den Umfragen musste Steinmeier jedoch machtlos zusehen.
Anfang September 2008 kam es zum Umbruch in der SPD. Ursprünglich soll nur Steinmeier als Kanzlerkandidat ausgerufen werden. Stattdessen verkündet der Außenminister den Rücktritt von Parteichef Kurt Beck.
Zusammen mit Müntefering wollte Steinmeier die Partei disziplinieren und in den Wahlkampf gehen. Für die Partei-Rechten sind die beiden ein Traum-Duo. Zwischen sie passt kein Blatt Papier, heißt es.
Aber der erste Zauber verfliegt schnell. Die Genossen tun sich schwer mit Steinmeier - und die Deutschen auch. In den Umfragwerten bleibt die SPD auf Beck-Niveau und auch im persönlichen Vergleich mit der Kanzlerin fällt Steinmeier weit zurück.
Im Sommer 2009 bemüht sich Steinmeier um die Sympathien der Deutschen. Das Image des blassen und detailversessenen Aktenfressers wird er nicht los. Im Wahlkampf setzt er auf Inhalte. Vor allem sein Deutschlandplan, in dem er für Vollbeschäftigung wirbt, erregt Aufsehen. Geschafft hat er den Sprung ins Kanzleramt allerdings nicht.