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Mronz Westerwelle ddp 2009
  Foto: ddp, ddp
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Guido Westerwelle auf dem Gipfel der Macht: Der strahlende Sieger gibt den Staatsmann

VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 08:06

Berlin (RPO). Nach acht wechselhaften Jahren an der Spitze der FDP hat Guido Westerwelle am Sonntagabend den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Seine Partei erreichte das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Die Liberalen sind der Sieger des Abends. Der 47-Jährige verzichtete auf übermäßigen Jubel. Der einst als Spaßpolitiker verspottete Westerwelle gab sich zurückhaltend und staatsmännisch. Sein Mantra: Verantwortung für Deutschland.

Guido Westerwelle ließ sich Zeit. Fast eine halbe Stunde nachdem die SPD ihre Niederlage im Willy-Brandt-Haus einräumte, Linke und Grüne sich bei ihren Wählern bedankte und die alte und neue Kanzlerin sich feiern ließ, trat der FDP-Chef in den Römischen Höfen in Berlin vor seine Parteimitglieder. Die eigene Parteizentrale im August-Dehler-Haus wäre zu klein gewesen.  

Eingerahmt von seinem Führungsteam mit den liberalen Ministerhoffnungen schien im die überschwängliche Freude seiner Partei fast unangenehm zu sein. "So sehen Sieger aus", johlten die Liberalen im Stile von Fußballfans. Westerwelle versuchte mehrmals seine Rede zu beginnen, obwohl die Sprechchöre immer lauter wurden. "Lass doch mal", ermahnte Parteikollege Philipp Rösler für die Mikrofone hörbar. Und wollte damit sagen: Lass dich mal feiern, genieß' das jetzt mal. 

"Wir wollen mitregieren"

Als er dann endlich durfte, gab Westerwelle den Staatsmann. Das "überwältigend Wahlergebnis" bedeute vor allem Verantwortung. "Wir wollen jetzt Deutschland mitregieren, weil wir dafür sorgen müssen, dass es ein faires Steuersystem gibt, bessere Bildungschancen und auf die Bürgerrechte geachtet wird", rief Westerwelle seinen Gästen zu.

Auch in der anschließenden "Elefantenrunde" im TV zeigte sich der Bonner betont aufgeräumt und unaufgeregt. Keine sonderlichen Häme gegen den großen Wahlverlierer SPD. Kein Triumph-Gehabe gegen Frank-Walter Steinmeier. Der FDP freut sich leise. Westerwelle hob seine Stimme nur zweimal. Einmal um festzustellen, dass die Anti-FDP-Kampagne der Genossen offenbar nicht funktioniert hatte.

Info
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>>> Blick nach vorn – Schnittmengen zwischen Union und FDP.

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>>> Überblick – Ergebnisse, Reaktionen und Analysen finden Sie in unserem Special.

>>> Live-Ticker – Stimmen, Zahlen, Reaktionen - alle Entwicklungen des Wahlabends zum Nachlesen.

Ein zweites Mal um die eigenwillige Wahlinterpretation von CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer zurecht zu rücken. Dieser hatte behauptet, die CSU hätte der FDP viele Stimmen nur geliehen. Nicht die CSU leihe Stimmen, sondern der Wähler, kommentierte Westerwelle bissig. Danach schaltete der studierte Jurist wieder um – auf Staatsmann-Modus.

Er sei "sehr dankbar, dass ein so schönes Ergebnis gegeben worden ist von den Bürgerinnen und Bürgern". Er freue sich außerordentlich, sei sich aber auch – natürlich – der großen Verantwortung bewusst. "Wir bleiben bei allem Jubel auf dem Teppich. Wir wissen, dass die Arbeit jetzt erst losgeht", sagte Westerwelle. Die Wähler könnten davon ausgehen, "dass wir Schritt für Schritt, was wir versprochen haben, durchsetzen wollen."

Außenminister und Vizekanzler

Auch wenn Westerwelle sich nicht zu seiner persönlichen Zukunft äußern wollte, gilt es als sehr wahrscheinlich, dass er jetzt als Vizekanzler und Außenmininster ins neue Tigerenten-Kaninett einziehen wird. Eine große Herausforderung, schließlich konnte Westerwelle in seiner bisherigen Laufbahn kaum Erfahrungen auf internationalem Parkett sammeln.

Die Fußstapfen seiner liberalen Vorgänger Walter Scheel, Hans Dietrich Genscher und Klaus Kinkel sind groß. Zeiten, in denen Westerwelle sich die "18" unter die Sohle klebte und bei "Big Brother" auftrat sind endgültig vorbei.

Nichts geändert hat sich an Westerwelles politischer Strategie, an der er lange gearbeitet hat. Schon als Generalsekretär wollte mit dem Image der FDP als "Partei der Besserverdienenden" aufräumen. Und seine diesjährige Kampagne richtete der 47-Jährige mehr denn je auf die nach seinen Worten "gekniffene Mitte der Gesellschaft" aus.

Gemeinsame Feier mit Lebensgefährten

Selbstbewusst geht Westerwelle mit seiner Homosexualität um, die seit dem Auftritt mit seinem Lebensgefährten beim 50. Geburtstag von CDU-Chefin Angela Merkel öffentlich bekannt ist. Gerne erwähnt er die Partnerschaft mit seinem Lebensgefährten Michael Mronz: "Mein Partner und ich leben ganz unaufgeregt unser Leben", bekannte er freimütig im Interview mit einem Schwulen-Magazin. Beide feierten am Abend in Berlin mit Parteifreunden und dem ein oder anderen Bier.

Mit gerade mal 32 Jahren wurde der am 27. Dezember 1961 in Bad Honnef geborene Sohn eines Rechtsanwaltes Generalsekretär der FDP - zwei Jahre, bevor er als Nachrücker erstmals in den Bundestag einzog. 2001 übernahm er nach schwierigen Auseinandersetzungen von Wolfgang Gerhardt den Parteivorsitz.

Schwieriges Verhältnis mit der CSU

Obwohl damals eine "Tandem-Lösung" vereinbart wurde und Gerhardt Fraktionschef blieb, übernahm Westerwelle 2006 dann auch diesen Posten. Westerwelle gewann den Machtkampf und wurde endgültig zur unangefochtenen Nummer eins bei den Liberalen. Kritiker warfen ihm inde schlechten Stil vor. Aber: Die FDP erzielte Wahlerfolg nach Wahlerfolg, nach der Koalitionseinigung in Sachsen regiert sie nun in den sechs bevölkerungsreichsten Bundesländern mit.

Nach dem erfolgreich absolvierten Wahlkampf stehen Westerwelle jetzt unbequeme Zeiten bevor: Er muss in den Koalitionsverhandlungen der Union ein Steuerkonzept schmackhaft machen, das bei CDU und CSU als unseriös kritisiert worden ist. Besonders mit der CSU drohen der FDP und Westerwelle harte Auseinandersetzungen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) schien in der FDP im Wahlkampf zwischenzeitlich ihren Lieblingsgegner entdeckt zu haben.

Kleiner Dämpfer im eigenen Wahlkreis

Einen kleinen Dämpfer erhielt Westerwelle ausgerechnet in seinem eigenen Wahlkreis. Der Partei- und Fraktionschef der Liberalen erreichte nur 19,1 Prozent der Erststimmen. Ursprünglich wollte Westerwelle das Direktmandat gewinnen. Dies gewann indes mit 33,3 Prozent Ulrich Kelber von der SPD.

Quelle: mit AFP/DDP/AP

 
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