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Ende der Sommerpause: Der Wahlkampf geht los

VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 11.08.2009 - 09:30

Berlin (RP). Ende der Sommerpause: Die Kanzlerin meldet sich mit einem Interview im Privatsender RTL zurück. Gegenkandidat Steinmeier (SPD) stellt sich heute den Fragen der Hauptstadtjournalisten. Weitere Überraschungen sind geplant.

Offiziell hatte die Kanzlerin noch einen Tag Urlaub. Doch Angela Merkel saß bereits am Montag seit neun Uhr morgens in ihrem Büro im Kanzleramt im siebten Stock. Sie genoss die sommerliche Aussicht von ihrem Fenster auf den Reichstag, bearbeitete Akten und führte schon erste Gespräche mit Mitarbeitern und Besuchern.

So hat es die CDU-Politikerin nach ihrem Urlaub schon immer gehalten. Doch diesmal kehrte sie aus ihrer dreiwöchigen Auszeit, die sie zum Wandern in Südtirol verbrachte, zurück, um sich für den wichtigsten Wahlkampf ihres Lebens zu rüsten. Am 27. September muss sie beweisen, dass sie aus den Fehlern von 2005 gelernt hat. Damals entglitt ihr der sicher geglaubte Sieg nur wenige Tage vor der Wahl – und sie konnte sich nur mit viel Glück und der unfreiwilligen Mithilfe ihres Rivalen Gerhard Schröder (SPD) als Kanzlerin der großen Koalition durchsetzen.

Diesmal sieht es wesentlich günstiger aus. Mehr als 80 Prozent der Wähler glauben, dass die alte und neue Kanzlerin Angela Merkel heißt. Nur in welcher Konstellation sie antritt, scheint noch fraglich.

In der Umgebung der Regierungschefin will man davon nichts wissen. "Die Lage ist fast zu gut", meint einer ihrer Vertrauten. "Unsere Leute dürfen nicht glauben, dass alles schon gelaufen ist." Damit das nicht passiert, setzt Merkel zu einem wahren Wahlmarathon an. 60 Veranstaltungen seien geplant, erläuterte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Heute Abend geht es los mit einem Interview beim Privatsender RTL. Am Wochenende beginnt der eigentliche Wahlkampf mit dem Landesparteitag der CDU in Niedersachsen. Danach geht es zum Familienfest der Saar-CDU am Bostalsee. Am Sonntag ist die Kanzlerin bei der Frauen-Union in der neuen Duisburger Mercator-Halle.

In der ersten Phase ist Merkel auf den Plakaten noch gar nicht recht präsent. Die Union stellt in einer "Kompetenz-Kampagne" die Konterfeis ihrer sechs Minister Wolfgang Schäuble (Innen), Karl-Theodor zu Guttenberg (Wirtschaft), Franz Josef Jung (Verteidigung), Ursula von der Leyen (Familie), Annette Schavan (Bildung) und Ilse Aigner (Landwirtschaft) heraus.

In den Feldern dieser Ressorts beansprucht die Union den Kompetenzvorsprung vor der SPD. Erst in einer zweiten und dritten Plakatwelle erscheint dann die Kanzlerin. Die sieht sich im Wahlkampf ganz als politische Urenkelin Konrad Adenauers. Eine eintägige Zugfahrt von Bonn über den Adenauer-Wohnort Rhöndorf bis nach Berlin soll das unterstreichen.

Der Wahlkampf der CDU ist ganz auf Personen ausgerichtet. Neben Merkel sollen besonders der neue Superstar, Wirtschaftsminister zu Guttenberg, und die Familienministerin von der Leyen glänzen. Dass Guttenberg CSU-Politiker ist, stört da nicht. Ganz selbstverständlich soll sein Kopf auf den Plakaten der CDU erscheinen. Man habe ja auch Kanzlerkandidat Stoiber auf CDU-Bildflächen porträtiert, heißt es in der Parteizentrale.

Unterdessen läuft die Wahlkampfmaschine von Merkels Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) schon auf Hochtouren. Heute diskutiert der SPD-Politiker seinen Deutschland-Plan mit der Hauptstadtpresse, dann geht es weiter zur Sommertour nach Niedersachsen.

Die SPD setzt anders als die Union auf konkrete inhaltliche Ziele und Instrumente. "Da ist noch die eine oder andere Überraschung drin", heißt es vielsagend aus der "Nordkurve" des Willy-Brandt-Hauses, in dem die Wahlkampfdoktoren der SPD sitzen. Die Sozialdemokraten hoffen auf einen Mobilisierungseffekt in letzter Minute. 30 Prozent der Wähler würden sich eine Woche vor der Wahl entscheiden, wissen die SPD-Strategen. In den Wahlen 2002 und 2005 konnten die Sozialdemokraten die siegesgewisse Union so noch abfangen. Doch damals halfen die Oderflut (2002) und der "Professor aus Heidelberg" (2005), wie Kanzler Schröder Paul Kirchhof, den umstrittenen CDU-Steuerexperten, nannte.

Quelle: RP

 
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