Duett statt Duell: Die Knackpunkte zwischen Merkel und Steinmeier
zuletzt aktualisiert: 14.09.2009 - 10:20Berlin/Düsseldorf (RPO). Im TV-Duell machten die beiden Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel den Eindruck, noch immer in der Koalition gefangen zu sein. Vom "Kuschel-Duell" ist die Rede, von einem "Duett" statt einem "Duell".
Schwung in den schleppenden Wahlkampf brachte der mit Spannung erwartete Schlagabtausch nicht: Zwei Wochen vor der Bundestagswahl vermieden Merkel und Steinmeier scharfe Töne. Beide bescheinigten der großen Koalition am Sonntag, in den vergangenen vier Jahren gut gearbeitet und besonders die Finanz- und Wirtschaftskrise gemeistert zu haben.
Doch dürfe die große Koalition "nicht die Normalität" in der Demokratie sein, sagte Merkel. Steinmeier setzte trotz schlechter Umfragewerte darauf, dass die SPD nach der Wahl den Kanzler stellt. "Das Bild zeigt, dass da etwas in Bewegung ist", sagte er.
Wir haben die wichtigsten Aspekte noch einmal für Sie zusammengefasst.
1. Die Knackpunkte zwischen Merkel und Steinmeier
>> Steuern und Finanzen Merkel verteidigte das Versprechen der Union für Steuersenkungen. Zur Überwindung der Krise müssten alle Wachstumskräfte freigesetzt werden, mahnte sie. Zu geplanten Steuersenkungen im Umfang von 15 Milliarden Euro in der nächsten Legislaturperiode sagte sie: "Das ist machbar, das ist schaffbar." Steinmeier hingegen hielt der Kanzlerin vor, hier habe sie ein "Glaubwürdigkeitsproblem". Angesichts der Neuverschuldung sagte er mit Blick auf die Steuerversprechen der Union: "Das ist nicht möglich."
>> Reaktion auf die Finanzkrise Steinmeier forderte "schärfere Waffen" gegen zu hohe Managervergütungen. Er kritisierte, dass die Entwicklung der Gehälter "ganz oben und ganz unten" zu sehr auseinanderklaffe. Notfalls müsse Deutschland wie bei der Finanzmarktbesteuerung eigene Regeln erlassen, sagte er, während sich Merkel vor allem auf internationaler Ebene für Regelungen einsetzen will. Steinmeier: "Wir können nicht alles auf die internationale Ebene verschieben".
>> Mindestlohn Steinmeier sprach sich deutlich für verpflichtende Mindestlöhne aus: "Wir befinden und in einer Lohnspirale nach unten", warnte er. Merkel dagegen mahnte, Mindestlöhne würden Arbeitsplätze gefährden – und die Löhne in Branchen mit höheren Gehältern sogar infragestellen. Stattdessen seien Branchen-Lösungen gefragt.
>> Kernkraft Angela Merkel betonte die Bedeutung der Atomenergie als „Brückentechnologie“, bis erneuerbare Energien eine wichtigere Rolle spielen. Steinmeier betonte dagegen, am unter von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg festhalten zu wollen.
2. Was die Opposition sagt
Selten einig war sich die Opposition in der Bewertung des Duells. Hinter den Kulissen kam es laut dem Radiosender WDR 2 sogar zur Verbrüderung zwischen FDP-Generalsekretär Dirk Niebel und dem Geschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch. Niebel gegenüber dem Sender: "Wir beiden haben wenigstens Überzeugungen – wenn auch unterschiedliche".
Erneut kritisierte die Opposition außerdem das auf die beiden Kanzlerkandidaten zugeschnittene Format der Sendung. "Es gibt inzwischen eine Fünf-Parteien-Landschaft. Die Partner der Großen Koalition haben zuletzt bei Landtagswahlen kontinuierlich verloren", so Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Dirk Niebel urteilt scharf im ARD-Morgenmagazin über die Frage, wer das Duell gewonnen habe: "Es gab nur einen Verlierer, nämlich Deutschland".
3. Was die Zuschauer sagen
Die großen Meinungsforschungsinstitute machten schon während und kurz nach dem Schlagabtausch Umfragen. Dabei wurde keiner der Kandidaten zu einem eindeutigen Sieger gekürt. 31 Prozent fanden, Steinmeier habe sich besser geschlagen, ermittelte die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF. 28 Prozent fanden, dies sei Merkel gewesen. Allerdings waren 40 Prozent der Ansicht, dass beide gleich gut waren. Deutlich aufholen konnte Steinmeier demnach in der Frage, wer im Direktvergleich der bessere Kanzler wäre: Vor dem Duell lag Steinmeiers Wert bei nur 29 Prozent, nach dem Duell bei 38 Prozent. Merkel dagegen verlor in dieser Frage von 64 Prozent auf 55 Prozent Zustimmung. Punkten konnte Steinmeier demnach zudem bei den noch unsicheren Wählern: Während sich von ihnen nur 18 für Merkel als Gewinnerin des Abends aussprachen, sahen 34 Prozent Steinmeier vorn.
Nach Erkenntnissen von infratest/dimap für die ARD konnte der SPD-Kandidat auch die Anhänger der eigenen Partei besser mobilisieren: Demnach fühlten sich nach dem Duell 64 Prozent der Unionswähler und 75 Prozent der SPD-Wähler in ihrer Haltung bestärkt. Auch infratest/dimap zufolge nutzte Steinmeier die TV-Auseinandersetzung in der Kanzlerfrage:
Hier legte Steinmeier von 24 Prozent auf 38 Prozent zu, Merkel verschlechterte sich von 59 Prozent auf 53 Prozent. Laut ARD konnte Steinmeier vor allem in der ersten Halbzeit des Duells punkten: Nach 45 Minuten fanden 42 Prozent den Herausforderer besser und nur 32 Prozent die Kanzlerin. In der Gesamtschau wurde Merkel aber als kompetenter bewertet. Nach dem gesamten Duell lag Steinmeier nur noch mit 43 Prozent vor Merkel mit 42 Prozent.
4. Und wie war die Quote?
Die Einschaltquoten lagen ersten Messungen zufolge unter den Erwartungen: Beim letzten TV-Duell schalteten fast 21 Millionen Menschen ein. Diesmal waren es insgesamt nur 14,22 Millionen Zuschauer, in der Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen sogar nur 5,24 Millionen. Die meisten davon bei der ARD, die wenigsten bei Sat.1.
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