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Andrea Nahles bei "Illner intensiv"
"Frau Wagenknecht hat noch nie etwas für die Menschen bewirkt"

Andrea Nahles bei "Illner intensiv": "Frau Wagenknecht hat noch nie etwas für die Menschen bewirkt"
Andrea Nahles, Carsten Linnemann und Sahra Wagenknecht diskutieren mit Maybrit Illner. FOTO: Screenshot ZDF Mediathek
Zum Auftakt der Reihe "illner intensiv" am Dienstagabend stritten drei Spitzenpolitiker über die Themen Arbeitsmarkt, Wohlstand und Mindestlohn. Andrea Nahles prahlte mit ihren Gesetzen und warf Sahra Wagenknecht vor, nichts für die Menschen getan zu haben. Von Jessica Balleer

Moderatorin Maybrit Illner begrüßt in dieser Woche in fünf Ausgaben "illner intensiv" Spitzenpolitiker und Bundestagswahl-Spitzenkandidaten. Das Konzept sieht vor, dass sich die drei Kontrahenten jeweils eine halbe Stunde lang über einen Themenkomplex streiten. 

Thema des Abends

Die Frage am Dienstagabend lautete "Wohlstand für alle – wer kann das noch versprechen?". Nachdem im TV-Duell der Kanzlerkandidaten Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) viele Themen auf der Strecke blieben, hielt das ZDF am ersten Abend das gegebene Versprechen, die "wichtigsten Themen des Landes" anzusprechen.

Die Gäste

  • Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann (CDU),
  • Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD)
  • Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht (Die Linke)

Erstes Drittel: Die Linnemann-Show

Mit dem Diesel-Skandal sprach Illner gleich zu Beginn ein Aufreger-Thema an. "Wir müssen Arbeitsplätze sichern, Fahrverbote helfen uns nicht weiter", sagte Nahles. Die Manager der Autokonzerne müssten haften, nicht die Kunden die Zeche zahlen.

Dem stimmte Linken-Politikerin Wagenknecht zu: "Ich bin immer für Managerhaftung!", sagte sie. Überraschend hingegen war die Angriffslust von Carsten Linnemann. Er bezeichnete die Autobranche als Schlüsselbranche, der wir einen Teil des Wohlstandes verdankten.

Der CDU-Politiker war zunächst der einzige der drei, der verbal geradezu losgaloppierte. Es sei "kriminell", sagte er mit merklich wachsender Wut, wenn die Manager von dem Skandal gewusst hätten. Illner stachelte ihn weiter an: "Die Hälfte der Arbeitnehmer wird untertariflich bezahlt, stört Sie das?" Natürlich störe ihn das, so Linnemann. "Wir dürfen diejenigen, die diesen Sozialstaat tragen, nicht länger vernachlässigen." Dann aber ging ihm die Luft aus. Und die beiden Politikerinnen wachten auf.

Zweites Drittel: Punktsieg für Nahles

Nahles erklärte, die SPD wolle die "sachgrundlose Befristung" endlich abschaffen. "Das finde ich billig", konterte Wagenknecht. "Frappierend" finde sie, wie diese Diskussion laufe, weil die große Koalition derartige Ziele in den vergangenen vier Jahren hätte erreichen können. Und die SPD verschweige, woher sie das Geld dafür nehmen wolle.

Doch als die Gäste anfingen, miteinander zu diskutieren statt nur Fragen zu beantworten, sprang Illner dazwischen. Statt die Diskussion zuzulassen, agierte Illner wie eine unnötig strenge Lehrerin. Nahles konterte erst Minuten später, dafür aber treffsicher. "Frau Wagenknecht prangert die SPD in Talkshows immer an", so Nahles. Wagenknecht habe in ihrer politischen Karriere aber noch nie etwas für die Menschen bewirkt. "Ich hingegen habe 42 Gesetze gemacht, unter anderem den Mindestlohn umgesetzt", so Nahles.

Drittes Drittel: Die Kehrtwende

Während Linnemann eher unterging, argumentierte Nahles weiter inhaltlich. Und Wagenknecht fand in der Bewertung "billig" ihr Lieblingswort des Abends: "Billig" sei es denn auch, wie Nahles ihr vorwerfe, nicht in der Regierung gesessen zu haben. Sie nahm das Thema Mindestlohn auf.

Laut Wahlprogramm der Linken müsse dieser bei zwölf Euro liegen. Nahles legte paradoxerweise eine Kehrtwende in Sachen Mindestlohn ein. Ihr Konzept, für das sie sich kurz zuvor noch selbst gelobt hatte, stellte sie infrage: "Mindestlohn ist kein guter Lohn, wir sollten mehr Ehrgeiz haben!", sagte Nahles. Die Tarifbindung sollte stattdessen gestärkt werden.

Und schon folgte die Schlussrunde: Es ging um Flüchtlingsintegration auf dem Arbeitsmarkt und die Wahlversprechen der Parteien in Sachen Wohlstand. "Die Wirtschaft braucht eine stärkere Binnenkonjunktur und Mindestlohn, auch für Flüchtlinge", sagte Wagenknecht.

Linnemann adressierte Wagenknecht: Nicht die Löhne, sondern die Sprachbarriere sei das Problem. Die CDU schlage Familienlotsen vor, um Flüchtlingen zu helfen. Zudem wolle die Union soziale Gerechtigkeit für Arbeitnehmer. Nahles nannte zwei Schlagworte: Sprache und Qualifikation für Flüchtlinge. Die SPD stehe auch für das Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit, stabile Löhne und – wie die Linke – die Abschaffung sachgrundloser Befristung.

Nach 30 Minuten war Schluss. Intensiv war es. Das Format funktioniert, wenn die Moderatorin weniger dazwischen gehen würde. Fortsetzung folgt: Das Thema der zweiten Folge "Illner intensiv" am Mittwochabend zum Thema "Welt im Chaos – wer führt Deutschland durch die Krisen?". Gäste sind Peter Altmaier (CDU), Katja Kipping (Die Linke) und Cem Özdemir (Die Grünen). 

 
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