Bei der Bundestagswahl geht es nicht nur um die Parteien, sondern auch um persönliche Schicksale: Die Karriere von FDP-Chef Guido Westerwelle, hier mit seinem Lebensgefährten Michael Mronz, dürfte durch den Urnengang deutlichen Auftrieb bekommen.
Folgend finden Sie eine Übersicht über Gewinner und Verlierer der Wahl - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Grünen-Chef Cem Özdemir bekam von seinem Landesverband einen unsicheren Listenplatz zugewiesen. Der CDU-Bewerber Stefan Kaufmann verteidigte den Wahlkreis mit 34,4 Prozent der Erststimmen. Özdemir erhielt trotz stattlicher Aufholjagd 29,9 Prozent. Am Ende reichte es nicht.
Edelgard Buhlmann ist vielen noch als Forschungsministerin der Regierung Schröder bekannt. In Hannover setzte sie sich gegen das CDU-Schwergewicht Ursula von der Leyen durch.
Der bisherige Noch-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat ein Direktmandat für den Bundestag deutlich verfehlt. Der 54-Jährige unterlag in seinem sächsischen Wahlkreis 154 (Leipzig-Süd) dem CDU-Kontrahenten Thomas Feist. Feist erhielt 28,8 Prozent, Tiefensee landete mit 23,0 Prozent lediglich auf Platz drei, der Linke-Bewerber Mike Nagler kam mit 25,3 Prozent auf Platz zwei. Vor vier Jahren waren beide Leipziger Wahlkreise noch an die damaligen SPD-Bewerber gegangen. Trostpflaster: Tiefensee ist über die Landesliste abgesichert.
Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele wird den Berliner Wahlkreis Friedrichhain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost auch im neuen Bundestag vertreten. Ströbele gewann das Direktmandat erneut mit großer Mehrheit. Wie der Bundeswahlleiter mitteilte, bekam er 46,8 Prozent der Erststimmen, das waren 3,5 Prozentpunkte mehr als 2005.
Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld trat im gleichen Wahlkreis wie Ströbele an. Sie hatte im Vorfeld der Wahl mit einer unorthodoxen Plakat-Kampagne bundesweites Aufsehen erregt. Trotzdem reichte es mit 11,6 Prozent der Stimmen nur für Platz vier.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hat seinen Klever Wahlkreis mit 49,93 Prozent deutlich gewonnen. Er ließ die SPD-Rivalin Barbara Hendricks über 20 Prozenpunkte hinter sich. Jetzt winkt das Arbeitsministerium.
Noch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat ihren Wahlkreis in Aachen ausgerechnet an den Vorsitzenden des Marburger Bundes, Rudolf Henke, abgeben müssen. Schmidt (SPD) verlor mit 29,9 Prozent der Erststimmen über zehn Prozentpunkte an den CDU-Bewerber Henke, der 39,4 Prozent auf sich vereinigte. Schmidt zieht dank Absicherung über einen Listenplatz trotzdem in den Bundestag ein.
Besser machte es ein anderer Gesundheitspolitiker der SPD: In einem Kopf-an-Kopf-Rennen setzte sich Karl Lauterbach im Wahlkreis Leverkusen - Köln IV gegen den CDU-Kandidaten Thomas Portz durch. 2005 hatte er seinen Wahlkreis noch viel deutlicher gewinnen können.
Der frühere CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer hat im Wahlkreis Hamm/Unna II eine Niederlage erlitten. Der SPD-Wahlkreisinhaber und Innenexperte Dieter Wiefelspütz mit 43,9 Prozent der gültigen Stimmen das Direktmandat. Wegen seines schlechten Listenplatzes droht Meyer nun das Ende seiner bundespolitischen Laufbahn.
Traumergebnis für Wolfgang Bosbach: In seinem Wahlkreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, holte der CDU-Politiker 50 Prozent der Stimmen. Damit hat der Innenexperte seinen Vorsprung gegenüber 2005 ausgebaut.
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat sein Direktmandat in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow verloren. Dort siegte der Linken-Politiker Stefan Liebich mit einem Erststimmenergebnis von 28,8 Prozent. Thierse kam nur auf 27,4 Prozent. Er hatte den Wahlkreis 2002 und 2005 direkt gewonnen und dürfte aber über die Berliner Landesliste in den neuen Bundestag einziehen, da er auf Listenplatz eins steht.
Philipp Mißfelder, das Enfant Terrible der Union, schaffte es über die Landesliste in den Bundestag. In seiner Partei hat er sich in der letzten Legislaturperiode mit Äußerungen zur Generationengerechtigkeit einige Feinde gemacht.
Die SPD-Granden Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering schafften es zwar in den Bundestag, doch ihre Karrieren dürften einen deutlich Knick bekommen. Während Steinmeier wohl Oppositionsführer wird, sind Münteferings Tage in der Politik anscheinend gezählt.
Der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg hat bei der Bundestagswahl das deutschlandweit beste Erststimmenergebnis erzielt. Der bisherige Bundeswirtschaftsminister gewann den Wahlkreis Kulmbach am Sonntag mit 68,1 Prozent der Erststimmen, acht Prozentpunkte mehr als 2005. Dem vom Bundeswahlleiter veröffentlichten vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge kam kein anderer Politiker auf eine höhere Zustimmung in seinem Wahlkreis.
Für die Düsseldorfer SPD-Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Karin Kortmann war es ein schwarzer Tag: Nach elf Jahren verliert sie ihr Bundestagsmandat. Kortmann verlor den Wahlkreis Düsseldorf II an Beatrix Philipp von der CDU. Auch über die Landesliste hatte Kortmann (Platz 24) keine Chance auf ein Bundestagsmandat. Michael Müller (links) ist seit über 20 Jahren im Parlament - jetzt ist zwangsweise Schluss.