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Leser zum TV-Duell: "Kaffeekränzchen für den Fernsehgarten"

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 14.09.2009 - 17:50

Düsseldorf (RPO). Unser Leser zeigen sich überwiegend enttäuscht von dem TV-Duell zwischen Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel. Viele kritisieren den kollegial-freundschaftlichen Umgang der beiden miteinander. Aber auch an der Moderation und Themenwahl gab es teils heftige Kritik.

Ob das Fernsehduell am Ende die diesjährige Wahl am 27. September entscheiden kann, ist umstritten. Als sicher gilt jedoch, dass ein gelungener Auftritt vor allem unentschiedene Wähler beeinflusst. Und davon gibt es zwei Wochen vor der Wahl noch viele. In einer Forsa-Umfrage für "Stern" und RTL gaben vergangene Woche 56 Prozent der Zuschauer an, das Duell habe zumindest einen gewissen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung. Elf Prozent maßen der Sendung große, zwei Prozent sogar sehr große Bedeutung zu.

Wirklich überzeugen konnte die Mehrheit unserer Leser aber keiner der beiden Kandidaten. 31 Prozent fanden, Steinmeier habe sich besser geschlagen, ermittelte die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF. 28 Prozent fanden, dies sei Merkel gewesen. Allerdings waren 40 Prozent der Ansicht, dass beide gleich gut waren.

Sachlich oder langeweilig?

Auch unsere Leser ließen sich von dem Duell nicht mitreißen. "Das Gespräch Steinmeier / Merkel ist ungefähr so spannend, wie ein Selbstgespräch von Westerwelle" urteilt ein Benutzer vernichtend, ein zweiter sekundiert: "Wie erwartet eine langweilige Geschichte, da die beiden großen Parteien in einem Boot sitzen".

Ein anderer Leser spottet: "Merkel scheint die beste Kanzlerin zu sein, die die SPD je hatte" und spielt damit auf die inhaltliche Nähe der beiden Kandidaten an. Es handle sich nicht um ein Duell, sondern "eine Rechtfertigung für die schlechte Arbeit der großen Dilettanten-Koalition", urteilt ein Leser. So mancher wittert bereits eine Neuauflage des schwarz-roten Bündnisses.

Bei der inhaltlichen Bewertung der Debatte stimmen die Beobachtungen der Leser überwiegend mit den Analysen von Journalisten überein: Beide Kandidaten lagen inhaltlich nah beieinander, die Diskussion verlief überwiegend schleppend. "Ein Duell? Bei einem Duell schläft man nicht ein. Viel Lärm um nichts. 'Die Kanzlerin und ihr Stellvertreter', das wäre die passende Überschrift", scherzt ein Leser. Ein anderer spottet: "Dafür hätten die beiden aber keine eigene Sendung gebraucht. Sie hätten das Kaffeekränzchen zum Beispiel auch im ZDF-Fernsehgarten abhalten können".

Vereinzelt wurde der sachlich-nüchterne Umgang auch gelobt: "Ich bin froh, dass verbale Entgleisungen a la Schröder nicht zu diesem Abend gehörten. Wer Boxen sehen möchte, kann ja den Sender wechseln", heißt es in einem Leserkommentar.

Ein Kommentator bringt auf den Punkt, was später auch die Einschaltquoten zeigen: "Der Sieger des Abends war doch ganz eindeutig: Homer Simpson!" Während das von vier großen Sendern übertragene TV-Duell mit knapp 15 Millionen Zuschauern 7 Millionen weniger erreichte als das letzte Duell 2005, gelang dem Simpsons-Film auf ProSieben mit 2,87 Millionen Zuschauern ein Achtungserfolg.

Leser vermissen Themen

Viel Kritik gab es an der Themenwahl. Viele Leser vermissten vor allem das Thema Bildung aber auch Familie, Umwelt- und Datenschutz wurden genannt. Auffällig häufig wurde aber auch Kritik an der Moderation der Sendung laut. Als unangenehm empfanden viele unserer Leser, dass die Kandidaten von den Moderatoren unterbrochen wurden. Anderen sind sie allerdings nicht forsch genug: "Die Moderatoren haben einfach nicht die richtigen Fragen gestellt. Sie waren sehr schwach und wirkten hilflos", bemerkt einer, "Die Fragen der Journalisten altbekannt, Antworten längst gehört", ergänzt ein anderer.

Vereinzelt wurden die Fernsehjournalisten aber auch gelobt, so beispielsweise Peter Kloepel für die Frage nach der Einladung von Kanzlerin Merkel an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Über die Frage, wer von beiden besser abgeschnitten hat, herrscht bei unseren Lesern Uneinigkeit. Die meisten hat offenbar keiner der beiden überzeugt – aber sowohl Merkel als auch Steinmeier finden auch Fürsprecher. Viele kritisieren eine zu große Wirtschaftsnähe bei Angela Merkel, Steinmeier unterstellen einige mangelnde Glaubwürdigkeit.

Frank-Walter Steinmeier kann die häufig geäußerte Kritik an zu wenig Angriffslust nicht nachvollziehen. Er wies am Montag den Vorwurf zurück, das Duell sei zu harmonisch verlaufen. "Es war kein Duett, sondern ein Duell mit Inhalten", sagte der SPD-Politiker in Berlin.

Ausgewählte Leser-Stimmen finden Sie hier.

Mit Material von AP und AFP


 
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