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Von Astronauten, Igeln und Kartoffelernte
Was Kinder von Angela Merkel wissen wollen

Kinderpressekonferenz: Was Kinder von Angela Merkel wissen wollen
Angela Merkel spricht beim Familientag. Bei einer Kinderpressekonferenz durften junge Reporter Fragen stellen FOTO: dpa, mkx fdt
Berlin . Die Kanzlerin erlebt am Sonntag eine Premiere. Angela Merkel steht am Nachmittag auf einer kleinen Bühne im Wahlkampfhaus der CDU, einem ehemaligen Warenhaus in Berlin-Mitte. Vor ihr sitzen rund 100 Kinder, voller Erwartung. Eine Stunde lang dürfen sie der CDU-Chefin Fragen stellen.

"Ehrlich gesagt, habe ich das noch nie gemacht", gesteht die CDU-Vorsitzende lächelnd. Treffen mit Kindern gelten nicht gerade als Paradedisziplin der Kanzlerin, die in der Berliner Politszene von manchen halb liebvoll, halb frotzelnd "Mutti" genannt wird. Beobachter betonen aber auch, dass Merkel an Begegnungen mit Kindern durchaus Spaß habe, nur wirke sie dann und wann etwas hölzern und unbeholfen dabei. Die CDU-Wahlkampfzentrale jedenfalls schien sich einiges zu erhoffen von diesem offenen Familientag samt "Kinderpressekonferenz".

Tosender Applaus ertönt, als Merkel in den Raum tritt. Ein anderer Empfang im CDU-Wahlkampfhaus mit vielen CDU-nahen Besuchern wäre natürlich eine Überraschung gewesen. "Guten Tag. Danke, dass ihr hier schon gewartet habt", begrüßt die Kanzlerin im grünen Blazer und schwarzer Hose die Kinder. Sie wirkt gelöst, fröhlich. Weit weg sind die unschönen Bilder der vergangenen Wahlkampf-Wochen. Bei Auftritten auf öffentlichen Plätzen war sie vor allem in Ostdeutschland mit Hass und Ablehnung empfangen worden.

Viele Fragen zielen auf das Privatleben

Beim Familientag der CDU wird gelächelt und gejubelt, die Stimmung ist gut. Und Merkel hat sich vorbereitet. Auf jede Kinderfrage geht sie ein, fragt interessiert nach, überlegt mitunter vor der Antwort. Wenn Fremdwörter fallen, wiederholt sie schnell das deutsche Wort.

Viele Fragen drehen sich ums Privatleben der Kanzlerin. Tom, zehn Jahre, möchte wissen, welches das schönste Erlebnis im Leben der Kanzlerin war. Da muss sie nicht lange überlegen. "Meinen Mann kennenzulernen", antwortet Merkel lächelnd.

Und was sie gern geworden wäre, wenn sie nicht in die Politik gegangen wäre? "Eine Astronautin, die um die Erde fliegt" und sich das alles mal von oben angucken würde.

Momente wie diese, die etwas mehr über den Menschen Merkel verraten, sind selten. Fragen dazu erlaubt sie nur, wenn es passt. In Wahljahr zum Beispiel kann es nicht schaden, die Bürger ein bisschen an sich heran zu lassen. Mit so etwas kommt sie vielen Menschen näher als mit Antworten zu Türkei-Politik, Diesel-Affäre oder Terrorbekämpfung.

Die Antwort nach dem Lieblingstier ist nicht so einfach. "Das variiert ein bisschen. Ich mag Igel sehr gern. Ich mag Elefanten sehr gern, kann aber keinen Elefanten zu Hause haben. Und Feldhasen mag ich auch sehr gerne." Als Kind habe nur ihre Schwester Haustiere gehabt, Kaninchen zum Beispiel. "Ich fand das immer unglaublich traurig, weil die manchmal gestorben sind. Zum Beispiel, wenn sie falsche Salatblätter gefressen haben." Da habe sie immer mitgelitten.

Auch für Profis kein leichtes Terrain

Der Auftritt ist auch für einen Profi wie Merkel kein leichtes Terrain, sagt der Kommunikationswissenschaftler Patrick Donges von der Universität Leipzig. "Kinderfragen können entlarvend sein." Andererseits seien Politiker mit Kindern ein historisches Wahlkampf-Motiv. "Es drückt Nähe aus und gibt schöne Bilder."

Einige Kinder stellen dann auch durchaus kritische Fragen. Warum es immer noch Energie aus Kohle gibt, zum Klimawandel, zur Massentierhaltung zum Beispiel. Auch hier versucht Merkel, so gut es geht, einfach zu erklären. Das gelingt ihr für Kinder mal mehr (Vermüllung der Meere), mal weniger gut (Energiewende). Die zentrale Aussage, die hängenbleiben soll: Wir arbeiten daran.

Aber manchmal weiß Merkel nicht weiter

Ab und an weiß dann aber auch die Kanzlerin nicht weiter. Ob man Hühnern weniger Antibiotikum geben muss, wenn sie mehr Platz haben, zum Beispiel. Dann bietet sie an: "Wenn du es genau wissen willst, dann müsstest du mir mal deine Adresse geben." Damit sind dann auch alle zufrieden.

Manch einer mag der CDU-Vorsitzenden diesen Wohlfühltermin vor dem Hintergrund ihrer Absage an ein zweites TV-Duell mit ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz vorwerfen. Doch vielleicht lassen sich mit schönen Kinderbildern sogar mehr Wähler mobilisieren? Denn die Wahl ist noch nicht gewonnen, das betont auch die Kanzlerin. Siegesgewissheit könne dazu führen, dass viele Leute am 24. September zu Hause blieben, warnt sie.

Was sonst noch hängenbleibt? Die Sonnenblumen im Garten der Kanzlerin sind auch ganz gut geworden. Aber die Kartoffeln sind noch in der Erde. Das müsse bis zum Wahltag warten, erklärt Merkel. "Und dann ernte ich sie."

(felt/dpa)
 
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