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TV-Duell
Moderator Claus Strunz reizt die Zuschauer

Kritik nach dem TV-Duell: Moderator Claus Strunz provoziert die Zuschauer
Sat1-Moderator Claus Strunz stellte am Sonntagabend Fragen an Angela Merkel und Martin Schulz. FOTO: dpa
Düsseldorf. Für seine "Posterboy"-Bemerkung zu Christian Lindner erhielt Moderator Claus Strunz vergangene Woche schon Schelte. Nach dem TV-Duell sehen ihn die einen als tendenziösen Provokateur, die anderen als einen, der Klartext redet.  Von Franziska Hein

An klaren Aussagen mangelt es nicht, wenn man im Netz nach Claus Strunz sucht. "Populismus ist das Viagra einer erschlafften Demokratie", sagte der Sat1-Moderator im Dezember 2016 in der Talksendung "Maischberger". Und dass er ein Freund von Populismus sei. Deutlicher kann man es nicht ausdrücken. 

Solche Aussagen polarisieren. Erst in der vergangenen Woche geriet der Moderator für seine Sat1-Wahlsendung "Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen" in die Kritik. Am Mittwochabend hatte er die Spitzenkandidaten der kleinen Parteien, Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Christian Lindner (FDP) und Alice Weidel (AfD), und die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, zu Gast.  

Er bezeichnete Christian Lindner wegen seiner Wahlkampagne als "Posterboy" und nötigte hinterher die Spitzenkandidatinnen in der Runde dazu, die Frage zu beantworten, ob sie Christian Lindner "heiß" fänden. Einige Zuschauer hielten das für daneben. 

Als einer von vier Moderatoren trat Strunz am Sonntag im TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz auf. Sein Auftritt wird auch dieses Mal von einigen Zuschauern nicht goutiert. Vor allem bei Twitter wird sein Fragestil kritisiert. Strunz wirke tendenziös, mache sich zum Sprachrohr der AfD. 

In seiner Frage zum Thema Abschiebungen musste er sich von Bundeskanzlerin Merkel korrigieren lassen, ihm seien da Zahlen durcheinander geraten. Von den rund 226.000 Ausreisepflichtigen hätten knapp 160.000 eine Duldung und seien daher vor Abschiebung geschützt. 

Beschwerden gab es auch, weil das Duell nicht so richtig an Fahrt aufnehmen wollte. Schulz und Merkel stimmten sich häufiger bei ihren Antworten zu. Stellenweise wirkte es so, als diskutierten Moderatoren gegen die Kanzlerkandidaten. 

Direkt zu Beginn musste sich Strunz auch von Martin Schulz korrigieren lassen. Der Moderator hatte ihm eins von dessen Zitaten vorgehalten. Der SPD-Kanzlerkandidat habe die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, einmal als "Gold" bezeichnet. Schulz warf dem Moderator vor, ihn aus dem Zusammenhang gerissen zitiert zu haben. Tatsächlich hatte Schulz einmal gesagt: " Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist wertvoller als Gold. Es ist der unbeirrbare Glaube an den Traum von Europa. Ein Traum, der uns irgendwann verloren gegangen ist." 

In Strunz' verkürzter Version klang die Äußerung nach einem unreflektierten, uneingeschränkt positiven Umgang mit der Frage der Migration. 

Strunz kommentiert regelmäßig Themen zur inneren Sicherheit und Zuwanderung für das Sat1-Frühstücksfernsehen. Nach dem G20-Gipfel in Hamburg sprach er etwa davon, dass Linksterrorismus schlimmer sei als Rechtsterrorismus. In Hamburg hatten hunderte gewaltbereite linke Demonstranten gegen den G20-Gipfel demonstriert und dabei in manchen Stadtteilen gewütet, Autos angezündet. Er hatte dem Staat vorgeworfen, bei seiner Aufgabe, dem Schutz der Bürger, zu versagen - und die G20-Krawalle in eine Linie mit den Ereignissen der Kölner Silvesternacht 2015 gestellt. 

 
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