| 14.32 Uhr

RTL-Wahlarena
Starker Schulz dank schwacher Moderatoren

Martin Schulz in TV-Wahlarena: stark dank schwacher Moderatoren
Martin Schulz im Gespräch mit RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel und Krankenpflegerin Andrea Hänsch. FOTO: afp
Meinung | Berlin. Bei RTL durften am Sonntagabend erstmal Arnold Schwarzenegger und Silvester Stallone gegen das Böse kämpfen, Martin Schulz kam kurz vorm Schlafengehen dran. Der SPD-Kanzlerkandidat kämpfte auch, um die Gunst der Wähler - und gegen vermeintliche Fallstricke in der "Wahlarena" des Privatsenders. Von Jan Drebes

In der ersten Hälfte konnte Schulz punkten. Er verwandelte gleich mehrere Elfmeter zur inneren Sicherheit. Einem Gewaltopfer sicherte er zu, nicht nur für mehr Polizisten zu sorgen, sollte er es bei der Bundestagswahl im September ins Kanzleramt schaffen. Er wolle auch, dass der bereits ausreichende Strafenkatalog wirklich Anwendung finde und Opfern mehr Unterstützung zukomme. Vielleicht sollten wir uns mehr auf die Opfer als auf die Täter konzentrieren, auch bei RTL, so Schulz. Beifall im Publikum. 

Ein Polizeibeamter kritisierte, dass seine Kollegen in anderen Bundesländern völlig unterschiedlich und ungerecht bezahlt würden. Schulz hob darauf ab, Sohn eines Polizisten zu sein und kündigte an, "die Ministerpräsidenten und Innenminister an einen Tisch zu bringen", um das zu klären. Na, die werden sich bedanken, hat ein Kanzler doch gar keine Zuständigkeit in der Sache!

Gewohnt bürgernah

Sei's drum, der Kanzlerkandidat beweist in dieser Phase der Sendung ein gutes Gespür für die Anliegen der RTL-Zuschauer. Die sitzen im Studio, werden mit kleinen Einspielfilmen vorgestellt, fragen zu ihrem Thema nach, nur ab und zu wirklich kritisch. Eine Dame klagt über Schießereien in ihrer Straße, das sei mittlerweile eine No-Go-Area. Ob Schulz da wohnen wolle? Der lehnt dankend ab und mahnt mehr Respekt in der Gesellschaft an. Sein politisches Rezept bleibt aber dasselbe: mehr Polizei.

Der Zuschauer merkt, dass dem einstigen Europapolitiker das Format liegt. Er kann direkt mit den Menschen sprechen, es ist wie einer der zahllosen Marktplätze, über die Schulz seit Monaten tingelt, allerdings mit Millionenpublikum. Er bedankt sich bei den Fragestellern, lobt sie für ihre Arbeit, spricht ihnen Mitgefühl aus, verspricht mehr Polizei, mehr Geld, immer mehr. Kuschel-Schulz weiß Rat, er nimmt die Sorgen ernst. Das geht soweit, dass er sich für einen gut integrierten 18-jährigen Afghanen einsetzen will, der aus Bayern abgeschoben werden könnte. Schulz sagt, er wolle sich bei CSU-Chef Horst Seehofer für den jungen Mann stark machen. Was der mitten im Wahlkampf dazu sagen wird, dürfte aber auch Schulz jetzt schon klar sein. 

Moderatoren haken selten nach

Ungeschickt war aber, dass Schulz ausgerechnet bei den schwierigsten Themen zur sozialen Gerechtigkeit - Wohnungsnot, Mini-Renten, Pflegenotstand - ins Schwimmen geriet. Einem Berliner Paar, beide berufstätig, versucht Schulz eine Verschärfung der Mietpreisbremse schmackhaft zu machen, damit sie sich von 73 Quadratmetern vergrößern können. Es geht hin und her, Schulz bringt noch das Familienbaugeld (er nennt es bloß - wie die Union - Baukindergeld) ins Spiel, was dem Paar aber nichts bringt.

Die beiden sind nicht überzeugt. Am Ende sagt Schulz, er könne ihnen nichts versprechen. Für eine alte Dame aus Hamburg, der monatlich 200 Euro zum Leben bleiben, will er sich bei seinem Parteifreund und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz einsetzen. Und einer Pflegekraft aus Stuttgart sagt er, zu ihrem Problem werde er sich bei Experten schlau machen. Das geht besser.

Und trotzdem kann Schulz den Auftritt für sich entscheiden. Wenig hartes Nachhaken der Moderatoren half ihm dabei. Da muss er schon selbst ins Fettnäpfchen treten: Als ihn ein junger Mann nach schlechten Charaktereigenschaften fragt, sagt Schulz, er könne manchmal schlecht Nein sagen. Stimmt, so wirkte die Sendung an vielen Stellen. Bald kommt die Kanzlerin zu RTL, sie dürfte sich schon darauf freuen. 

 
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