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Vor der Bundestagswahl: Parteien starten Schlussoffensive

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 25.09.2009 - 10:26

Düsseldorf (RPO). Der Countdown läuft, die Bundestagswahl rückt näher: Heute starten die Parteien ihren Wahlkampf-Endspurt. Überall im Land absolvieren die Politiker ihre letzten Auftritte. Zwei Tage vor dem Urnengang haben die Parteien vor allem die Stimmen der unentschlossenen Wähler im Auge - diese könnten am Sonntag den Ausschlag geben. Das Rennen ist nach wie vor offen.

Kanzlerkandidaten Steinmeier, Merkel: Wer macht das Rennen?  Foto: AP, AP
Kanzlerkandidaten Steinmeier, Merkel: Wer macht das Rennen? Foto: AP, AP

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück sind ein eingespieltes Team. Das haben sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bewiesen. Jetzt weilt das Duo in Pittburgh, um zu verhindern, dass sich eine solche Wirtschaftskatatrophe wiederholt. Für Merkel und Steinbrück bedeutet der G-20-Gipfel Feuerpause im Wahlkampf, sie werden vielleicht ein letztes Mal Seite an Seite auf internationalem Parkett für deutsche Interessen eintreten. 

Derweil beginnt in Deutschland der Wahlkampfendspurt. Am Freitag und am Samstag fahren die Parteien die letzten Geschütze auf, um Stimmen zu sammeln. Die Politik hat dabei vor allem die noch unentschlossenen Wähler im Auge. 25 bis 40 Prozent sollen sich je nach Schätzung noch nicht entschieden haben, sie können am Ende den Ausschlag geben. Der SPD wird hier das höchste Mobilisierungspotenzial zugesprochen.

Die Ergebnisse der Umfragen lassen viele Parteien zudem hoffen: Wenige Tage vor der Bundestagswahl zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwarz-Gelb und den anderen Parteien ab. Nach einem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend des Magazins "Stern" und des Senders RTL verfügen Union und FDP nur noch über einen Punkt Vorsprung; einer "Handelsblatt"-Umfrage zufolge verpassen sie sogar die Mehrheit.    

Prominenz im Endspurt

Deswegen mobilisieren die Parteien die letzten Kräfte, die Prominenz der politischen Akteure schwärmt ein letztes Mal in Deutschland aus: Außenminister Frank-Walter Steinmeier steigt am Abend zusammen mit Parteichef Franz Müntefering auf das Rednerpodest. Bei den Sozialdemokraten regiert das Prinzip Hoffnung. Steinmeier sieht angesichts leicht steigender Umfragewerte für seine Partei den Ausgang der Entscheidung als offen an. "Die CDU wird von Tag zu Tag nervöser", sagte er.

Auch die Linkspartei will auf den letzten Metern Gas geben. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch verspricht "in den letzten 48 Stunden vor Schließung der Wahllokale Wahlkampfaction pur, deutschlandweit. Überall von Rügen bis zum Bodensee kämpfen wir um jede Stimme." Am Freitag redet zunächst Gregor Gysi um 13 Uhr in Potsdam, dann geht es weiter zur Abschlusskundgebung mit Oskar Lafontaine.

Besonders aktiv sind die Grünen: Der Bundesvorsitzende Cem Özdemir tritt in Stuttgart auf, seine Kollegin Claudia Roth ist in Schwaben unterwegs. Gleichzeitig geht Spitzenkandidat Jürgen Trittin in Hamburg auf Stimmenfang. Bei den Grünen schieben zudem etwa 200 Freiwillige Nachtschichten und hocken abwechselnd in der Wahlkampfzentrale der Grünen, um ohne Pause Fragen von potenziellen Wählern zu beantworten - im Internet, in sozialen Netzwerken und am Telefon.

Nervosität im bürgerlichen Lager 

FDP-Chef Guido Westerwelle bekräftigte unterdessen die Forderung seiner Partei nach Steuersenkungen. "Wir setzen darauf, dass Familien und kleinere und mittlere Einkommen entlastet werden", sagte er bei der Abschlusskundgebung der Liberalen am Donnerstag in Stuttgart. Es sei unfair, dass Kinder einen geringeren Steuergrundfreibetrag hätten als Erwachsene. "Wir möchten ein neues und faires Steuersystem", betonte er. Westerwelle selbst ist am Abend in Koblenz und in seiner Heimatstadt Bonn nochmals im Wahlkampf.

Auch die CDU will auf den letzten Metern zwischenzeitlich verlorenen Boden gutmachen. Die Umfragewerte gingen zuletzt leicht zurück, eine Mehrheit für eine schwarz-gelbe Koalition scheint fraglich. "Ich erwarte, dass auch in den letzten Tagen alle Kräfte mobilisiert werden", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich dem "Handelsblatt". Unterdessen hat CDU-Generalsekretär Pofalla in Berlin den "24-Stunden-rund-um-die-Uhr-Wahlkampf" eröffnet: "Wer SPD wählt, weiß nicht, was er bekommt. Statt unsicherer politischer Experimente brauchen wir in Deutschland stabile politische Verhältnisse!" 

Allerdings haben die Christdemokraten ein Handicap: Kanzlerin Merkel, auf die die Wahlkampagne zugeschnitten ist, weilt noch in Pittsburgh. Sie kehrt erst am Samstag zurück - fünf Stunden vor der Abschlusskundgebung der Union.

Mit Agenturmaterial.


 
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