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Umfragen zu Jungwählern und unter 18-Jährigen
So würde Deutschlands Jugend wählen

Warum Deutschlands Promis (nicht) zur Wahl gehen
Warum Deutschlands Promis (nicht) zur Wahl gehen FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Berlin. Es ist Wahlkampfendspurt in Deutschland, und die Parteien bemühen sich redlich, auch noch die letzten Unentschlossenen für ihre Ideen zu gewinnen. Doch wie würde die Bundesrepublik eigentlich regiert, wenn die unter 18-Jährigen mitmachen dürften? Eine neue Umfrage gibt darüber Aufschluss. Und die Ergebnisse sind denen der Jungwähler gar nicht so unähnlich. Von Dana Schülbe

Für den Mainzer Politikprofessor Thorsten Faas steht fest: Die Parteien kümmern sich im Wahlkampf neben Bürgern mit ausländischen Wurzeln auch zu wenig um Erstwähler – weil diese Gruppe zu klein ist, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa zeigt. "Zeit und Geld sind knapp im Wahlkampf. Daher konzentrieren sich die Parteien auf vielversprechendere Wählergruppen", sagt Faas. Seiner Ansicht nach würde es sich aber lohnen, um Erstwähler zu werben, denn inzwischen gebe es schon drei Millionen davon.

Ein Blick auf die politischen Präferenzen der Erstwähler dürfte sich also für die Parteien lohnen, schließlich liegt ihre Zukunft auch in ihren Händen – und auch in denen der unter 18-Jährigen. Zahlreiche Organisationen jedenfalls haben das erkannt und jede Menge Aktionen im Vorfeld der Bundestagswahl gestartet, um das Interesse junger Menschen an Politik zu wecken. Schließlich sinkt seit Jahren die Wahlbeteiligung – auch bei den Jüngeren. Doch wen würden die unter 18-Jährigen eigentlich wählen, wenn sie denn dürften?

Union und SPD auch bei Jugendlichen vorn

Antworten darauf gibt eine Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap für das Kinder- und Jugendwahlprojekt U18. Die Ergebnisse in Bezug auf die beiden großen Parteien sind denen anderer Umfragen gar nicht so unähnlich. So würden sich 36 Prozent für die Union entscheiden und 24 Prozent für die SPD (bei der letzten allgemeinen Forsa-Umfrage präferierten 39 Prozent die Union und 25 Prozent die SPD). Auf den weiteren Rängen aber gibt es durchaus Unterschiede.

So würden die Grünen bei den unter 18-Jährigen mit 18 Prozent drittstärkste Kraft werden, in Bezug auf den "normalen" Wähler dagegen befindet sich die Partei derzeit im Sinkflug, kommt derzeit auf Werte um die neun oder zehn Prozent. Auch die Piraten sind bei der Allgemeinheit längst nicht mehr so beliebt wie vor wenigen Monaten. Doch die Jugendlichen sehen das ganz anders: Neun Prozent von ihnen würden die Partei wählen. Die Liberalen dagegen kämen auf magere drei Prozent.

65 Prozent der Befragten gaben zudem an, sich mehr Beteiligung an den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen zu wünschen. Von Politikverdrossenheit ist also nur wenig zu spüren, was sich die Parteien eigentlich zunutze machen sollten. Klar, dass Themen wie Bildung und Schule bei dieser Gruppe oberste Priorität haben, aber auch der Umweltschutz rangiert ganz weit vorn mit.

Noch dürfen die unter 18-Jährigen zwar nicht an die Wahlurne, die über 18-Jährigen aber schon. Und diese Jungwähler haben ganz ähnliche Präferenzen wie ihre nur wenig jüngeren Mitmenschen.

Die Piraten punkten bei jungen Leuten

So hat eine Umfrage von jugendkulturforschung.de ergeben, dass auch hier die Piraten und Grünen weit bessere Ergebnisse erzielen würden als im bundesdeutschen Durchschnitt. Demnach wäre die Piratenpartei mit 13 Prozent sogar drittstärkste Kraft, und die Grünen lägen mit zwölf Prozent knapp dahinter. Die FDP wäre auch in dieser Altersgruppe wieder nicht im Bundestag vertreten, denn sie käme auf gerade einmal vier Prozent. Die eurokritische Alternative für Deutschland dagegen würde mit sechs Prozent den Sprung ins Parlament schaffen.

Allerdings weiß, wie der letzte ARD-Deutschlandtrend ergab, jeder dritte 18- bis 29-Jährige noch nicht sicher, was er denn nun wählen will. 33 Prozent wollen sich demnach auch erst kurz vor der Wahl festlegen. Und auch bei den Erstwählern heißt es: Schelte für die Politik. Denn 71 Prozent finden, dass die Belange junger Menschen zu wenig beachtet werden. Dies sieht jugendkulturforschung.de auch als einen Grund dafür an, warum die Piraten in dieser Gruppe so gut abschneiden: weil sie mehr Transparenz und Mitbestimmung versprächen.

Die Union und die SPD liegen übrigens wie bei den unter 18-Jährigen auch bei den Jungwählern in der Gunst ganz weit vorn. So kämen CDU/CSU auf 28 Prozent und die Sozialdemokraten auf 21 Prozent.

(das)
 
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