Nach TV-Duell: SPD legt in Umfragen zu - die Union auch
zuletzt aktualisiert: 16.09.2009 - 10:02Berlin (RPO). Das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Frank-Walter Steinmeier hat die Wähler offenbar beeinflusst. Die Sozialdemokraten legen in einer neuen Umfrage zu - allerdings zieht die CDU nach. Bei der CSU steigt derweil die Nervosität: Nach der Kritik an der Kanzlerin soll im Schnellverfahren ein eigenes Wirtschaftskonzept veröffentlicht werden.
Das mit Spannung erwartete TV-Duell vom letzten Sonntag wurde von vielen Beobachtern als Duett verspottet. Zu wenig Konflikt, zu viel Einmütigkeit zwischen den Kontrahenten Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier. Bei dem Wähler hat die Auseinandersetzung offenbar Eindruck hinterlassen.
Bei einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage vom Tag nach der TV-Debatte legten sowohl CDU/CSU und SPD zum Teil deutlich zu. Nach der Erhebung des Forsa-Instituts für "Stern" und RTL konnten sich die Unionsparteien von 35 auf 37 und die SPD von 21 auf 22 Prozent verbessern. Ihr Zuwachs ging zulasten der kleineren Parteien, vor allem der Linken und der FDP. Für eine bürgerliche Koalition würde es aber noch eine Mehrheit geben.
Linkspartei verliert
Forsa-Chef Manfred Güllner erklärte die Gewinne für Union und SPD damit, dass das Fernsehduell zu einer Polarisierung auf die beiden großen Parteien geführt habe. Die Linke habe offenbar drastisch verloren, weil Steinmeier in der Debatte so stark auf das Thema soziale Gerechtigkeit gesetzt habe.
Die Linkspartei war den Angaben zufolge bereits im Laufe der Woche um einen Punkt auf 13 Prozent gefallen und büßte bei der Blitzumfrage unter 1.008 Bundesbürgern weitere drei Prozentpunkte ein. Damit stehen sie jetzt nur noch bei 10 Prozent. Die FDP verschlechterte sich in der Blitzumfrage um einen Punkt auf 12 Prozent. Das ist der niedrigste Wert für die Liberalen in diesem Jahr. Im Februar hatten sie in der Umfrage ihren Höchstwert von 18 Prozent erzielt. Die Grünen stagnierten bei 11 Prozent der Stimmen.
SPD wirbt für die Ampel
Unterdessen haben führende SPD-Politiker das Werben um die FDP für eine Ampel-Koalition verstärkt. Neben Steinmeier sprach sich auch Parteichef Franz Müntefering für ein Dreier-Bündnis mit Grünen und FDP aus. "Ich bin überzeugt, dass die FDP weiß, dass sie in einer Koalition mit uns und den Grünen, ein größeres Alleinstellungsmerkmal hätte, als wenn sie mit CDU und CSU unterwegs wäre", sagte Müntefering der "Augsburger Allgemeinen" vom Mittwoch. Auch Finanzminister Peer Steinbrück, der zuvor Sympathien für eine Fortsetzung der großen Koalition hatte erkennen lassen, bezeichnete die Ampel am Dienstagnachmittag als eine Option, bei der es aber auf die FDP ankomme.
In der CSU wächst derweil die Sorge, dass es bei der Bundestagswahl nicht für eine Koalition mit der FDP reichen könnte. Nach dem TV-Duell nimmt der Unmut über Merkels zurückhaltende Wahlkampfführung zu. Sie müsse vor allem in der Wirtschaftspolitik Profil zeigen, heißt es in der Parteispitze, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.
CSU-Chef Horst Seehofer hatte schon am Montag eine "inhaltliche Klärung und Zuspitzung" gefordert. Um den Wählern die Vorteile einer schwarz-gelben Koalition klar zu machen, müsse die Union ihre wirtschaftspolitischen Pläne und die Schaffung von Arbeitsplätzen in das Zentrum des Wahlkampfs rücken.
Alleingang der CSU
Wie die Nachrichtenagentur AP am Mittwoch aus CSU-Kreisen erfuhr, hat die CDU eine gemeinsame Initiative abgelehnt. Deshalb will das CSU-Präsidium jetzt am Sonntagabend ein eigenes "Wachstumspapier" beschließen, das Parteichef Horst Seehofer am Montag zusammen mit der Parteiprominenz in München vorstellen will.
Ziel sei es, in der Endphase des Wahlkampfes das wirtschaftspolitische Profil zu stärken und die Vorteile einer schwarz-gelben Koalition herauszustellen, hieß es. Das Papier solle deutlich machen, "was eine Koalition aus Union und FDP besser machen wird als eine Große Koalition". Damit sei eine klare Abgrenzung zur SPD verbunden.
Merkel selbst bekannte sich ungeachtet des Rumorens bei der Schwesterpartei klar zu einer schwarz-gelben Regierungskoalition. "Man geht mit der Partei zusammen, mit der man die größten Gemeinsamkeiten hat - und das ist für uns auf den wichtigsten Feldern die FDP", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". Gleichzeitig widersprach Merkel der Behauptung, sie ziele insgeheim auf eine Fortsetzung der großen Koalition.
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