Kommentar: Steinmeiers Aufhol-Jagd
VON MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 13.09.2009 - 22:58Berlin (RP). Es begann mit übergroßer Nervosität auf beiden Seiten. Weder Kanzlerin Angela Merkel noch ihr Herausforderer Frank-Walter Steinmeier beantworteten die Fragen der Moderatoren, sondern legten sich geradezu mit ihnen an. Dabei ging es den Fragestellern um konkrete Anliegen, um Mindestlöhne und das, was gerecht ist, oder auch um die fehlenden Gewissheiten nach der größten Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik.
Erst mit fortschreitender Sendezeit fingen sich beide. Und da zeigte der Herausforderer eine Souveränität und eine Klarheit, die man ihm so gar nicht zugetraut hätte. Er griff die Kanzlerin an, sprach sie auch direkt an, blieb aber gleichzeitig maßvoll in seinen Attacken. Steinmeier übertraf mit dieser Attitüde zumindest zu Beginn die Erwartungen und konnte im ersten und einzigen direkten Duell punkten.
Aber auch die Kanzlerin legte ihre anfangs hohe Nervosität im Laufe der Sendung ab. Geschickt konterte sie etwa die Frage, warum eine Mehrheit in Deutschland glaubt, dass es nicht gerecht zugeht. Dabei nahm sie bürgernah die Perspektive der Karstadt-Verkäuferin an, die sich angesichts der Gefahr um ihren Arbeitsplatz zu Recht über hohe Abfindungen der Unternehmensführung aufregt. Hier sprach die Vorsitzende einer Volkspartei. So verteidigte sie auch ihre Stellung als Kanzlerin.
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