Verteidigungsminister Jung: Bundeswehr noch fünf bis zehn Jahre in Afghanistan
zuletzt aktualisiert: 17.08.2009 - 11:37Berlin (RPO). Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan ist in Deutschland erneut die Debatte über die Dauer des Bundeswehr-Einsatzes am Hindukusch entbrannt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) bekräftigte am Montag, dass er ein Ende des Einsatzes erst in fünf bis zehn Jahren für realistisch halte. Der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl forderte indessen: "Wir müssen dem Ziel eines Abzugs näher kommen."
Jung kritisierte in der "Bild"-Zeitung seinen Vorgänger Volker Rühe (CDU), der einen Abzug in zwei Jahren gefordert und den Einsatz ein Desaster genannt hatte. "Es wäre klug, wenn Ehemalige sich mit aktuellen Ratschlägen zurückhalten würden", sagte der Minister.
Ziel des Einsatzes am Hindukusch sei es, Afghanistan in die Lage zu versetzen, selbst für seine Sicherheit zu sorgen. "Das wird sicherlich noch einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren in Anspruch nehmen."
Wie Rühe warnte auch der Ex-Generalinspekteur Harald Kujat in der "Bild": "Wir können uns nicht auf einen jahrzehntelangen Krieg mit einem Gegner einlassen, der dort zu Hause ist und das Gelände kennt." Ex-NATO-General Klaus-Dieter Naumann stimmte der Kritik Rühes zu, hielt sie aber in Wahlkampfzeiten für falsch.
"Krieg gegen die Taliban nicht zu gewinnen"
Auch der frühere Leiter des Planungsstabs der Bundeswehr, Ulrich Weisser, plädierte in der "Frankfurter Rundschau" für ein Ende des NATO-Einsatzes in Afghanistan spätestens im Jahr 2011. Er äußerte die Ansicht, der Krieg gegen die Taliban sei nicht zu gewinnen.
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, nannte die Diskussion über einen Abzug während des Bundestagswahlkampfes gefährlich. Der "Bild" sagte er: "Wenn die Taliban merken, dass in Deutschland eine große Debatte losgetreten wird, werden sie noch mehr Anschläge auf die Bundeswehr verüben."
Koenigs fordert Verhandlungen mit den Taliban
Der frühere UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, fordert eine deutlich stärkere Korrektur der Afghanistanstrategie der Bundesregierung. Der "Berliner Zeitung" sagte er, der Krieg sei unter dem "klassischen Gesichtspunkt geführt worden, den Gegner zu vernichten, nicht aber, mit allen Mitteln die Zivilbevölkerung zu schützen".
Die nunmehr erkennbare Korrektur der internationalen Militärstrategie komme viel zu spät, sagte Koenigs. Der Grünen-Politiker sprach sich für stärkeren zivilen Einsatz aus, "viel mehr Polizeiaufbau, viel mehr Unterstützung der demokratischen Kräfte und Verhandlungen mit den Taliban".
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