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Bundeswehr
Berlin schickt Soldaten an Nato-Ostflanke

"Noble Jump": Nato-Speerspitze trainiert für den Ernstfall
"Noble Jump": Nato-Speerspitze trainiert für den Ernstfall FOTO: dpa, nie fpt
Düsseldorf. Weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit verstärkt die Bundeswehr die Ostflanke der Nato unter anderem mit Tausenden Soldaten. Erstmals werden komplette Heereskompanien für jeweils drei Monate ins Baltikum geschickt. Von M. Bröcker und H. Michelis

So nehmen insgesamt 4400 deutsche Soldaten bis November an 17 Nato- und US-Manövern im östlichen Bündnisgebiet teil. Das hat das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt.

Den Anfang der "rotierenden Präsenz" machte von April bis Juli das mit Panzerfahrzeugen ausgerüstete Jägerbataillon 292 aus Donaueschingen. Die 200 Soldaten waren gemeinsam mit US-Truppen in einer Kaserne in Litauen untergebracht. Am 15. August werden weitere 150 deutsche Infanteristen für drei Monate nach Lettland "zu Ausbildungs- und Übungszwecken", verlegt, wie es offiziell heißt. Dahinter steht die Angst der baltischen Staaten und Polens, die sich wegen der russischen Annexion der Krim und Moskaus Militärhilfe für die Rebellen in der Ost-Ukraine bedroht sehen. Die Nato hatte daraufhin auf ihrem Gipfel in Wales 2014 die Verstärkung ihrer Präsenz in den östlichen Bündnisstaaten beschlossen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mahnte die Parteien im Ukraine-Konflikt zur Besonnenheit: "Auch heute ist die Gefahr einer militärischen Eskalation noch nicht gebannt. Noch immer wird geschossen, und noch immer sterben Menschen." Das Abkommen Minsk II sei trotz der Auseinandersetzungen weiterhin die Grundlage für den Friedensprozess: "Minsk ist und bleibt das einzige Format, zu dem sich alle Konfliktparteien bekannt haben. Eine Alternative haben wir nicht." Nun müsse alles getan werden, damit sich die Lage beruhige und die internationalen Beobachter Zugang und Schutz erhalten, um ihren Auftrag erfüllen zu können, so Steinmeier. Die Beobachter sollen den Abzug der Waffen an der ukrainisch-russischen Grenze überwachen.

Der neue Auftrag im Baltikum bedeutet für die Bundeswehr eine erhebliche Schwerpunktverlagerung. Sie stellt 2700 Soldaten für die schnelle Eingreiftruppe der Nato gemeinsam mit den Niederlanden und Norwegen und beteiligt sich von September bis Dezember wieder mit vier "Eurofightern" am Schutz des Luftraums von Estland, Lettland und Litauen. Diese Staaten besitzen keine eigenen Abfangjäger. Am 12. September beginnt in der Ostsee das Nato-Manöver "Nördliche Küsten", für das die Deutsche Marine mehrere Kriegsschiffe, ein Seefernaufklärungsflugzeug und rund 1000 Soldaten abstellt. Im Oktober wird eine verstärkte deutsche Panzergrenadierkompanie (rund 200 Mann) aus Thüringen für drei Monate nach Polen geschickt; 700 Soldaten nehmen im November mit Truppen aus neun weiteren Nato-Staaten an einem großen Manöver in Polen teil.

Deutsche Soldaten sind ebenfalls an den täglichen Patrouillen der Awacs-Frühwarnflugzeuge der Nato über Polen und Rumänien und an den maritimen Einsatzverbänden des Bündnisses in der Ostsee beteiligt.

Außerdem wurde nun von der Bundeswehr bestätigt, dass das Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck (Mecklenburg-Vorpommern) Bestandteil des polnischen Heeres wird. Die 700 Soldaten mit 44 Schützenpanzern sollen bis 2021 komplett in die Streitkräfte Polens integriert werden. Im Gegenzug wird ein polnisches Panzerbataillon der Panzergrenadierbrigade 41 in Neubrandenburg unterstellt. Diesen Truppentausch hatten Deutschland und Polen 2014 prinzipiell vereinbart.

Quelle: RP
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