Sechs Verwundete nach Selbstmordanschlag: Bundeswehrsoldat in Nordafghanistan getötet
zuletzt aktualisiert: 07.10.2010 - 19:02Berlin (RPO). Bei einem Selbstmordanschlag in Nordafghanistan ist am Donnerstag ein Bundeswehrsoldat getötet worden. Das teilte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Nachmittag im Bundestag mit.
Nach Guttenbergs Angaben erfolgte der Angriff auf die deutsche Isaf-Einheit nördlich des Regionalen Wiederaufbauteams in Pol-e Khomri in der Provinz Baghlan. Die Einheit zog sich in das Lager zurück, wo die Verwundeten weiter versorgt werden.
Wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mitteilte, ereignet sich das Attentat gegen 13.50 Uhr Ortszeit (11.20 MESZ). Sechs weitere deutsche Soldaten seien verletzt worden, zwei davon schwer.
Nach Angaben der Bundeswehr hatte die Patrouille die Zufahrtsstraße zu einer Brücke in der Nähe des Dorfs Aka-Khel überwachen sollen. Die Verletzten würden mit Hubschrauber in das Lager Pol-E Khomri geflogen, hieß es in Bundeswehr-Kreisen.
Verteidigungsminister zu Guttenberg sagte im Bundestag, er sei mit den Gedanken bei den Soldaten und Angehörigen. Das Parlament reagierte mit großer Betroffenheit und sprach den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus.
Westerwelle: "Barbarischer Akt"
Der Deutsche Bundeswehrverband wertete den Anschlag als Beleg für eine anhaltend kriegerische Lage am Hindukusch. "Dieser erneute Vorfall macht in aller Brutalität deutlich, was in den letzten Wochen und Monaten in der Öffentlichkeit wieder in Vergessenheit geraten ist. Wir befinden uns in Afghanistan nach wie vor in einer kriegerischen Auseinandersetzung, in der unsere Soldatinnen und Soldaten im Auftrag des Deutschen Bundestages ihr Leben riskieren - und verlieren", sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Kirsch.
Bundesregierung und Bundestag reagierten mit großer Betroffenheit und sprachen den Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag. Den Angehörigen der Soldaten sprach die Regierungschefin ihr tief empfundenes Mitgefühl aus. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte: "Dieser barbarische Akt richte sich nicht nur gegen uns, er richtet sich auch gegen die große Mehrheit der Afghanen, die eine friedliche, auf Ausgleich und Versöhnung gerichtete Politik für ihr Land will."
Bisher war vor allem die Region um Kundus Ziel von Angriffen Auständischer gewesen. Es ist bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass deutsche Soldaten in Afghanistan zu Tode kommen. Zuletzt waren im April innerhalb von nur zwei Wochen sieben deutsche Soldaten am Hindukusch getötet worden. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind 44 Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen, davon 27 durch Anschläge und Gefechte.
Derzeit sind rund 4700 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Sie stehen dort zusammen mit rund 85.000 Soldaten aus mehr als 40 Nationen unter dem Kommando der Nato. Die Mandatsobergrenze für die deutschen Truppen liegt bei 5350 Soldaten - inklusive einer flexiblen Reserve von 350 Soldaten.
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