Jordanier festgenommen: Bundesweite Großrazzia gegen mutmaßliche Islamisten
zuletzt aktualisiert: 02.02.2005 - 20:20München (rpo). Mit einer bundesweiten Großrazzia hat die Polizei am Mittwoch Beweise gegen 24 mutmaßliche Geldgeber für islamistische Terrorakte gesammelt. 37 Wohnungen und Geschäfte, die meisten davon in Bayern, wurden dabei durchsucht. Die Ermittler beschlagnahmten bei den überwiegend arabisch-stämmigen Verdächtigen Computer, Handys und Kontoauszüge. Ein Jordanier wurde vorübergehend festgenommen.
Die Mitglieder der radikal-islamistischen Gruppe stehen im Verdacht, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben. Sie sollen "seit geraumer Zeit auf legale und illegale Weise Spenden gesammelt" und damit radikal-extremistische Aktionen finanziert haben, wie Polizeisprecher Hans-Dieter Kammerer sagte. Unter anderem stünden die 24 Männer im Verdacht, mit Drogengeschäften, Betrügereien und Diebstählen Geld beschafft zu haben.
Bei einer Durchsuchung im Großraum München stießen die Ermittler auf 4.000 Euro Bargeld. Bei einem 31-jährigen Jordanier wurden mehrere Gramm Haschisch sicher gestellt. Der Mann wurde vorläufig festgenommen, kam aber rasch wieder auf freien Fuß. Waffen oder Sprengstoff wurden bei der Razzia nicht gefunden.
Die Beschuldigten stammen laut Polizei aus Jordanien, Libanon, Irak, Ägypten, Syrien und Tunesien; einziger EU-Bürger ist ein Grieche. Die Männer, die zwischen 20 und 66 Jahre alt sind, halten sich alle legal in Deutschland auf.
Der Polizei sind sie aber wegen ihrer Nähe zu Islamistengruppen bereits einschlägig bekannt. Die Männer seien seit Monaten beobachtet worden, sagte Kammerer. "Wir gehen von Gefährdern aus." Als Gefährder gelten etwa Agitatoren in Moscheen. Den Angaben zufolge waren zwei Beschuldigte 2001 und 2002 in einem extremistischen Ausbildungslager in Afghanistan. Ob Verbindungen zu Al Kaida bestehen, war zunächst unklar.
Ein Bezug zu einer Großrazzia Mitte Januar mit Schwerpunkt Ulm besteht nach ersten Erkenntnissen nicht. Damals waren zahlreiche Verdächtige festgenommen worden. Vereinzelt gab es Hinweise auf Verbindungen zu den Terrorgruppen Al Tawhid und Ansar al Islam. Welche Verbindungen die 24 Männer zu anderen Islamistengruppen hatten, ist noch unklar.
Keine Probleme bei Durchsuchungen
Rund 200 Polizisten durchsuchten ab 06.00 Uhr morgens unter Leitung der Münchner Staatsanwaltschaft 33 Wohnungen und vier Geschäfte. Die meisten Räume befanden sich dem Sprecher zufolge im Großraum München sowie in Ober- und Niederbayern.
Weitere Durchsuchungen fanden in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen statt. Die Aktion verlief laut Polizei ohne Probleme, die Staatsanwaltschaft zeigte sich "sehr zufrieden über den reibungslosen Verlauf". Die Ermittler trafen alle 24 Beschuldigten an, stellten ihre Identität fest und vernahmen sie.
Die weiteren Vernehmungen und die Auswertung des beschlagnahmten Materials werden voraussichtlich Wochen dauern. Gesucht würden "Beweise, dass tatsächlich Geld geflossen ist", sagte Kammerer. Die Ermittler wollten Straftaten aufklären und weitere Erkenntnisse über die Struktur der Gruppe gewinnen. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Deutschland gibt es laut Polizei nicht.
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