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Schreiben an Seehofer: Bundeswirtschaftsminister Glos will zurücktreten

zuletzt aktualisiert: 07.02.2009 - 18:11

Berlin (RPO). Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat völlig überraschend dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer seinen Rücktritt angeboten. Am Samstag schrieb Glos an seinen Parteichef, ihn von dem Ministeramt zu entbinden. Ob dies sofort geschieht, liegt nach Angaben einer Ministeriumssprecherin nun bei Seehofer. Die CSU entscheidet über zwei Ministerposten in der schwarz-roten Bundesregierung.

"Es ist richtig, dass Herr Glos sein Ministeramt angeboten hat", sagte die Sprecherin auf ddp-Anfrage. Damit wolle der CSU-Politiker den Weg freimachen, möglicherweise schon mit einer anderen Person auf diesem Posten in den Bundestagswahlkampf zu gehen. Glos habe jedoch auch klargestellt, dass er dem neuen Bundeskabinett ab Herbst nicht mehr angehören wolle.

Laut "Bild am Sonntag" hat Glos dem CSU-Vorsitzenden schriftlich den Rücktritt angeboten. "Bereits vor dem großen Neuanfang in der Bayerischen Staatsregierung und an der Parteispitze hatte ich dir angeboten, auch über mein Ministerium disponieren zu können. Ich bitte dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden", zitiert das Blatt aus dem Schreiben. Glos habe am Samstagnachmittag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Telefongespräch von seinem Brief an Seehofer unterrichtet.

Personelle Glaubwürdigkeit

Als Grund für seinen Schritt nannte der Minister auch die Frage der personellen Glaubwürdigkeit. Dazu gehöre auch, "vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen. Da ich in diesem Jahr mein 65. Lebensjahr vollende, entspricht es meiner Lebensplanung, nach dem 28. September keinem Kabinett mehr anzugehören." Deshalb wolle er jetzt vom Amt entbunden werden.

Eine Reaktion aus dem Kanzleramt gab es zunächst nicht. Auch Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) gab auf Nachfrage in München keinen Kommentar ab.

Der Schritt Glos' kam überraschend. Zwar war der Wirtschaftsminister wegen seiner Amtsführung immer wieder in die Kritik geraten. Seit der Umbildung der bayerischen Staatsregierung und der CSU-Spitze galt es allerdings als relativ sicher, dass der Wirtschaftsminister bis zur Bundestagswahl im September auf seinem Posten bleiben würde.

Glos agierte oft glücklos

Glos war 2005 als erster CSU-Wirtschaftsminister überhaupt in das Kabinett von Merkel gekommen. Mit seinem Rückzug müsste - nach dem Gang des früheren Verbraucherministers Seehofer nach München - auch für den zweiten CSU-Kabinettsposten eine neue Besetzung gefunden werden. Glos war anstelle von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber ins Kabinett gerückt, weil Stoiber es vorgezogen hatte, in München zu bleiben. Im Kabinett agierte Glos allerdings oft nicht sehr glücklich und musste sich mehrmals gegen Kritik verteidigen.

Zuletzt wurde Glos vorgeworfen, in der Wirtschafts- und Finanzkrise kaum in Erscheinung zu treten. Zum Gesicht des Krisenmanagements der Bundesregierung war stattdessen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) geworden.

Einflussreicher Unionspolitiker

Glos gehörte schon zu Zeiten von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) zu den einflussreichsten Unionspolitikern. Vor seinem Wechsel in das Ministerium zog er rund zwölf Jahre lang als Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag die Fäden. In dieser Zeit machte er noch häufiger mit polternden Angriffen auf politische Gegner von sich reden und ließ sich auch zu unbedachten Äußerungen hinreißen.

Glos war 1970 nach der Übernahme des elterlichen Landwirtschaftsbetriebes in die CSU eingetreten. Kurz darauf wurde er Gründungsvorsitzender des CSU-Ortsverbandes in seinem Heimatort Prichsenstadt. Der Müllermeister arbeitete sich in der Partei rasch nach oben, bereits 1976 zog er für die CSU in den Bundestag ein. In der Fraktion wirkte er als Finanz- und Steuerexperte. Von 1990 bis 1992 war er Fraktionsvize für den Bereich Wirtschaft und Verkehr, bevor er im darauffolgenden Jahr zum Landesgruppenchef wurde.

Quelle: DDP

 
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