Weltweiten Ausbau gefordert: Bush entfacht neue Debatte über Atomkraft
zuletzt aktualisiert: 12.07.2006 - 06:14Düsseldorf/Berlin (rpo). George W. Bush hat kurz vor seinem Deutschlandbesuch eine neue Debatte in Berlin ausgelöst. Der US-Präsident hatte den weltweiten Ausbau der Atomkraft als umweltfreundliche Energiequelle gefordert. Heftige Kritik an dieser Position kommt aus der SPD. Wirtschaftsminister Glos (CDU) stellt den deutschen Atomausstieg indes erneut in Frage.
SPD-Umweltminister Gabriel sagte: "Die Kernenergie ist ein falscher Weg. Sie kann allenfalls Gefahren des Kohlendioxids durch Gefahren der Radioaktivität ersetzen." Diese Wahl zwischen Pest und Cholera müssten die großen Industrienationen durch einen effizienteren Umgang mit Energie vermeiden. Der Umweltminister bekräftigte, der Atomausstieg in Deutschland sei unumkehrbar. "Der deutsche Atomausstieg bleibt", sagte Gabriel.
Bush sage zu Recht, dass diese Frage eine nationale Angelegenheit sei. Im Übrigen sei es verwunderlich, dass Bush einerseits auf die Atomkraft setze, die Verbreitung der Nukleartechnik in Ländern wie Nordkorea oder Iran aber ablehne. "Wer die Botschaft in die Welt setzt, dass Atomenergie das allein selig Machende ist, der darf sich über die Atomanlagen in Nordkorea oder Iran nicht wundern", sagte Gabriel.
Glos stellt Ausstieg in Frage
Glos sagte dagegen, fast alle anderen erfolgreichen Industrienationen hätten verstanden, dass die Kernenergie für die sichere Versorgung von Verbrauchern und Wirtschaft mit preiswerter Energie und für das Erreichen der Klimaschutzziele unverzichtbar sei. "Warum sollte sich Deutschland dieser Erkenntnis auf Dauer verschließen?", fragte der Minister.
Reiche unterstützte die Forderung Bushs zum weltweiten Ausbau der Kernkraft. "Der Präsident hat Recht", sagte sie. "Kernkraft ist eine klimafreundliche Technologie." Auch deswegen setzten weltweit wieder viele Staaten auf die Kernkraft. "Da darf Deutschland als großes europäisches Land nicht abseits stehen", sagte Reiche.
Die Grünen unterstützten dagegen Gabriel. "Die Bemerkungen von Präsident Bush beweisen, dass er das Problem immer noch nicht verstanden hat", sagte ihr Vorsitzender Reinhard Bütikofer. Jahrelang habe Bush den Klimawandel leugnen lassen, nun nutze er ihn als Ausrede, um der Atomlobby einen Gefallen zu tun.
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