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Diplomatie: Bush schickt politischen Anfänger als Botschafter nach Berlin

zuletzt aktualisiert: 20.07.2005 - 12:23

Washington (rpo). Der zukünftige US-Botschafter in Berlin, William Robert Timken, sorgt schon vor seiner Ankunft für einigen Wirbel. Außer "Guten Tag" und "Dankeschön" spricht der Unternehmer aus Ohio nämlich kaum Deutsch. Diplomatische Erfahrung ist auch eher Fehlanzeige. Kritiker munkeln, der US-Präsident schulde seinem eifrigen Wahlkampfhelfer aber noch den ein oder anderen Gefallen. 

Der US-Präsident nennt Timken bei dessen Spitznamen "Tim" und ist ihm zu Dank verpflichtet. Denn der Millionär aus jenem Mittelweststaat, wo sich im vergangenen November die Wahl entschied, gehört zu den großzügigsten Spendern des Präsidenten. Weil er für die Bush-Kampagne mehr als 200.000 Dollar eintrieb, verliehen ihm die Republikaner den Ehrentitel eines "Rangers".

Schon im Mai wurde Timken in der deutschen Presse als Nachfolger von Daniel Coats genannt, der im Februar als Botschafter in Deutschland ausgeschieden war. Die formelle Bekanntgabe aus dem Weißen Haus kam nun am Dienstag. Noch muss Timken zwar grünes Licht vom Senat bekommen, aber dies dürfte nicht mehr als eine Formsache sein. Denn dass Botschafterposten nicht an erfahrene Diplomaten, sondern an verdiente Freunde und Förderer des Präsidenten vergeben werden, hat in den USA eine lange Tradition, an der sich bislang nur die wenigsten gestört haben. So sorgte es auch nicht für allzuviel Wirbel, als David Wilkin, der neue Botschafter in Kanada, freimütig zugab, er habe den nördlichen Nachbarn zuvor nur einmal besucht - in den 70er Jahren bei einem Tripp zu den Niagara-Fällen. Auch Wilken ist ein "Ranger" der Republikaner.

Timken kann dagegen immerhin familiäre Wurzeln in dem Land vorweisen, in dem er die US-Interessen vertreten soll. Sein Urgroßvater Henry, der Begründer der Timken-Werke, war ein Bauernjunge aus Bremen, der 1838 als Siebenjähriger mit den Eltern in die Vereinigten Staaten auswanderte. 1897 meldete Henry Timken ein Patent für ein Kugellager an. Zwei Jahre danach gründete er eine Fabrik, die in den folgenden Jahrzehnten von der rasant wachsenden Nachfrage durch Auto-, Flugzeug- und Eisenbahnbauer profitierte. Urenkel William Robert trat nach einem Studium der Geschichte und Wirtschaft an den Elite-Unis Stanford und Harvard in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Fast drei Jahrzehnte lang leitete er das Unternehmen. Die Führung gab Timken vor zwei Jahren ab, um sich mit dem Posten als Aufsichtsratschef zu begnügen.

Großer Erfolg als Unternehmer

Die Firma Timken verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,5 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) und hatte 26.000 Beschäftigte in 27 Ländern. Zu den wichtigsten Kunden gehört das Pentagon, das Timken mit Teilen für Kampfflugzeuge und -hubschrauber beliefert. Die Verbindungen des Unternehmens zur Bush-Familie sind von jeher eng. Bei einem Besuch des Firmensitzes in Canton im April 2004 pries der Präsident den Kugellagerbauer als Beispiel für die Produktivität der US-Wirtschaft. Timken seinerseits dankte Bush im Namen der Beschäftigten für die Führungskraft, mit der er "unsere Familien vor dem Terrorismus schützt".

In Berlin übernimmt der Unternehmer aus dem Mittleren Westen keinen einfachen Posten. Der Streit um den Irak-Krieg ist zwar offiziell abgehakt, aber nicht vergessen. Vorgänger Coats, der oft durch seine ungeschminkte Wortwahl für Aufsehen sorgte, sagte zum Abschied, die Beziehungen hätten "ernste Verletzungen und Belastungen" erlitten. Vielleicht wird Timken aber die Arbeit durch einen Regierungswechsel erleichtert - die Erwartung in Washington ist zweifellos, dass eine Bundeskanzlerin Angela Merkel ein pflegeleichtere Partnerin wäre als Gerhard Schröder.

Quelle: afp

 
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