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Türkische Zeitung "Cumhuriyet"
Dündar kritisiert "schwache" Reaktion auf Verhaftungen

Can Dündar kritisiert "schwache" Reaktion auf Verhaftungen bei "Cumhuriyet"
Can Dündar wirft Berlin eine schwache Reaktion vor FOTO: dpa, ade kde
Berlin . Der Ex-Chefredakteur der regierungskritischen türkischen Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, kritisiert die Reaktion der Bundesregierung auf die Verhaftung führender Mitarbeiter der Zeitung. Er fordert ein klares Signal von Berlin.

"Die Reaktion der deutschen Regierung war wirklich schwach", sagte Dündar der Zeitung "Die Welt". Das gelte auch im Vergleich mit anderen westlichen Partnern der Türkei wie etwa den USA.

Die türkische Polizei hatte am Montag den Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung, Murat Sabuncu, und rund ein dutzend weitere "Cumhuriyet"-Mitarbeiter inhaftiert. Die Ermittler werfen den Journalisten vor, mit ihren Artikeln den gescheiterten Militärputsch Mitte Juli "legitimiert" und Straftaten zugunsten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen begangen zu haben. Diesen macht Ankara für den Putschversuch verantwortlich.

Dündar wünscht sich mehr als nur Sorge

Die Bundesregierung erklärte dazu, dass die Pressefreiheit ein "hohes Gut" sei und äußerte ihre "Sorge". Dündar sagte der "Welt", Berlin habe die Verhaftungswelle "nicht einmal verurteilt". Er erwarte von den europäischen Regierungen aber ein "klares, mutiges Signal für die Demokratie in der Türkei". Die Europäer seien seit Jahren "dauernd besorgt", beklagte der Journalist, der wegen seiner drohenden Inhaftierung in der Türkei seit längerem in Deutschland lebt. "Besorgt sein hilft uns türkischen Journalisten nicht."

Dündar warnte vor diesem Hintergrund Europa vor einem zu großen Verständnis für die Politik des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. "Zu viele europäische Regierungen denken, dass sie unter Erdogan wenigstens eine stabile Türkei bekommen", sagte er der Zeitung. "Wir verlieren die Türkei gerade." Die Verhandlungen über einen EU-Beitritt des Landes dürften allerdings deshalb nicht abgebrochen werden. "Isolation wäre eine Bestrafung für die Türkei, aber nicht für Erdogan."

(crwo/afp)
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