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Kommentar zur Forderung nach Cannabis-Legalisierung
Gebt das Hanf nicht frei!

Cannabis-Legalisierung: Gebt das Hanf nicht frei!
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Düsseldorf. Die Grünen wollen Cannabis-Konsum legalisieren. Doch wer regelmäßig mit lethargischen jungen Menschen zu tun hat, die nur noch ein riesiges verquarztes Nichts im Kopf haben, weiß, dass das keine gute Idee ist. Von Jasmin Buck

Die Grünen wollen erreichen, dass der Anbau, Verkauf und Besitz von Cannabis künftig erlaubt ist. Bis zu 30 Gramm soll ein Erwachsener mit sich herumtragen oder bei sich daheim lagern dürfen. Der Stoff soll auf staatlich kontrollierten Flächen angebaut und nach der Ernte in schweren, diebstahlgeschützten "Wertschutzschränken" aufbewahrt werden. Schließlich soll das Haschisch und das Marihuana in Fachgeschäften von speziell geschulten Angestellten ganz legal verkauft werden. Kommt ein Kunde so oft, dass man sich Sorgen um ihn machen muss, sind die Verkäufer aufgefordert, auch auf Beratungsangebote für Suchtkranke hinzuweisen. Unter 18-Jährige dürften die Cannabis-Läden nicht betreten, jeder Käufer solle sich ausweisen müssen. Wer dennoch an Minderjährige verkauft, müsse mit einer Haftstrafe rechnen. Damit der Konsum nicht allzu attraktiv wird, wollen die Grünen auf das Rauschmittel eine Steuer erheben. Die Einnahmen von bis zu zwei Milliarden Euro jährlich könnten nach den Vorstellungen der Partei künftig in die Suchtprävention fließen. Kurzum: Die Grünen meinen es ernst mit ihrem "Entwurf eines Cannabiskontrollgesetzes".

Es gehe darum, das gesellschaftliche Faktum des Konsums besser zu kontrollieren, so lautet das Hauptargument für die Legalisierung. Doch Straftatbestände aufzuweichen, nur weil viele sie missachten und die Polizei "Wichtigeres" zu tun hat, als sich um jeden Joint zu kümmern, riecht nach Kapitulation. Dann könnte man auch Ladendiebe gewähren lassen oder Radfahrer, die rote Ampeln ignorieren. Gegen eine Freigabe von Haschisch, Marihuana & Co. sprechen aber auch noch andere Gründe als die "Kriminalisierung" der Konsumenten. Bislang fehlt nämlich der Beweis dafür, dass Cannabis-Produkte so ungefährlich sind, wie ihre Verteidiger suggerieren.

Erst im vergangenen Jahr haben niederländische Wissenschaftler nachgewiesen, dass langfristiger Cannabis-Konsum psychotische Störungen wie Schizophrenie befördert, insbesondere bei Menschen, die dafür anfällig sind. Und wer bis drei zählen kann, weiß, dass die eigentlich gefährdete Konsumentengruppe, nämlich Jugendliche unter 20 Jahren, durch diese Regelung noch leichter an Marihuana kommen und wahrscheinlich noch mehr konsumieren würden. Schon jetzt kiffen Schätzungen zufolge 2,3 Millionen Deutsche, 22 Prozent der Jugendlichen im Alter von 15 bis 16 Jahren haben den Stoff schon einmal probiert. Und wer regelmäßig mit lethargischen jungen Menschen zu tun hat, die kein vernünftiges Gespräch mehr führen können und statt Schule, Ausbildung oder Studium nur noch ein riesiges verquarztes Nichts im Kopf haben, weiß, dass die Legalisierung keine gute Idee ist.

Klar, Kiffer ruinieren sich nicht die Leber und übermäßiger Konsum führt auch nicht sofort zum Tod. Menschen mit chronischen Schmerzen rauchen Cannabis zudem nicht zum Vergnügen - für sie ist die Droge der einzige Weg, ein erträgliches Leben zu führen. Doch mit dem unschuldigen Hippie-Joint hat der Stoff, dem heute mitunter auch synthetische Cannabinoide beigemengt sind, nichts mehr zu tun. Vor dem Hintergrund einer ganzen Palette bewusstseinsverändernder Stimulantien, die – legal oder illegal – in Deutschland allgemein verfügbar sind, sollte der Staat Cannabis deshalb nicht enttabuisieren. Verbote signalisieren potenziellen Erstkonsumenten immerhin, dass sie etwas Ungesetzliches tun.

Allzu große Hoffnungen dürfen sich Joint-Raucher angesichts des Grünen-Vorstoßes ohnehin nicht machen: Die große Koalition hat schon angekündigt, dass sie dem grünen Gesetzentwurf nicht zustimmen will.

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