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Baden-Württemberg
Thomas Strobl will nach Stuttgart

CDU in Baden-Württemberg: Thomas Strobl will nach Stuttgart
Thomas Strobl, Winfried Kretschmann. FOTO: dpa, frk cul
Berlin. Der Bundestagsabgeordnete und Vizechef der CDU, Thomas Strobl, könnte neuer Vize-Regierungschef einer grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg werden.

Wenn die grün-schwarzen Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg zu einem für die CDU als Juniorpartner akzeptablem Ergebnis führen, dürfte der Vizechef der CDU, der Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl, von Berlin nach Stuttgart wechseln und dort als Vizeregierungschef ein Ministerium mit den Zuständigkeiten für Inneres, Integration und Infrastruktur übernehmen. Diese Bereitschaft soll er nach Informationen unserer Redaktion aus Unionskreisen der Berliner Parteiführung signalisiert haben.

Rechtsanwalt aus Heilbronn

Nach der CDU-Wahlpleite vom 13. März war absehbar, dass Strobl eine größere Rolle in der baden-württembergischen Politik spielen würde. Hätte Spitzenkandidat und Fraktionschef Guido Wolf eine Koalition aus CDU, SPD und FDP schmieden können, wäre der 56-Jährige Strobl im Hintergrund Landesvorsitzender in Stuttgart und Vize in Bundestagsfraktion und Bundespartei geblieben. Das klappte nicht.

Da aber Wolf im Wahlkampf eine Beteiligung an einem grün-schwarzen Bündnis ausgeschlossen hatte, rückt nun der Rechtsanwalt aus Heilbronn nach vorn. Strobl war Generalsekretär, als die CDU unter Stefan Mappus 2011 die Landtagswahl vergeigte und nach Jahrzehnten die Regierung an Grün-Rot abtreten musste. Mappus ging, und Strobl rückte zum Landeschef auf. Als solcher stellte er sich im jüngsten Wahlkampf auch hinter Wolf und trägt deshalb auch Mitverantwortung für die Niederlage.

Streit um Konzept

Doch Strobl, der einen guten Draht zur Kanzlerin pflegt, vermochte es, nicht als Hauptschuldiger auf der Lichtung zu stehen. Liebend gerne wäre er selbst Spitzenkandidat geworden. In den Parteiversammlungen warnte er davor, den beliebten Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann anzugehen. Die Basis wollte sich auf Strobls Konzept aber nicht einlassen, zog im Mitgliederentscheid den eher altbacken wirkenden Wolf-Stil vor – und verlor. Deshalb hat Strobl nun gefühlt recht bekommen und kann agieren, als hätte das Fiasko nichts mit ihm zu tun. Strobl hat Erfahrung, ist ein versierter Netzwerker. In seiner Geburtsstadt Heilbronn wurde er Rechtsanwalt, und hier sitzt er seit 27 Jahren im Stadtrat.

Bei allen Bemühungen, die baden-württembergische CDU zu modernisieren: Bodenständigkeit ist für den Weinliebhaber kein Fremdwort. Das Feld der inneren Sicherheit hat er als zuständiger Fraktionsvize für Innen und Recht im Bundestag beackert. Da kennt er sich aus. Warum er einen Bogen um das naheliegende Finanzressort macht, hat mit Privatem zu tun: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäubles älteste Tochter Christine ist seit 1996 seine Frau. Er wolle deshalb "nicht der kleine Schäuble sein", hieß es aus der CDU.

(brö/may-)
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