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US-Präsidentschaftskandidat in spe
CDU öffnet Jeb Bush die Berliner Bühne

Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten
Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten FOTO: dpa, lws hm ase
Berlin. Beim CDU-Wirtschaftstag schärft der mögliche US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner sein außenpolitisches Profil. Die Union hofft auf einen Obama-Nachfolger, der die Führungsrolle Amerikas in der Welt wieder stärker betont. Von Birgit Marschall

John Ellis Bush, der sich selbst nur "Jeb" nennt, gibt sich bescheiden. Die 2.500 Menschen im großen Saal des Intercontinental-Hotels in Berlin seien gewiss nicht hier, um ihn zu sehen, sondern die Kanzlerin, die gleich eintreffen werde, sagt der kleine Bruder von George W. Bush, dem 43. Präsidenten der USA. Jeb Bush lobt die strenge Haushaltspolitik der Bundesregierung, von der die USA lernen könnten. Er wirbt für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP - und er preist seinen Vater George H.W. Bush als den "größten Mann, den ich kenne". Sein Vater und Helmut Kohl hätten die deutsche Einheit ermöglicht. "Unsere Beziehung zu Deutschland wird für uns immer von höchster Priorität bleiben", versichert der hochgewachsene Mann mit der randlosen Brille, der nächster Präsident der USA werden möchte.

Das ist ganz nach dem Geschmack der Delegierten des CDU-Wirtschaftsrates, der Bush zum alljährlichen Wirtschaftstag nach Berlin eingeladen hat. Am kommenden Montag wird Bush III aller Voraussicht nach in Miami seine Kandidatur für die Vorwahlen der Republikaner bekannt geben. Für die Union ist es eine Ehre, dass er nur wenige Tage zuvor Berlin und den Wirtschaftstag als erste Station dieser wichtigen Auslandsreise auserkoren hat. Nach Deutschland wird Bush noch Polen und Estland besuchen.

Jeb Bush wäre der dritte Spross in der Familiendynastie, der nach Vater George H. W. Bush und seinem älteren Bruder den Sprung ins mächtigste Amt schafft. Bush III wird sich bei den Vorwahlen gegen zahlreiche Konkurrenten durchsetzen müssen, doch gilt er als einer der aussichtsreichsten Bewerber. Im eigentlichen Wahlkampf dürfte er es mit Hillary Clinton aufnehmen: Die 67-jährige treibt ihre Kandidatur voran wie niemand anderes unter den Demokraten. 2,5 Milliarden US-Dollar an Spenden setzt sie dafür ein.

Fotos: Jeb Bush – US-Präsidentschafts-Kandidat FOTO: dpa, pm ks htf

Daran, dass sich Bush, der bislang nur Privatmann ist, gestern auch bereits mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) getroffen hat, können sie in der Regierung nichts Verwerfliches erkennen. "Der Wunsch kam von Herrn Bush, wir sind dem sehr gerne nachgekommen", sagte ein Sprecher Schäubles. Auch die Kanzlerin, die beim Wirtschaftstag nach Bush aufs Podium stieg, schüttelte schon kurz die Hand des möglichen 45. US-Präsidenten.

In einer Fragerunde zeigt sich Bush III gestern eher als Hardliner. Russlands Präsident Putin brauche jemand, der sich ihm entgegenstelle, sagt Bush. Das könne nur die Nato sein. "Der neue US-Präsident wird unser Militär neu aufbauen müssen", fährt er fort. Er wolle Amerikas "Führungsrolle in der Welt wieder herstellen", formulierte Jeb Bush kürzlich - ein Vorhaben, das viele in Deutschland begrüßen, denn je stärker die Führungsrolle der USA, desto weniger lastet auf Deutschland Verantwortung.

Wie schwierig das außenpolitische Feld für Bush ist, spürt er regelmäßig bei der Irak-Frage. Noch im Mai befand er, er wäre 2003 wie sein Bruder George W. in den Irak einmarschiert. Später ruderte Bush III zurück: Er hätte den Irak-Krieg wohl nicht begonnen, wenn er gewusst hätte, was man heute wisse.

In Deutschland hoffen viele auf einen im Vergleich zum Bruder gemäßigteren, liberaleren und multilateraleren Bush, auch in der Union. "Für mich sind viele Republikaner nicht liberal, aber Jeb Bush wäre es", meint etwa der CSU-Wirtschaftspolitiker Hans Michelbach. Jeb Bush wisse, dass "extreme Positionen", wie sie im Tea-Party-Flügel der Republikaner zu finden seien, "in der Politik in der Regel nicht zum Erfolg führen", sagt auch Jürgen Hardt (CDU), der Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt. Allerdings ist Bush wie die meisten Republikaner auch für die Todesstrafe und gegen die Homo-Ehe. An ihm könnte überdies der Makel haften bleiben, dass er seinem Bruder seinerzeit ins Präsidentenamt verhalf, weil er als Gouverneur von Florida zuließ, dass 13 000 Stimmen falsch ausgezählt wurden.

Dass aber Jeb Bush zwischen 1999 und 2007 Florida regierte und nicht wie sein Bruder das konservative Texas, spricht eher für einen moderateren Kurs, meint Ruprecht Polenz (CDU), der frühere Chef des Außen-Ausschusses im Bundestag. Als erster Republikaner stand Jeb Bush, der mit einer Mexikanerin verheiratet ist, für zwei Amtszeiten an der Spitze Floridas - das, so sagt Polenz, "wäre ihm wohl kaum gelungen, wäre er ein Anhänger der umstrittenen Tea Party gewesen".

Quelle: RP
 
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