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Jugendgewalt: CDU will Handy-Fotos zurückverfolgen

VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 06.08.2007 - 06:46

Düsseldorf (RP). Handy-Hersteller sollen nach dem Willen der NRW-CDU nur noch Geräte auf den Markt bringen, die mit einer Sicherung gegen die Verbreitung von Gewaltfotos ausgerüstet sind.

Ziel ist es, Fotos und Videos im Internet zurückzuverfolgen, die beispielsweise mutwillig herbeigeführte Prügelszenen unter Jugendlichen (so genanntes „happy slapping“) zeigen.

Die Forderung nach den sogenannten Handy-Filtern stößt bei Experten allerdings auf breite Skepsis. Grundsätzlich seien zwar Versuche zu begrüßen, Gewaltvideos zu unterbinden, sagte der Bereichsleiter Telekommunikation beim IT-Branchenverband BITKOM, Manfred Breul, am Montag in Berlin. Allerdings stamme die gezielte Filterung digitaler Inhalte aus dem Bereich politischen Wunschdenkens und sei "technisch gesehen blanker Unsinn". Andere Experten befürchten einen generellen Eingriff in den Datenschutz.

"Am Machbaren vorbei"

Eine selektive Filterung gewalttätiger Inhalte geht nach Ansicht von Breul am Machbaren "völlig vorbei". "Ich halte das für schlichtweg unmöglich", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe keine Filter, die Gewaltszenen auf dem Schulhof oder unvorteilhafte Fotos von Lehrern erkennen und sperren könnten.

Der Sprecher des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Wolfgang Heer, sagte, vor den Handynetzbetreibern seien die Gerätehersteller am Zuge, wenn eine Filterung überhaupt technisch machbar sei. Beanstandete Dateien ließen sich außer via Handynetz auch per Bluetooth-Kurzstreckenfunk, über Speicherkarten, direkte Kabelverbindungen und via Internet austauschen. Der sicher gut gemeinte politische Vorstoß würde dazu führen, dass die Handys praktisch kaum noch nutzbar wären.

Die Sprecherin des auf Telekommunikation spezialisierten Onlinemagazins teltarif.de, Bettina Seute, warnte vor einer generellen Kennzeichnung digitaler Videos und Fotos durch für das Auge nicht wahrnehmbare Bitmuster. Nur wenn bei der Aufnahme beispielsweise die Gerätenummer des Handys in einem Bitmuster verschlüsselt eingebettet werde, lasse sich der Ursprung solcher Dateien zurück verfolgen.

Dadurch könnte ein weiteres Überwachungsinstrument entstehen, das über den Handymarkt hinausgehe und alle in Deutschland verkauften Digicams oder Videokameras beträfe. Mit dem Bitmuster, das dem Käufer eines solchen Geräts eindeutig zugeordnet werden könnte, würden nicht nur bestimmte Dateien gebrandmarkt. Suchdienste könnten dann alle im Internet bereitgestellten Fotos und Videos ihren Urhebern zuordnen, warnte Seute.

"Diskriminierende Aufnahmen" von Lehrern unterbinden

Laut "Rheinischer Post" hofft die Düsseldorfer Staatskanzlei, "diskriminierende Aufnahmen von Lehrern im Unterricht" könnten durch die geplanten Maßnahmen eher unterbunden werden als durch ein totales Handy-Verbot an Schulen. Dies zumindest sagte der CDU-Medienexperte Thomas Jarzombek der Zeitung.

Vor gut zwei Wochen hatte der japanische Kamerahersteller Canon bekannt gegeben, dass er anhand der gemeinsam mit den Fotos gespeicherten so genannten Exif-Metadaten (Exchangable Image File Format) den Fotografen ermitteln will, der den jüngsten Harry-Potter-Roman abfotografiert und kostenlos ins Internet gestellt hatte.

Der US-Verleger der Harry-Potter-Bücher hatte juristische Schritte gegen die illegale Bereitstellung im Internet eingeleitet. Nach Angaben der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) existieren bereits eine Reihe von Farbdruckern, die unbemerkt auf jedem Ausdruck einen nahezu unsichtbaren Farbcode setzen, der Rückschlüsse auf die Seriennummer des Geräts und den Zeitpunkt des Ausdrucks ermöglicht.


 
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