Neuer Eklat vor Olympia: China will deutsche Zeitungen zensieren
zuletzt aktualisiert: 01.08.2008 - 17:07Peking (RPO). Eine Woche vor der Eröffnung der Sommerspiele hatten sich die Gewitterwolken über Peking scheinbar verzogen. Gastgeber China hob die heftig kritisierte Internet-Zensur auf und beugte sich damit dem entschiedenen Protest des IOC. Doch schon gibt es neue Empörung. Die Regierung in Peking kündigte an, die Auslage aktueller deutscher Tageszeitungen zu verbieten.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verhandelt nun mit den Behörden über das neuerliche Verbot, das auch im "Deutschen Haus" des Olympia-Dorfes gelten soll. "Die Gespräche laufen", sagte DOSB-Sprecher Gerd Graus am Freitag in Peking .
Hintergrund der Zeitungszensur ist laut DOSB, dass China die unkontrollierte Einfuhr ausländischer Tageszeitungen verbietet. Die deutschen Blätter seien erst mit mehreren Tagen Verspätung erhältlich, da sie zuvor von der Zensur gesichtet und freigegeben würden. Der DOSB will nun nach Angaben von Graus erreichen, dass die deutschen Athleten die Zeitungen nur mit einem Tag Verzögerung erhalten. "Ich bin da optimistisch", sagte Graus.
Blätter vielleicht einen Tag später da
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte in einem Brief an den DOSB seine "Fassungslosigkeit" über die Zeitungszensur zum Ausdruck gebracht. Er forderte, die Versorgung der deutschen Athleten mit Zeitungen aus der Heimat müsse sichergestellt werden. Ein "Deutsches Haus", in dem nicht auch die Meinungs- und Informationsfreiheit der freien Welt gelte, könne diesen Namen wohl kaum für sich in Anspruch nehmen.
Der DOSB hatte geplant, täglich 300 Exemplare überregionaler deutscher Tageszeitungen zur Verfügung zu stellen.
Eine andere Hürde scheint dagegen genommen - die Zensur von bestimmten Internet-Seiten wurde gelockert. "Das Problem ist gelöst", erklärte IOC-Vizepräsidentin Gunilla Lindberg (Schweden) nach einem Krisengipfel mit dem Organisationskomitee BOCOG.
Im Hauptpressezentrum (MPC) der Spiele konnten danach nicht nur die zuvor geblockten Seiten der Menschenrechtsorganisation amnesty international, von Reporter ohne Grenzen, der Deutschen Welle oder der BBC aufgerufen werden, sondern sogar die deutsche Version der Homepage von Falun Gong, obwohl China im Fall der verbotenen Sekte keinerlei Zusagen gemacht hatte.
IOC zeigt sich erfreut
Das IOC zeigte sich in einer offiziellen Stellungnahme "erfreut über die Einhaltung der Versprechungen" und stellte gleichzeitig klar, dass es sich nie mit einem eingeschränkten Internet-Zugang einverstanden erklärt habe.
Unterdessen forderte Chinas Staatspräsident Hu Jintao die zu den Spielen erwarteten 20.000 ausländischen Journalisten zur Objektivität auf. "Chinas Tür zur Welt ist immer weit offen", sagte er eine Woche vor dem Olympia-Auftakt auf einer Pressekonferenz. Allerdings sollte man sich bei der Berichterstattung an chinesische Regeln und Gesetze halten.
Einen Tag nach dem Regentief war der Blick auf die Berge um Peking frei. Und auch im deutschen Lager hatte sich die Lage wieder entspannt. "Die Beachvolleyballer können ihr Ausweichquartier am Rande von Peking beziehen", bestätigte Pressesprecher Gerd Graus. Man habe die Sicherheitsbedenken der Organisatoren ausräumen können.
IOC-Spitze und Athletenkommission zeigten sich nach der Besichtigung des Olympischen Dorfes vom Angebot für die Sportler "allgemein begeistert", wie DOSB-Präsident Thomas Bach berichtete: "Hochwertige Ausstattung der Zimmer, viel Wasser und Grün zwischen den Häusern und eine variantenreiche Verpflegung, da haben sich die Chinesen viel Mühe gegeben." Auch die bislang angereisten deutschen Aktiven seien sehr zufrieden.
Am Wochenende tagt die IOC-Exekutive, um die 120. Session (5. bis 7. August) vorzubereiten. Lindberg und Athletenvertreter Sergej Bubka (Ukraine) müssen das Führungsgremium verlassen. Für Lindberg dürfte der Chinese Zaiqing Yu zum Vize aufsteigen, der Vorschlag für Bubkas Nachfolge muss noch von der Athletenkommission kommen.
Seine Arbeit nahm auch der Oberste Sportschiedsgerichtshof CAS auf. Der nach Peking entsandten ad-hoc-Kommission liegen die zwei ersten Klagen über Nichtzulassungen im Hockey und Schwimmen vor. Über sie soll kurzfristig entschieden werden.
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