Parteivertreter verbitten sich Kritik von Kardinal Meisner: CSU-Generalsekretär sieht Seehofers Chancen auf Vorsitz skeptisch
zuletzt aktualisiert: 15.02.2007 - 17:34München (RPO). Die Kritik von Kardinal Joachim Meisner an Parteivize Horst Seehofer haben führende CSU-Politiker zurückgewiesen. Schließlich würden sich auch Parteien nicht in das Berufungsverfahren von Bischöfen und Kardinälen einmischen, sagte Landesgruppenchef Peter Ramsauer in einer Tageszeitung.
Meisner hatte vor dem Hintergrund von Berichten über eine Geliebte Seehofers dessen Eignung für den Vorsitz einer christlichen Partei in Frage gestellt. CSU-Generalsekretär Markus Söder äußerte sich derweil skeptisch zu Seehofers Chancen auf den CSU-Vorsitz. Seehofer konkurriert dabei gegen den Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber.
Die Äußerungen Meisners wurden unter anderem auch vom stellvertretenden Vorsitzenden der CSU-Grundsatzkommission, Georg Fahrenschon, als ungebührliche Einmischung zurückgewiesen. Es sei "nicht Aufgabe einer Amtskirche, sich in Einzelfragen oder Personalentscheidungen einzumischen", sagte Fahrenschon dem "Münchner Merkur". Auch der Vorsitzende des Landeskomitees der bayerischen Katholiken, Helmut Mangold, distanzierte sich von Meisners Äußerungen. Die Lebensführung eines Politikers sei "zunächst seine persönliche und gegebenfalls auch die Angelegenheit seiner Familie. Hier hat sich die Öffentlichkeit nicht einzumischen. " Politiker hätten zwar eine Vorbildfunktion. Aber die CSU könne selbst beurteilen, wem sie das Amt des Parteichefs anvertrauen wolle.
Dagegen betonte Barbara Lanzinger, Mitglied des Landesvorstands der Frauen-Union, eine Debatte über Seehofers Privatleben müsse anlässlich seiner Bewerbung um den Parteivorsitz zulässig sein. "Die Wähler dürfen von einem CSU-Chef erwarten, dass Reden, Denken und Handeln übereinstimmen", sagte Lanzinger der "Bild"-Zeitung.
CSU-Generalsekretär Söder unterstrich derweil in der "Passauer Neuen Presse", dass Seehofer anders als Huber in der Partei echte Gegner habe. Söder räumte aber zugleich ein, dass es in der CSU aber auch nicht nur "Huber-Euphoriker" gebe. Der bayerische Landtagspräsident Alois Glück warnte, der Wettstreit um den Vorsitz bis zum für Ende September geplanten Parteitag könne zur Zerreißprobe für die Partei werden. "Die Länge der Wegstrecke birgt das Risiko von Gruppenbildungen", sagte Glück dem "Münchner Merkur" (Freitagausgabe). "Das könnte die CSU beschweren." Dennoch sprach er sich gegen einen vorgezogenen Parteitag aus: "Das würde nur Hektik und Verwirrung bringen." Außerdem solle die CSU den Zeitplan von Amtsinhaber Edmund Stoiber respektieren.
Sein übergeordnetes Ziel sei es, die CSU zusammenzuhalten, sagte Glück. Wie er hätten Stoibers designierter Nachfolger als Ministerpräsident, der bayerische Innenminister Günther Beckstein, sowie Huber "über Jahre hinweg bedingungslos zu Stoiber gestanden". Ein höheres Amt für die Fürther Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli schloss Glück aus: "Ich sehe nicht, dass ihr eine führende Rolle zuwachsen wird und dass sie dafür herausragende Fähigkeiten mitbrächte. Ich kann auch keine politischen Mehrheiten dafür erkennen."
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