| 14.26 Uhr

CSU-Papier zur Flüchtlingspolitik
Keine Angst vor klaren Worten

Horst Seehofer – starker Mann aus Bayern
Horst Seehofer – starker Mann aus Bayern FOTO: dpa, ga Kjer
Meinung | Düsseldorf. Flüchtlinge aus dem "christlich-abendländischen Kulturkreis" sollen bevorzugt werden, fordert Horst Seehofer. Widerspruch von den Kirchen gibt es dazu nicht. Ein fataler Fehler: Den Populisten darf man nicht das Wort überlassen.  Von Franziska Hein

Horst Seehofers Vorschlag, Flüchtlinge aus dem "christlich-abendländischen Kulturkreis" zu bevorzugen, ist absurd. Vor allem, weil der bayerische Ministerpräsident einer Partei angehört, die das Wort "christlich" vor sich herträgt. Für das Christliche sind in Deutschland vor allem die Amtskirchen zuständig. Nur schweigen die angesichts der populistischen Vorschläge, die nichts mit christlichen Werten zu tun haben.

Die Deutsche Bischofskonferenz etwa will sich zu den Vorschlägen gar nicht äußern. Es ist ärgerlich, dass ausgerechnet jene, die die Schäbigkeit des Vorschlags enttarnen könnten, ihren Mund nicht aufmachen. Es braucht den Aufstand der Sanftmütigen – in Wort und Tat. Es wäre wünschenswert, dass diejenigen, die vernünftige Politik machen, und diejenigen, die Verantwortung für Staat und Gesellschaft übernehmen, eine ebenso klare Sprache sprechen wie die Populisten.

In Taten gemessen tragen die Kirchen sehr viel zur Integration von Flüchtlingen bei. Sie mobilisieren Ehrenamtliche und helfen über Diakonie und Caritas, dass Menschen hier ankommen können. Doch die öffentliche Rede der Kirchenoberhäupter ist genauso wichtig, um den Zynikern nicht die Deutungshoheit über den Umgang mit der Flüchtlingssituation zu überlassen. Solche Vorschläge darf man nicht einfach stehen lassen.

Das, was Horst Seehofer und seine CSU fordern, entspricht nicht dem Gebot der Nächstenliebe. Das Doppelgebot der Liebe ist eine zentrale Botschaft der Bibel: Du sollst deinen Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Und: Statt die ausländerfeindliche, unvernünftige, kleinmütige und nationalistische Politik der AfD zu enttarnen, greift die CSU lieber die CDU an und macht sich mit der AfD gemein. So hätte ein öffentlicher Kommentar lauten können. 

Dabei haben die christlichen Kirchen eine Haltung zur Flüchtingspolitik. Evangelische und katholische Kirche sind sich einig, dass der Leitgedanke im Umgang mit der Aufnahme und Integration die Nächstenliebe sein sollte. Nur hilft das nichts, wenn sie in den Augenblicken, in denen es darauf ankommt, nicht zur Stelle sind, um Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu verkünden. In diesen Zeiten müssen Christen aller Konfessionen den Zynikern in AfD und CSU "das Kreuz als Krone entgegenhalten", wie es der deutsche Kabarettist Hanns Dieter Hüsch einmal ausgedrückt hat. 

(heif)
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