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Niebler für 40-Prozent-Regel
CSU streitet über Frauenquote

2010: Strahlende CSU-Granden in Wildbad Kreuth
2010: Strahlende CSU-Granden in Wildbad Kreuth FOTO: ddp
München (RPO). Die Debatte über die Einführung einer Frauenquote in der CSU wird heftiger. Die Vorsitzende der Frauen-Union, Angelika Niebler, warb am Dienstag energisch für diesen Schritt. Man müsse damit "die Partei wachrütteln". Die Junge Union (JU) entgegnete jedoch: "Quotenregelungen widersprechen der Demokratie."

Niebler sagte der "Berliner Zeitung", die Quote sei nötig, um einen "Durchbruch" bei der Postenbesetzung durch Frauen zu schaffen. Die CSU habe sich bei diesem Thema "nach jahrelangen Appellen" und Bekenntnissen "nur ein bisschen nach vorne bewegt". Aber der "Big Bang" sei einfach noch nicht da.

Zugleich kritisierte sie, der bisherige Frauenanteil in der CSU sei mit rund 20 Prozent zu gering: "Wenn wir als Volkspartei den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein, müssen wir mehr Frauen für die Partei gewinnen." Das schaffe die CSU aber nur, wenn sie auch in den Führungsetagen mehr Frauen habe.

Notwendig sei deshalb für alle parteiinternen Gremien eine "40-Prozent-Quote", so Niebler. Sie sei zuversichtlich, dass diese Forderung auf dem CSU-Parteitag im Herbst durchgesetzt werden könne. Niebler betonte zugleich: "Irgendwann wird es auch eine CSU-Parteivorsitzende geben."

Die bayerische JU-Vizechefin Katrin Poleschner sagte dagegen, eine Frauenquote sei "nicht im Sinne einer modernen Parteiarbeit". Sie fügte hinzu: "Geschlecht darf Qualifizierung nicht ersetzen." Wer in der Politik etwas werden wolle, müsse sich durchsetzen - "egal ob Mann oder Frau".

Poleschner warnte: "Bei Einführung einer Quote werden sich alle Frauen in Führungspositionen automatisch dem Vorwurf ausgesetzt sehen, sich nur über eine Quotenregelung durchgesetzt zu haben." Dies werde "den engagierten Frauen nicht gerecht". Die Junge Union fordere stattdessen eine "konsequente Frauenförderung auf allen Ebenen der CSU". Dies könne zum Beispiel durch einen Ausbau der Mentoringprogramme und über Schulungen geschehen.

Im Übrigen werde die CSU "nicht automatisch nur dadurch attraktiver, wenn wir mehr Frauen in Führungspositionen haben". Die JU-Vizechefin fügte hinzu: "Entscheidender ist, dass wir die richtige Frauenpolitik machen, dass wir Themen ansprechen, die Frauen von heute bewegen."

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft wandte sich derweil strikt gegen eine gesetzliche Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. "Deutschland braucht nicht mehr Bürokratie und starre Quoten, sondern mehr konkrete Angebote für junge Frauen und Männer, damit sie Familie und Beruf besser vereinbaren können", sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Er setze auf freiwillige Lösungen.

(DDP/das)
 
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