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Ramsauer nennt den Kanzler einen "Anti-Patrioten": D-Day: Kanzler weist Kritik zurück

zuletzt aktualisiert: 04.06.2004 - 15:26

Berlin (rpo). Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat jegliche Kritik an seinem Besuchsprogramm der D-Day-Feierlichkeiten in der Normandie zurückgewiesen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, warf dem Kanzler vor, er sein ein "Anti-Patriot".

Politiker von Union und FDP bemängelten am Freitag, dass der Kanzler den deutschen Soldatenfriedhof in der Normandie meide. Schröder wies die Kritik zurück. "Ich finde es ein bisschen schade, dass selbst diese Geste benutzt wird zu kleinlichen Streitereien", sagte er. Mit Schröder nimmt erstmals ein deutscher Bundeskanzler an der Gedenkfeier teil. Sie erinnert in diesem Jahr bereits zum 60. Mal an die Landung der Alliierten in der Normandie, mit der der endgültige Sieg über Nazi-Deutschland eingeläutet wurde.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, sagte: "Herr Schröder predigt dauernd Patriotismus. Wenn er an einem deutschen Soldatenfriedhof vorbei geht, ohne einen Kranz niederzulegen, ist er für mich ein Anti-Patriot." Ramsauer sprach in diesem Zusammenhang von einer "Beleidigung für die vielen Bundeswehrsoldaten, die diese Gräber pflegen, und für alle deutschen Kriegerwitwen".

Der FDP-Verteidigungsexperte Günther Nolting forderte, der Kanzler "sollte seine Pläne noch einmal überdenken und auch einen deutschen Soldatenfriedhof besuchen." Der CSU-Politiker Norbert Geis forderte Schröder auf, sich ein Beispiel an Altkanzler Helmut Kohl (CDU) zu nehmen, "der 1984 gegen starken Widerstand mit US-Präsident Reagan den Soldatenfriedhof in Bitburg besucht hat - obwohl dort auch Soldaten der Waffen-SS liegen".

Der Kanzler entgegnete, er werde "selbstverständlich" auch toten deutschen Soldaten einen Besuch abstatten. So werde er einen Soldatenfriedhof besuchen, "auf dem Tote aus acht Nationen, darunter mehr als 300 deutsche Soldaten, liegen. Aber eben auch Alliierte", fügte er hinzu. Im übrigen gebe er den Rat, das Thema von partei- und machtpolitischen Spielchen frei zu halten. Nun müsse "das gemeinsame Gedenken" im Vordergrund stehen.

"Wenig sensible Auseinandersetzung"

"Ich verstehe die Menschen auch in großen Zeitungen nicht, die meinen, dass man daraus jetzt noch eine, wie ich doch finde, reichlich unhistorische und wenig sensible Auseinandersetzung machen darf", monierte Schröder. Wie Regierungssprecher Bela Anda mitteilte, wird Schröder den Soldatenfriedhof in Ranville besuchen, auf dem neben rund 2200 Gefallenen der Commonwealth-Staaten 322 deutsche Soldaten begraben sind. Bei einer Zeremonie werde er für alle dort begrabenen Soldaten einen Kranz niederlegen und einen weiteren Kranz am Grab eines unbekannten deutschen Soldaten. Anda bestätigte, dass ein Besuch auf dem deutschen Soldatenfriedhof in La Cambe bei Bayeux mit 21 222 Gefallenen nicht vorgesehen ist.

Anda betonte, der Kanzler empfinde die Einladung zu den Feierlichkeiten als eine große Geste der Versöhnung der damaligen Kriegsgegner. Die von wenigen in Deutschland angezettelte Debatte sei "nicht nur sachlich falsch, sondern auch rückwärtsgewandt".

An der nordfranzösischen Küste in Arromanches werden am Sonntag Staats- und Regierungschefs aus 17 Ländern erwartet, darunter US-Präsident George W. Bush und Großbritanniens Premier Tony Blair.


 
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