Deutschland-Besuch: Dalai Lama lobt Kanzlerin Merkel
zuletzt aktualisiert: 15.05.2008 - 15:13Frankfurt/Bochum (RPO). Am Morgen traf das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, zu einem fünftägigen Besuch in Deutschland ein. Er lobte Kanzlerin Merkel, forderte echte Autonomie für Tibet und traf die Ministerpräsidenten Koch und Rüttgers.
Der Dalai Lama hält sich erstmals seit Beginn der Tibet-Unruhen im März in Europa auf. Er traf am Morgen auf dem Frankfurter Flughafen ein. Als Ziel seiner Reise nannte der Dalai Lama, für menschliche Werte und religiöse Harmonie werben zu wollen.
Zum Tibet-Konflikt sagte der 72-Jährige, sein Volk strebe keine Unabhängigkeit von China an. Die Tibeter wollten aber echte Autonomie. Mit Blick auf die begonnenen Gespräche zwischen Vertretern der Exil-Tibeter mit der chinesischen Staatsführung zeigte sich der Friedensnobelpreisträger von 1989 zuversichtlich, dass es zu einem konstruktiven Verstehen zwischen beiden Seiten kommen könne.
Empfangen wurde der Dalai Lama von seinem langjährigen Freund, Hessens geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Nach seinem Treffen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert ging es für den Dalai Lama weiter zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter und der CDU-Politiker kamen zu einem Gedankenaustausch in einem Hotel der Revierstadt zusammen.
Am Mittag traf der Dalai Lama in Bochum mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) zusammen. Heftig umstritten ist das geplante Treffen des Tibeter-Oberhauptes mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Sie wurde auch aus den eigenen Reihen kritisiert.
Koch sagte, die chinesische Führung habe erkannt, dass sie die Probleme des tibetischen Volkes nicht mehr ignorieren könne. "Sie korrigiert diesen Weg im Augenblick mit dem Beginn der Gespräche", so Koch weiter. Er hoffe, dass die Verhandlungen in den nächsten Monaten in konkrete Vereinbarungen mündeten. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass es sich nur um eine "Schaufensterveranstaltung" vor den Olympischen Spielen handele.
Anlässlich seines Deutschland-Besuches lobte der Dalai Lama auch die Haltung von Bundeskanzlerin Merkel in der Tibet-Frage. Es sei "sehr couragiert" von Merkel gewesen, ihn im vergangenen September im Kanzleramt zu empfangen, sagte das Oberhaupt der Tibeter am Donnerstag dem Internetportal "bild.de". Zugleich bedauerte der Dalai Lama "Komplikationen", die nach seinem Treffen entstanden seien. "Das tut mir leid", sagte er.
Öffentliche Veranstaltungen sind von Freitag bis Montag in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin vorgesehen. Ebenfalls am Montag findet das Treffen mit Heidemarie Wieczorek-Zeul als Mitglied der Bundesregierung statt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte wegen Terminschwierigkeiten abgesagt, Bundeskanzlerin Merkel weilt noch in Lateinamerika.
Die chinesische Botschaft in Berlin will gegen das Treffen beim Auswärtigen Amt protestieren. Botschaftsrat Junhui Zhang sagte: "Wir sind dagegen, dass ein deutsches Regierungsmitglied den Dalai Lama empfängt und dass Deutschland ihm überhaupt die Einreise erlaubt."
Der Dalai Lama sei unmöglich nur in seiner Funktion als Religionsführer wahrzunehmen, "er will Politik machen". Die chinesische Botschaft hatte sich auch beschwert, weil Parlamentarier den Dalai Lama am Montag in Räumen des Bundestages treffen wollen.
Auf die Frage, ob er es bedauere, bei seinem jetzigen Besuch weder von Bundespräsident Köhler, noch von Außenminister Steinmeier zu einem Gespräch empfangen zu werden, erklärte der Dalai Lama, seine Reise nach Deutschland sei diesmal "zuallererst nicht politischer Natur". Wo immer er zu Besuch sei, "möchte ich keine Unannehmlichkeiten bereiten".
Deshalb habe er Verständnis für diejenigen, die bei einem Treffen solche befürchten. Dies sei "kein Problem" für ihn. Viel wichtiger als die Begegnungen mit Regierungen sei es ihm bei seinen Reisen, ein "öffentliches Forum" zu finden, um für "menschliche Werte zu werben".
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