CSU-Treffen im Schatten zu Guttenbergs: Das G-Wort ist in Wildbad Kreuth tabu
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 05.01.2011 - 17:22Wildbad Kreuth (RP). Parteichef Horst Seehofer strahlt zum Auftakt der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth im Schein der Wintersonne und steigender Beliebtheit für die CSU. Doch der eigentliche Star ist Karl-Theodor zu Guttenberg. Sein Griff nach der Spitze scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
Die ungeduldige Handbewegung des 39-Jährigen gilt beim Start der CSU-Landesgruppenklausur in Wildbad Kreuth nur einem Obstteller. Karl-Theodor zu Guttenberg schiebt ihn mit Schwung zur Seite. Wenn er wollte, könnte er auch ganz anderes beiseite schieben. Parteichef Horst Seehofer zum Beispiel. Aber Guttenberg will das nicht. Noch nicht.
45 Prozent Zustimmung haben die Demoskopen rechtzeitig zu "Kreuth" für die CSU ermittelt. So viel wie schon seit langem nicht. "Die 45 Prozent sind eine Teamleistung von vielen lustigen Charakteren" hat Guttenberg beim Eintreffen in dem schneebedeckten Hochtal vor dem Eingang des Klausursaales in der Hanns-Seidel-Stiftung in die Mikrofone gesagt. Dabei wissen es alle besser, wem die CSU ihre steigenden Sympathiewerte zu verdanken hat. Es ist die Hoffnung auf einen CSU-Chef Guttenberg.
71 Prozent der Bayern würden Guttenberg als Spitzenkandidat für das Ministerpräsidentenamt vorziehen. Nur 20 Prozent Amtsinhaber Seehofer. Die diffusen Gefühle sind noch deutlicher: 80 Prozent glauben, dass eine CSU unter Guttenberg "größere Chancen" hätte, nur noch zwölf Prozent tendieren bei dieser Frage zu einer von Seehofer geführten CSU. Guttenberg will sich auf die Gedankenspiele über die naheliegendsten Konsequenzen nicht einlassen. Heute habe er halt die 80 Prozent hinter sich. Morgen könne Markus Söder mit 80 Prozent vorne liegen und er selbst nur noch zehn Prozent haben. Er sagt es, aber natürlich glaubt es keiner.
Keiner bringt das G-Wort über die Lippen
Denn die Seehofer erdrückende Sympathieverteilung der Bayern wirkt auf die Führungsriege der CSU wie Lord Voldemort auf die Zaubererwelt in der Harry-Potter-Saga. Es ist die personifizierte Megabedrohung, so schlimm, dass man von ihm nur als demjenigen spricht, dessen Namen nicht genannt werden darf. Ganz gleich, wer von den CSU-Oberen am Mittwoch in Wildbad Kreuth auftaucht. und ganz gleich, wie hartnäckig die Journalisten nach Guttenberg fragen, keiner bringt das "G"-Wort über die Lippen.
Generalsekretär Alexander Dobrindt versucht es mit einem Ablenkungsmanöver. 2011 werde "das Jahr der Union", verkündet er - und widmet sich einem wiedergefundenen Feindbild. Die Kommunismus-Ambitionen der Linksparteichefin Gesine Lötzsch kommen ihm wie gerufen. Das bedeute, dass die Linke sich "außerhalb des Verfassungsbogens" stelle und deshalb wieder "bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet" werden müsse. Die Linke riskiere zudem, vom Bundesverfassungsgericht verboten zu werden.
Ein Wellness-Seehofer
Zurück zu den 45 Prozent, Herr Generalsekretär, zurück zu Guttenberg. Doch Dobrindts Sicht ist anders. Die 45 Prozent seien das Ergebnis erfolgreicher Arbeit "unter Horst Seehofer" und auch der Tatsache zu verdanken, dass in Berlin "die erfolgreichste Regierung Europas" zugange sei. Und Guttenberg? Dobrindt meidet den Namen und sagt nur, dass es bei der CSU keine Personaldebatte gebe. Ob denn Seehofer im Herbst erneut für den CSU-Vorsitz kandidiere? Dobrindt: "Ja, natürlich!"
Seehofer selbst folgt auf dem Fuße. Er gibt sich als Mann mit extrem gesteigertem Wohlgefühl. Er wünscht allen Gästen Gesundheit und ein "supererfolgreiches Jahr" - wie das bei der CSU nun einmal so üblich sei. Wer im Team geschlossen auftrete und genau wisse, was man wolle, der gewinne früher oder später auch die Zustimmung der Bürger. So lautet seine Interpretation der "45" Prozent. Daran will er sich jetzt erst einmal erfreuen, schließlich wisse keiner, wie es "nächste Woche" aussehe.
Das Lächeln wirkt ein wenig eingefroren
Nächste Woche tagt die CSU-Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth. Und die hat an diesem Ort schon so manchen Personalwechsel angeschoben. Damit keiner auf falsche Gedanken kommt, wartet Seehofer mit einer knappen Zusammenfassung seines ärztlichen Bulletins auf. Er fühle sich "pudelgesund", wolle mit großer Freude weiter arbeiten und sei derart "hoch motiviert", dass er im Herbst, "wenn alles so bleibt", wieder für den Chefposten kandidieren wolle.
Und wenn Guttenberg sich entschlösse, ebenfalls anzutreten? Auch Seehofer nimmt das "G"-Wort nicht in den Mund. Aber er will einem Wettstreit nicht ausweichen: Es gehöre zum "Selbstverständnis der Demokratie", dass es auch "eine Auswahl" geben müsse. Er jedenfalls sei zufrieden. Seine eigenen Sympathiewerte lägen immer dicht bei denen der Partei. Und dass die so gut da stehe, dafür danke er auch den beiden Generalsekretären Alexander Dobrindt und Dorothee Bär. Wieder vermeidet er das "G"-Wort.
Bei minus acht Grad wirkt das Seehofer-Lächeln allmählich wie eingefroren. Kurz bevor er in die wärmende Klausurstube tritt, versichert er noch einmal zu seinem Gemütszustand: "Das Leben ist schön." Drinnen wartet schon einer am Vorstandstisch. Blauer Rollkragenpulli unter blauem Jackett, ebenfalls lächelnd, ebenfalls bester Laune. Es ist der, dessen Namen in Kreuth nicht genannt werden darf. Noch nicht.
Zum Abschluss des ersten Klausurtages hatte die CSU die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, zu Gast. Käßmann, die den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr massiv kritisiert hatte, zeigte sich offen, das Kriegsgebiet zusammen mit Guttenberg zu besuchen.
Am Donnerstag werden der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, und BKA-Chef Jörg Ziercke erwartet. Am Freitag steht zum Abschluss der Klausur ein Gespräch mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, auf dem Plan.
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