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Althaus erntet Hohn und Spott: "Das ist wie Exorzismus"

zuletzt aktualisiert: 09.09.2009 - 14:15

Weimar (RPO). Nach einem bizarr anmutenden Machtkampf versucht die Thüringer CDU mit ihrer neuen starken Frau Christine Lieberknecht nach vorne zu blicken. Doch noch klingelt der Partei nach dem seltsamen Auftritt von Dieter Althaus das verheerende Echo in Politik und Medien in den Ohren. Derweil trafen sich Linke, SPD und Grüne zu Gesprächen über eine mögliche Koalition.

So labt sich die deutsche Presse zum Teil süffisant am Chaos, das Althaus verursacht hat und am bizarren Mini-Comeback, das Althaus am Dienstag in aller Öffentlichkeit ablieferte. Nun ist in den Medien flächendeckend von einer Posse die Rede. Viele bewerten Althaus' Verhalten als peinliches Schmierentheater eines irrlichternden Einzelgängers. Der scheidende Ministerpräsident habe seiner Partei damit nur geschadet. Manche fordern eine Intervention von ganz oben: Merkel müsse dem Treiben ein Ende setzen. Andere vergleichen den Fall spöttisch mit einer Teufelsaustreibung. Die CDU werde die bösen Geister einfach nicht los, spottet eine Zeitung. Eine Zusammenstellung der Pressestimmen finden Sie in unserem Überblick.

Dem drastischen Echo war ein bizarres politisches Theaterstück vorausgegangen. Noch-Regierungschef Dieter Althaus löste mit seinem überraschenden Auftritt erhebliche Irritationen und Verärgerung in seiner Partei aus. Hintergrund war offenbar ein Machtkampf um seine Nachfolge. Dann brachte Althaus das Fass zum Überlaufen. "Das ist eine echte Posse", echauffierte sich ein Führungsmitglied der thüringischen CDU. Sozialministerin Lieberknecht sah sich gezwungen, öffentlich die "Ära Althaus" für beendet zu erklären. Ein seltener Vorgang.

SPD und Linke weiden sich

Die thüringische SPD kommentierte den bizarren Streit in der CDU genüsslich. "Die Chaos-Tage müssen ein Ende haben. Die CDU muss zeigen, dass sie die Kraft hat, sich vom System Althaus wirklich zu verabschieden", sagte Matthias Machnig, Schattenwirtschaftsminister im Team des SPD-Spitzenkandidaten Christoph Matschie, unserer Zeitung. Das Land Thüringen und die SPD müssten wissen, woran sie sind, so Machnig. "Eine Klärung der Frage, wer die bestimmende Figur in der CDU ist, ist von entscheidender Bedeutung." Linken-Fraktionschef Hausold attestierte Althaus "völlige Konfusion".

Inzwischen ist das Ringen um eine Regierungsbildung in eine neue Runde gegangen. Anderthalb Wochen nach der Landtagswahl trafen sich in Weimar erstmals SPD, Linkspartei und Grüne zu einem Dreiergespräch über eine mögliche rot-rot-grüne Koalition. Offenbar mit gutem Ergebnis: Der Spitzenkandidat der Linken, Bodo Ramelow, und SPD-Landeschef Christoph Matschie zeigten sich hoch zufrieden. SPD und Linke hätten den Grünen ein gemeinsames Angebot gemacht, sagte Matschie. Letztere wollen nach den Worten von Vorstandssprecherin Astrid Rothe-Beinlich nunmehr die Parteibasis über die Aufnahme formeller Sondierungsgespräche entscheiden lassen.

Die Gespräche mit der Linken will die SPD parallel führen, alleine schon um die CDU unter Druck zu setzen. Gleichzeitig tagte in Erfurt die CDU-Landtagsfraktion. Mit dabei: Noch-Ministerpräsident Dieter Althaus. Bei den Abgeordneten stieß die Benennung von Sozialministerin Christine Lieberknecht als neue Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidentin auf große Zustimmung, wie es nach der Sitzung hieß. Am Donnerstag wollen Sozialdemokraten und CDU ihr erstes von drei weiteren Gesprächen führen.

Doch Rot-Rot?

Ob es nach den gut verlaufenen Gesprächen zu Rot-Rot in Erfurt kommt, bleibt fraglich. SPD-Spitzenkandidat Matschie hatte frühzeitig einen Linken als Ministerpräsidenten abgelehnt. Die Linkspartei hatte aber bei der Wahl fast zehn Prozentpunkte mehr erreicht als die SPD, die mit 18,4 Prozent nur drittstärkste Kraft wurde. Linken-Kandidat Bodo Ramelow machte deutlich, dass er persönlich nicht auf den Posten beharren werde, aber die Linkspartei das Zugriffsrecht habe. 

In Berlin setzt vor allem CDU-Chefin Angela Merkel auf eine große Koalition. Für Merkels CDU ist es die einzige Chance auf eine Regierungsbeteiligung in Thüringen. Und Christine Lieberknecht wäre nach Heide Simonis erst die zweite Ministerpräsidentin in Deutschland. Ein Pfund, mit dem die Union in den letzten Tagen des Wahlkampfs punkten könnte.

Quelle: RP/AP

 
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