Wikileaks über Tunesiens Präsidenten: Das opulente Leben der Ex-Herrscherfamilie
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 17.01.2011 - 15:39Tunis (RPO). Während die Tunesier auf der Straße um ihre Zukunft kämpfen, kommen immer mehr Details über das opulente Leben des Präsidenten und vor allem seiner Familie ans Licht. So soll etwa die Ehefrau 1,5 Tonnen Gold außer Landes geschafft haben, und auch Wikileaks offenbart so manche Ausschweifung der vormaligen Herrscherfamilie.
Wie die französische Zeitung "Le Monde" berichtet, stammt das Gold aus der Zentralbank des Landes. Das französische Präsidialamt verdächtigt demnach Leila Trabelsi, sich das Gold im Wert von 45 Millionen Euro beschafft zu haben. Auf Druck des gestürzten Präsidenten Ben Ali habe der Gouverneur der Zentralbank der Anfrage nach erstem Zögern zugestimmt.
Auch wenn die tunesische Zentralbank dies zurückweist, so passt es doch zu den Kabeln, die vor einigen Wochen auf Wikileaks veröffentlicht worden sind. Dort ist von massiver Korruption und Ausschweifungen die Rede, welche die "New York Tmes" sogar vermuten ließen, dass diese Veröffentlichungen ihren Anteil an den Unruhen tragen.
Vor allem die Familie involviert
Das wiederum hatte der Sprecher des US-Außenministeriums zurück. Denn die Tunesier seien sich der Bestechung, der Vetternwirtschaft und des verschwenderischen Lebensstils von Ex-Präsident Zine El Abidine Ben Ali und dessen Familie bereits lange vor der Veröffentlichungen der Dokumente bewusst gewesen. Und dennoch zeigen sie, wie Ben Ali über Jahrzehnte geherrscht hatte.
Allerdings, so wird auch in den Kabeln deutlich gemacht, beträfen die meisten Details zur Korruption eher die Familie als den Präsidenten selbst. Dennoch wird auch von einem Fall berichtet, in dem Ben Ali selbst sich bereichert haben soll. So soll er dem Chef einer Privatuniversität deutlich gemacht haben, dass er 50 Prozent der Universität haben wolle. Ben Ali freilich dementierte dies.
Vor allem die Präsidentengattin scheint eine große Rolle im Spiel um Macht und Geld gespielt zu haben. So wird in einer Wikileaks-Depesche davon berichtet, wie Leila Trabelsi eine 18-jährige Nichte mit einem wichtigen Politiker verheiraten wollte, nur weil eine seiner Frauen mit dem König von Jordanien bekannt sei.
Beschlagnahmte Jachten, opulente Diner
Doch die Ausschweifungen betreffen nach den Berichten der "New York Times" auch weitere Teile der Familie. So werde oft von ihr als der "Quasi-Mafia" berichtet. Dann heißt es, egal ob Geld, Land, Reichtum oder sogar Jachten - es werde gemunkelt, dass die tunesische Herrscherfamilie alles begehre. So hätten etwa zwei Neffen Ben Alis eine Jacht eines französischen Geschäftsmannes einfach beschlagnahmt.
Im Juli 2009 wurde wiederum von einem Diner des Schweigersohnes Mohammed Skher al-Materi berichtet, dass er für den amerikanischen Botschafter gegeben habe. Dieser berichtete - scheinbar schier beeindruckt - von einem prunkvollen Strandhaus, dass mit antiken Säulen, Fresken ausgestattet sei. Ein Löwenkopf spucke Wasser in einen Pool, und überall habe es Personal gegeben.
Das Diner selbst habe aus einem Dutzend Gängen bestanden. Und der Botschafter selbst habe die Opulenz des Abends als übertrieben bezeichnet und ihm sei klar geworden, warum einige Tunesier Ben Alis Familie hassten.
Ob jedes Detail stimmt, wird wohl niemand mehr nachvollziehen können, aber die Depeschen zeigen doch, in welchem Machtvakuum Ben Ali regiert hat. Die Tunesier selbst jedenfalls haben dem nun ein Ende gemacht und fordern nun auch die Auflösung von Ben-Alis Party - mit einem simplen Slogan. "Wir können nur von Wasser und Brot leben, aber wir können nicht mit der RCD leben."
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