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Datenreport des Statistischen Bundesamtes
Migranten verdienen 234 Euro weniger

Datenreport: Migranten verdienen 234 Euro weniger
FOTO: Ferl
Berlin. Jeder fünfte Bürger in Deutschland hat ausländische Vorfahren. Zuwanderer leiden häufiger unter Erwerbslosigkeit, der Zugang zu Bildung bleibt ihnen oft versperrt. Dennoch sind sie nicht unzufriedener als der Rest der Bevölkerung. Von Neeltje Huirne und Birgit Marschall

Ein umfangreicher Datenreport des Statistischen Bundesamtes und mehrerer wissenschaftlicher Einrichtungen gibt spannende Einblicke in das Leben der Migranten in Deutschland. Diese verdienen demnach 234 Euro pro Monat weniger als Menschen ohne Migrationshintergrund. Ihre monatlichen Nettoverdienste lagen 2014 um zehn Prozent unter dem Durchschnittsverdienst von Menschen ohne ausländische Wurzeln. Migranten waren demnach häufiger nicht erwerbstätig, geringer gebildet und armutsgefährdeter als die Restbevölkerung.

Zusammenhänge bei der Bildung

Das Zahlenwerk macht deutlich, wie wichtig Bildung und Weiterbildung für Integration und Erfolg am Arbeitsmarkt sind. Allgemein gilt: Je früher die Zuwanderung, desto geringer ist oft das Bildungsniveau der Migranten. Unter älteren Migranten aus den Gastarbeiter-Anwerbeländern, die in den 50er- und 60er-Jahren einwanderten, hatten zwei Drittel keinen berufsqualifizierenden Abschluss, nur 50 Prozent gehen heute noch einer Beschäftigung nach. Dagegen verfügten Zuwanderer zwischen 2000 und 2014 über ein überdurchschnittliches Bildungsniveau, während es in der Flüchtlingskrise wieder abgesunken ist.

Ausländer der ersten Generation verdienten 2014 im Schnitt netto 1984 Euro pro Monat, Migranten der zweiten Generation 2104 Euro. Differenziert nach Herkunftsländern sind die Unterschiede noch größer: Menschen mit Wurzeln in den neuen Mitgliedstaaten der EU wie Polen verdienten durchschnittlich mit 1789 Euro weniger als Personen mit einem Hintergrund aus Gastarbeiter-Anwerbeländern wie der Türkei, Spanien oder Italien, die im Schnitt 1946 Euro bekamen. Am besten schnitten im Vergleich Zuwanderer aus alten EU-Mitgliedsstaaten mit 2860 Euro ab.

311 und 963 Euro Unterschied

Hier zeige sich die Bedeutung von Bildung, so die Autoren der Studie. Sie fordern, bessere Zugänge für Migranten zu Bildungsangeboten zu schaffen. 35 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 64 Jahren hatten den Daten zufolge 2014 keinen berufsqualifizierenden Abschluss, bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund waren es nur neun Prozent. Migranten mit niedrigem Bildungsabschluss verdienten 272 Euro netto weniger als jene mit mittlerem Abschluss, diese wiederum 683 Euro weniger als solche mit hohem Abschluss. Bei Nicht-Migranten betrug der entsprechende Unterschied sogar 311 und 963 Euro.

Für ältere Migranten der ersten Einwanderer-Generationen ist das Armutsrisiko besonders hoch: Knapp ein Viertel der 50- bis 64-Jährigen und gut ein Drittel der über 65-Jährigen sind armutsgefährdet. Doch auch aktuell droht vielen Flüchtlingen Langzeitarbeitslosigkeit und Armut. So haben sich die Bedingungen am Arbeitsmarkt für Iraker und Syrer 2015 im Vergleich zu 2011 nicht verbessert, wie aus den Daten hervorgeht. Bei Frauen kommt ein zusätzliches Problem hinzu: Sie stehen dem Arbeitsmarkt oft aus sozio-kulturellen Gründen nicht zur Verfügung.

Hohe Bildungsmotivation

Das Bildungssystem müsse für Migranten durchlässiger werden, fordern die Autoren. Fehler der Vergangenheit bei der Integration dürften nicht wiederholt werden. "Die Bildungsmotivation bei Migranten ist oft höher als im Durchschnitt der Bevölkerung", sagte Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin. Das Bildungssystem sei für Migranten zu intransparent, sie würden öfter diskriminiert, fehlender Deutschunterricht werde zu selten nachgeholt.

Trotz des höheren Armutsrisikos und der geringeren Erwerbstätigkeit zeige sich keine überdurchschnittliche Unzufriedenheit bei Migranten, so die Autoren. Im Gegenteil: Sie sind sogar etwas zufriedener als die übrige Bevölkerung und blicken optimistischer in die Zukunft. Vor allem die zweite Migranten-Generation glaubt, in fünf Jahren noch zufriedener zu sein. Ablesen lässt sich dies auch an einer weiteren Zahl: 80 Prozent aller Migranten möchten für immer in Deutschland bleiben.

Quelle: RP
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