Minister auf Visite in Afghanistan: De Maizière besucht Truppe in Masar-i-Scharif
zuletzt aktualisiert: 17.06.2011 - 15:05Berlin (RPO). Nach dem Tod von vier Bundeswehrsoldaten bei Anschlägen in Afghanistan ist Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag zu einem Truppenbesuch an den Hindukusch gereist. Auf den Stützpunkten Masar-i-Scharif und Kundus gedachte der Minister der Getöteten und informierte sich über die Lage vor Ort, wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte. Der Besuch war öffentlich zuvor nicht angekündigt worden.
"Ich bin heute hierher gekommen, ohne Begleitung, ohne Presse, um ein ungeschminktes Bild von der Lage zu erhalten", sagte de Maizière nach Angaben des Ministeriums vor Soldaten im Hauptquartier Masar-i-Scharif. Vor dem Flug nach Afghanistan hatte er im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz die bei den jüngsten Anschlägen verwundeten Soldaten besucht. In den vergangenen drei Wochen waren bei einer Attentatsserie vier deutsche Soldaten in Nordafghanistan getötet worden.
Der Minister nutzte den Besuch, um die Soldaten über die geplante umfassende Reform der Bundeswehr zu informieren. "Ich bitte Sie, bei der Neuausrichtung aktiv mitzumachen, und zwar nicht, weil sie müssen, sondern weil Sie wollen", sagte de Maizière nach Ministeriumsangaben in Masar-i-Scharif. "Wichtig bei der Neuausrichtung der Bundeswehr ist, dass wir Mentalitäten und Denkweisen positiv ändern." Auch in Kundus waren die Reformpläne Thema des Gesprächs mit den Soldaten. De Maizière will die Bundeswehr deutlich verkleinern. Mit dem Wegfall der Wehrpflicht soll sie nur noch aus Freiwilligen bestehen.
In Kundus ließ sich de Maizière den Angaben zufolge durch eine Spezialeinheit der Bundeswehr, die so genannte Task Force 47, informieren. Zu deren Aufgaben zählt das Einholen von Informationen über Verdächtige, die mit Anschlägen gegen Sicherheitskräfte in Verbindung stehen könnten. Die Task Force 47 hat das Recht, gemeinsam mit den afghanischen Streitkräften solche Verdächtigen festzunehmen. In Kundus traf de Maizière außerdem zu einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Kommandeur des regionalen Wiederaufbauteams, Norbert Sabrautzki, zusammen.
Im März war de Maizière zu seinem Antrittsbesuch als Verteidigungsminister in das Land am Hindukusch gereist. Noch am Freitag wollte er die Heimreise nach Deutschland antreten. Insgesamt kamen bei dem Einsatz in Afghanistan bislang 52 deutsche Soldaten ums Leben.
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