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1. Mai
Krawall bei Demonstration in Berlin - viele Kundgebungen friedlich

1.Mai: Gewalt in Berlin, Hamburg und Paris
Berlin. Bei Demonstrationen linker Extremisten kam es in Berlin und anderen Städten zum 1. Mai zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Thüringen ging die Polizei gegen rechtsradikale Randalierer vor.

Krawalle sind in Berlin-Kreuzberg zum 1. Mai beinahe schon zum Ritual geworden. Das Ausmaß der Gewalt früherer Jahre blieb jedoch aus. Bei der "Revolutionären 1. Mai Demonstration" linker und linksextremer Gruppen in Berlin-Kreuzberg warfen Vermummte Flaschen, Böller wurden in die Menge geworfen sowie Nebeltöpfe und bengalische Feuer gezündet. Beamte wurden mit Fahnenstangen attackiert und beleidigt. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein. Etwa 40 Menschen wurden vorübergehend festgenommen.

Die Demonstration war erstmals nicht angemeldet worden. Nach Angaben von Polizeipräsident Klaus Kandt liefen rund 8000 Demonstranten in dem Zug mit, der nach etwa zwei Stunden endete. Etwa 300 Demonstranten wurden als gewaltbereit eingestuft, rund 800 als deren Unterstützer. Die Polizei war mit bis zu 5400 Kräften im Einsatz. Die Mai-Krawalle in Kreuzberg hatten erstmals vor 30 Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Sie nahmen in den Vorjahren aber deutlich ab.

Der SPD-Innenexperte und Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses Tom Schreiber wurde bei der Demonstration in Berlin-Kreuzberg attackiert. "Ich wurde gezielt angegriffen", schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. Ein Mann sei mit einer Flasche auf ihn losgegangen, sagte das Mitglied des Landesparlaments der Deutschen Presse-Agentur. Ein anderer habe ihm Schläge angedroht. Er sei unverletzt geblieben. Die Identität der Angreifer war unbekannt.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) verurteilte den Angriff auf seinen Parteifreund Schreiber als unerträglich. Der Innenpolitiker blieb unverletzt. Die Gewerkschaft der Polizei twitterte: "Gewalt gegen Abgeordnete ist Angriff auf Demokratie". Am Dienstag wollen Innensenator Geisel und Polizeipräsident Klaus Kandt eine Bilanz des Feiertages vorlegen. Beide werden am Mittag ihre Einschätzungen in einer Pressekonferenz diskutieren.

200.000 drängeln sich beim "Myfest"

Der Protestzug, der auch über Teile des Straßenfestes "Myfest" führte, war ohne Polizei gestartet. Als es dann immer aggressiver wurde, begleiteten Beamte die Demonstranten. Immer wieder griffen sie Störer aus der Menge. Das traditionelle "Myfest" in Kreuzberg feierten laut Geisel rund 200.000 Menschen. Dort herrschten dichtes Gedränge und gute Stimmung.
Wegen möglicher Terrorgefahr waren die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden.

Traditionelle Mai-Kundgebungen der Gewerkschaft

Am Tag der Arbeit haben auch Tausende Menschen für eine solidarische Gesellschaft demonstriert. Unter dem Motto "Wir sind viele, wir sind eins!" folgten sie dem traditionellen Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). In mehreren Demonstrationszügen ging es zum Brandenburger Tor. Nach DGB-Angaben nahmen insgesamt etwa 14 000 Menschen teil. Auf der Kundgebung der Gewerkschaft in Düsseldorf riefen Verbände, Kirchen und Politiker gegen Rassismus auf und machten sich für den Arbeitnehmerschutz stark. Eine geplante AfD-Veranstaltung in Düsseldorf war zuvor abgesagt worden.

In Halle in Sachsen-Anhalt stellten sich mehrere Tausend Menschen einem Aufmarsch von Rechtsextremisten entgegen. Initiator war die überparteiliche Initiative "Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage". Laut Polizei waren etwa 500 Rechtsextreme angereist.Die Partei Die Rechte hatte bundesweit für die Aktion mobil gemacht.

Rechte Szene greift in Thüringen Beamte an

Statt des Aufzugs gab es nur eine kurze Kundgebung unter massivem Polizeischutz. Vereinzelt kam es zu Rangeleien zwischen Gegendemonstranten und der Polizei. Die Beamten setzten Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Fünf Polizisten wurden verletzt. Auch bei den Demonstranten gab es Verletzte. Genaue Zahlen lagen nicht vor.

Auf der Rückreise mit der Bahn stiegen dann nach Angaben der Polizei etwa 100 bis 150 Demonstranten aus der rechten Szene in Apolda in Thüringen aus. Beamte wurden mit Steinen und bengalischem Feuerwerk angegriffen. Etwa 100 Menschen seien am Montagnachmittag vorläufig festgenommen worden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Gera der Deutschen Presse-Agentur.

Polizeikräfte sichern in Hamburg die Straße vor dem Kulturzentrum Rote Flora. Nach der "Revolutionären" 1.-Mai-Demonstration kam es dort kurz zu Auseinandersetzungen. FOTO: dpa, chc hjb

In Hamburg beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 2500 Menschen an einer Kundgebung linksextremistischer Gruppen. Die sogenannte revolutionäre 1.-Mai-Demonstration begann an der Sternschanze und bewegte sich mit Sprechchören in Richtung Jungfernstieg im Stadtzentrum. Nach der friedlichen Kundgebung kam es zu kleineren Zusammenstößen.

Bei einem Demonstrationszug linker Gruppen durch die Stuttgarter Innenstadt wurde eine 22 Jahre alte Polizistin verletzt. Sie wurde von einem unbekannten Demonstranten mit einem Holzstock in den Unterleib geschlagen, teilte die Polizei mit.

(juju/dpa)
 
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