Friedbert Pflüger im Porträt: Der Anti-Wowereit
VON MARGARETE VAN ACKEREN - zuletzt aktualisiert: 23.01.2006 - 11:59Berlin (RP). Manche sorgten sich schon, am Ende müsse in Berlin Friseur Udo Walz als Herausforderer von Klaus Wowereit (SPD) antreten. Jetzt ist ein Kandidat gefunden: Staatssekretär Friedbert Pflüger (CDU).
berlin Mit der Berliner CDU kann es nur aufwärts gehen. Bei Umfragewerten von 20 Prozent ist viel Platz für Entfaltung. Heimische Medien sorgten sich schon, die Union werde niemanden finden, der zur Abgeordnetenhauswahl im September gegen Klaus Wowereit (SPD) antritt. „Frisör Walz soll Bürgermeister von Berlin werden“ titelte vor einigen Wochen ein Blatt. Ein reiner Witz war das nicht. Gesucht: der CDU-Kandidat, der auf der Berliner Glatze politische Locken dreht.
Jetzt wurde ein politischer Profi gefunden. Friedbert Pflüger (50). Dass der Staatssekretär im Verteidigungsministerium Spitzenkandidat wird, steht so gut wie fest. Der Niedersachse kennt das Geschäft seit Jahrzehnten und hat sich die Fähigkeit zum kreativen Denken bewahrt. Doch mischt sich in der Union oft die Anerkennung für Pflügers Weg nach oben mit einem Hauch von Spott über seine betont weltmännische Art. Hartnäckig hält sich die Geschichte, er habe sich in Frankreich seinen Gesprächspartnern vorgestellt mit den Worten „Jö swi Friiibäär Flügär“. Als sich Pflüger vor einigen Jahren für die schnelle EU-Erweiterung einsetzte, sprach er vom „Big Bang“ (großer Knall). CSU-Spötter Michael Glos bemerkte bissig: „Der einzige, der hier einen großen Knall hat, ist Friedbert Pflüger.“
Früh übt sich...
Pflügers Aufstieg war steil und begann früh. Mit nicht einmal 30 Jahren wurde Pflüger Sprecher von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Zuvor leitete er das Büro von Weizsäckers in dessen Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin. In Habitus und Sprache wirkten beide bisweilen wie geistige Zwillinge. Dass Pflüger jetzt bereit ist, sich bei der maroden Berliner CDU in ein fast aussichtsloses Rennen zu stürzen, bringt ihm neuen Respekt ein. Für Angela Merkel ist das CDU-Desaster „vor der Haustür“ nämlich seit Jahren ein Dauer-Ärgernis. Dass sich ein anerkannter Bundespolitiker für den Job bereiterklärt, wird sie honorieren. So oder so.
Pflüger war einst in der Bonn-Berlin-Debatte klarer Befürworter der Lösung am Rhein. In der Berliner CDU, wo sich die Kreisverbandschefs wie Kiez-Krieger befehden, ist eigentlich ein Auswärtiger ein Aussätziger. Doch sieht man inzwischen in Pflüger die letzte Chance, in der Schlacht überhaupt noch eine Chance zu haben. Dass Pflüger kein Berliner sei, müsse keineswegs nur ein Nachteil sein, ist jetzt sogar zu hören. Soll sagen: Jeder Kandidat, der nichts mit dem Berliner Klüngel zu tun hat, ist gut. In Hauptstadt-Medien wird Pflüger als „Wowerator“ gefeiert. Dass Wowereit trotz der hoffnungslosen Finanzlage samt Folgeschäden in Berlin eine beachtliche Anerkennung genießt, ist ein Phänomen, das bisher weitgehend unerklärt blieb.
Derweil leben Berliner Boulevard-Zeitungen prächtig von Details aus Pflügers Scheidungsverfahren. Seine Noch-Ehefrau, Margarita Mathiopoulos, feuert die Debatte zusätzlich an. Mathiopoulos leitete einst das jähe Ende Willy Brandts als Parteichef ein, als die SPD sie als Sprecherin ablehnte. Per Leserbrief im „Focus“ teilte Mathiopoulos selbst mit: „Friedbert Pflüger fordert in der Tat 157000 Euro von mir.“ Und: „Meines Erachtens ist jedoch die Ehefrau, die freiwillig ihrem Parlamentarischen Staatssekretärs-Noch-Ehemann, seiner Praktikantin und deren unehelichem Kind finanziell unter die Arme greifen soll, noch nicht geboren.“ Hintergrund: Pflüger lebt inzwischen mit seiner früheren Mitarbeiterin zusammen, mit der er einen einjährigen Sohn (Leo) hat.
Pflüger zeigt sich enttäuscht, dass sein Privatleben nach 19 Ehejahren öffentlich breit getreten wird. Wenngleich: In Berlin interessieren zwar Privatgeschichten, gelten aber nicht als besonders aufregend. Pflüger konzentriert sich auf den Job, warf sich gestern in der Debatte über den Abriss des Palastes der Republik mächtig gegen Gregor Gysi ins Zeug. Signal: Ich bin ein Berliner - und bereit zum Kampf.
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